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Zinshoffnungen : Neue Rekorde an Wall Street

  • Aktualisiert am

Die New Yorker Börse in der Wall Street Bild: AFP

Wird die Geldpolitik der Fed mit den neuen Kandidaten Trumps noch lockerer? Die Aktienmärkte setzen darauf.

          Der Unabhängigkeitstag ist in den Vereinigten Staaten ein Feiertag. Deswegen bleibt die New Yorker Wall Street am Donnerstag geschlossen. Wer aber geglaubt haben mag, der Mittwoch, an dem der Handel schon um 19 Uhr endete, werde ein ruhiger Vorfeiertag, sah sich getäuscht.

          Nicht nur, dass das Handelsvolumen völlig normal war, vielmehr sorgten Spekulationen auf eine Lockerung der Geldpolitik dafür, dass die wichtigen Aktienindizes neue  Rekordstände verzeichneten.

          Schon am Montag hatte der marktbreite S&P-500-Index auf einem Höchststand geschlossen, am Mittwoch legte er noch eine Schippe drauf und stieg um 0,8 Prozent auf 2995,82 Punkte nach oben. Gut möglich, dass es am Freitag über die historische Schallmauer von 3000 Punkten geht - denn die wollen nun viele fallen sehen.

          Auch der „Medien-Index“ steigt

          Der Dow Jones Industrial stieg um 0,7 Prozent auf exakt 26.966 Punkte. Auch hier könnten die 27.000 Punkte wohl schon am Freitag fallen. Obwohl der älteste Börsenindex viel Beachtung findet, ist er tatsächlich weniger bedeutend. Denn seine ungewichtete Konstruktion macht ihn letztlich wenig aussagekräftig. Tatsächlich gibt es etwa sienemal so viele ETFs auf den S&P-500 wie den Dow Jones. Experten bezeichnen ihn mitunter spöttisch auch als „Medien-Index“. Auch der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 gewann 0,7 Prozent auf 7857,69 Punkte.

          Grund der neuen Spekulationen war die Nominierung  der Ökonomen Judy Shelton und Christopher Waller für die beiden freien Positionen im Direktorium der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass beide Forderungen von Präsident Donald Trump nach Zinssenkungen unterstützen.

          An der Börse wird das mit Blick auf die unmittelbare Zukunft als positiv betrachtet, da niedrige Zinsen Aktien gegenüber Anleihen attraktiver erscheinen lassen. In Europa hatte die Nominierung von Christine Lagarde als Nachfolgerin des scheidenden Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi,  Zinssenkungshoffnungen bestärkt. Shelton und Waller müssen noch durch den Senat bestätigt werden.

          Eher am Rande wurde vermerkt, dass die aggressive Handelspolitik Donald Trumps zumindest bislang eher kontraproduktiv ist, Wie der Broker London Capital Group anmerkt, ist das amerikansiche Handelsbilanzdefizit im Mai mit 55,5 Milliarden Dollar höher ausgefallen als die vorläufige Schätzung von 54 Milliarden Dollar und auch das April-Defizit wurde nach oben revidiert.,

          Vor allem aber stieg das Handedsldefizit gegenüber China auf 30,1 Milliarden Dollar kräftg von 26, 9 Milliarden an. Die Abwertung des Yuan sei China zugute gekommen. Für die weiteren Handelsgespräche sie das wohl kaum von Vorteil, merkt der Broker an.

          Der deutsche Aktienmarkt wird am Donnerstag ohne Unterstützung aus den Vereinigten Staaten nur gut behauptet erwartet und der Dax 0,2 Prozent höher taxiert. Am Mittwoch hatte dieser mit 12.631 Punkten ein weiteres Zehn-Monatshoch erreicht.

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