https://www.faz.net/-gv6-97u5s

Niedrige Inflationssteuer : Was Draghi für die Sparer tut

  • Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi: Sparer-Schröpfer oder Inflationsdrossler? Bild: AFP

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wird in Deutschland von den Sparern weithin verdammt. Man kann dies aber auch anders sehen.

          Es hat etwas Rituelles, wenn deutsche Sparer den italienischen Präsidenten der Europäischen Zentralbank fluchen: Mit seiner Niedrigzinspolitik enteigne er die Sparer, beraube sie um ihre wohl verdienten Zinsen.

          Tatsächlich auch waren die Realzinsen auf das Sparbuch mit durchschnittlich minus 0,9 Prozent selten nie so niedrig wie in den rund sechs Jahren seit dem Amtsantritt Draghis. Selten ja, aber kein Rekord. In den siebziger Jahren etwa waren die Realzinsen in Deutschland über Jahre hinweg mit bis zu minus 1,3 Prozent im Sechs-Jahres-Durchschnitt noch erheblich niedriger. Dies war auch Mitte der neunziger Jahre bei bis zu minus einem Prozent der Fall.

          Einen Schritt weiter geht der Würzburger Ökonom und „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger. Dieser hat in einem Twitter-Beitrag nur kurz gezeigt wie sich, die (negativen) Realzinsen auf Girokonten entwickelt haben. Immerhin, so Bofinger, lägen ja rund 20 Prozent des Vermögens deutscher Haushalte auf zinslosen Konten.

          Da auf diese keine (Nominal-)zinsen gezahlt werden, wird auf sie praktisch immer ein (realer) Negativzins in Höhe der Inflation erhoben. Und dieser habe unter Mario Draghi bisher 1,2 Prozent betragen. Doch das ist wenig. In Zeiten der guten alten D-Mark belief sich diese „Inflationssteuer“ auf 2,7 Prozent und mithin mehr als das Doppelte. Es kommt eben immer ein wenig auf die Sichtweise an.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          FAZ.NET-Sprinter : Polizisten in der AfD

          Die Diskussion um die Kandidatur von fünf Polizisten für die AfD-Thüringen nimmt Fahrt auf. Und eine neue Allensbach-Studie zeigt: Der Höhenflug der Grünen beschränkt sich auf Westdeutschland. Was außerdem wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.