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Zinssenkung erwartet : Fed am Wendepunkt

Im Rampenlicht: Fed-Präsident Jerome Powell bei einer Pressekonferenz in Washington D.C. Bild: Reuters

Alle rechnen heute Abend mit einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. Mit Spannung erwarten sie die Lageeinschätzung des Präsidenten Jerome Powell. Der allerdings steht unter Druck – Trump wirft ihm Ahnungslosigkeit vor.

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          Der Anschlag auf Saudi-Arabiens Ölproduktionsanlagen hat am Dienstag überraschend wenig Reaktionen an den Finanzmärkten provoziert. Kommentare des amerikanischen Präsidenten Donald Trump haben die Sorge vor einem militärischen Eingreifen gemildert. Dazu kommt, dass vor allem dank der Fracking-Revolution in den Vereinigten Staaten immer noch reichlich aus Schiefer gewonnenes Öl verfügbar ist. Der wichtigste Grund für die geringen Ausschläge an den Märkten ist aber, dass die Investoren sehnlichst auf die Botschaft warten, welche die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch verkünden wird.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Dabei rechnen die Märkte fest mit einer Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte in die Bandbreite von 1,75 bis 2 Prozent. Im Juli hatte die amerikanische Zentralbank den Zins zum ersten Mal seit 2008 gesenkt und damit den Prozess der Normalisierung der Geldpolitik beendet.

          Damals hatte Fed-Chef Jerome Powell vor falschen Erwartungen gewarnt: Der Zinsschritt diene als eine Art Versicherung und als Anpassung an den Wirtschaftszyklus, solle aber nicht als Beginn einer langen Serie von Leitzinssenkungen fehlinterpretiert werden. Die Aussage wurde generell so interpretiert, dass die Fed vor allem auf Schwächen wichtiger Auslandsmärkte einschließlich Deutschlands und Chinas reagierte und weniger auf die Konjunktur in den Vereinigten Staaten selbst.

          Google-Nutzer suchen „Rezession“

          Die Frage für die aktuelle Sitzung der Federal Reserve lautet deshalb, ob sich an der Lage-Bewertung etwas geändert hat, wie Powell die wirtschaftlichen Perspektiven für Amerika kommuniziert und welche Leitzinsprognosen die Zentralbanker selbst abgeben. Die Sitzung Ende Juli verlief ziemlich kontrovers für Fed-Verhältnisse.

          Einige Mitglieder des maßgeblichen Zentralbankrats hegten damals Zweifel, ob eine Leitzinssenkung angemessen sei angesichts guter Zahlen, die einen gesunden amerikanischen Arbeitsmarkt und eine kaum getrübte Konsumneigung der amerikanischen Verbraucher bestätigten. Zwei Zentralbanker hatten dementsprechend Ende Juli gegen die Entscheidung votiert, den Leitzins zu senken.

          Entscheidend ist, ob sich seitdem die Lage so stark verschlechtert hat, dass nun eine Serie von geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen gerechtfertigt wäre. Keinen Zweifel kann es daran geben, dass Präsident Donald Trump im Einklang mit vielen Marktteilnehmern eine Reihe von Zinssenkungen verlangt. Er setzt seine Serie zum Teil beleidigender Attacken gegen Powell und den Zentralbankrat fort, denen er regelmäßig Inkompetenz und Ahnungslosigkeit vorwirft. In einem Tweet vom Montag verlangte er einen großen Stimulus angesichts der Abwertung der chinesischen Währung, der Niedrigzinsen in anderen Ländern und der Attacke auf die saudi-arabische Ölproduktion. Auch die abermalige geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) treibt den amerikanischen Präsidenten um.

          Trump baut offenkundig vor: Er fürchtet schlechtere Konjunkturzahlen noch vor der Präsidentenwahl am 3. November 2020. Tatsächlich mehren sich Hinweise, dass der Ausblick weniger rosig scheint, als er noch vor wenigen Wochen erwartet worden war. Besorgt ist offenkundig der Ökonomieprofessor Robert Shiller. Er verweist auf ein ganz besonderes Warnsignal: Ende August war auf Google so häufig wie selten zuvor nach dem Begriff „Rezession“ gesucht worden.

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