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Zulieferer senken Prognosen : Die Apple-Angst geht an der Börse um

  • -Aktualisiert am

Au Backe - nun kommen an der Börse auch noch Sorgen um Apple auf. Bild: AFP

Innerhalb von 24 Stunden haben zwei Apple-Zulieferer ihre Jahresprognose kassiert und verweisen auf geringere Bestellungen ihres größten Kunden. Die Börse interpretiert dies und der Kurs der Apple-Aktie fällt. Was machen langfristig denkende Anleger?

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          Der Zulieferer Lumentum des Börsenlieblings Apple hat am Montag mit der Mitteilung, dass er Nachfragerückgänge einer seiner wichtigsten Kunden verzeichne, für Interpretationen an der Wall Street gesorgt: Damit könne nur Apple gemeint sein. Also könnten sich der i-Phone-Umsatz und Apple schlechter entwickeln als erwartet.

          Die Folge war ein Kursrückgang der Apple-Aktie an der New Yorker Börse um zeitweise mehr als 5 Prozent. Da Apple eine gewisse Strahlkraft an den Finanzmärkten innehat, gaben gleich die Kurse zahlreicher anderer Technologiefirmen deutlich nach. Der Aktienkurs vom Zulieferer Lumentum fiel um fast 33 Prozent. Snap gaben 2 Prozent ab, Facebook 2,35 Prozent, Amazon 4,4 Prozent und Twitter gar 6 Prozent.

          „Die Zulieferkette rund um Apple beginnt, das Nachlassen der Nachfrage zu spüren", sagt Analyst Matt Miskin von John Hancock. Auch für Patrick O'Hare von Briefing besteht kein Zweifel, dass es sich bei dem Kunden um Apple handelt: Lumentum habe in diesem Jahr ein Drittel seines Umsatzes mit Lieferungen für Apple gemacht.

          Die Angst vor stagnierenden iPhone-Verkäufen

          Mit dem britischen Chiphersteller IQE hat am Dienstag nun ein weiterer Zulieferer von Apple seine Jahresprognose kassiert. Der Kerngewinn werde im laufenden Geschäftsjahr wohl um 16,4 Prozent niedriger ausfallen als noch vor einem Jahr. Der Grund sind Befürchtungen über stagnierende iPhone-Verkäufe. Anfang November hatte Apple bereits davor gewarnt, dass die Umsätze im wichtigen Weihnachtsquartal vermutlich niedriger als von der Wall Street erwartet ausfallen würden.

          Nun ist es wahrlich nicht so, dass Apple kurz vor der Pleite steht, sondern vielleicht im vierten Quartal und auch in den noch kommenden Quartalen nur ein bisschen weniger Geld verdienen könnte als bislang angenommen. Einem langfristig orientierten Anleger mag das beim Blick auf den Zehn-Jahres-Chart eher weniger interessieren. Denn ein solcher Investor hat aus einer Summe von 10.000 Euro, die er 2008 in Apple-Aktien gesteckt hat, bis heute mehr als 167.000 Euro gemacht, ein Plus von fast 1.800 Prozent.

          Lumentum Holdings

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          Doch solche Zahlen interessieren im Tagesgeschäft an der Börse nur wenige. Hier sind die kurz- und mittelfristigen Performance-Zahlen einer Aktie viel wichtiger für das Gros der Investoren geworden. Langfristige Strategie? Ist schon wichtig, aber das schnelle Geld ist wichtiger.

          Apple-Aktie ist attraktiv bewertet

          Entsprechend scheint es auch wichtig zu sein für manche Börsenexperten, nun zu erklären, dass der Aktienkurs von Apple seit Anfang November bereits mehr als 12 Prozent eingebüßt hat und der Börsenwert dieses Unternehmens unter die magische Schwelle von einer Billion Dollar gerutscht ist, die Apple als erstes Unternehmen überhaupt im August überschritten hatte. Das ist alles richtig – nur für wenn ist das wirklich wichtig?

          Für einen Anleger, der an Apple sowie seine Produkte glaubt und weiter der Meinung ist, dass dieser Technologiekonzern auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren das Maß vieler Dinge in unserer immer stärker technologisierten Welt sein wird? Wohl kaum. Ein Star-Investor wie Warren Buffett wird dieses wohl ebenso eher übergehen.

          Apple

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          Ein langfristig agierender Anleger schaut entspannt auf seine Apple-Position im Depot. Das kann auch jeder Anleger, der schon für fünf Jahren in Apple investiert hatte und das gilt für jeden, der vor 12 oder 24 Monaten in Apple Geld investiert hat. Apple verdient gutes Geld – und mit dem Konzern seine Aktionäre.

          Mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,5 für das kommende Jahr ist Apple ein attraktiver und nicht überteuerter Hightech-Wert. Schon gar nicht im Vergleich mit dem sogenannten „FANG-Aktien“, die teilweise mit KGVs jenseits der 60 (Amazon 61; Netflix 71) bewertet sind.

          Die aktuellen Kursabschläge bei Apple könnten da eigentlich zum Nachkaufen genutzt werden, gerade in einer Zeit, in denen die Börsenkurse dazu neigen, ein wenig zu korrigieren. Aktuell gibt der Aktienkurs von Apple im Xetra-Handel an der Frankfurter 0,85 Prozent auf 172,62 Euro nach.

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