https://www.faz.net/-gv6-9hllu

Deutsches Ausnahmejahr : Zahl der Börsengänge sinkt weltweit um ein Fünftel

  • Aktualisiert am

Börsengang der chinesischen Mogu Inc. vergangene Woche in New York: Weltweit haben in diesem Jahr deutlich weniger Unternehmen den ersten Schritt aufs Börsenparkett gewagt als 2017. Bild: Reuters

Weltweit haben in diesem Jahr deutlich weniger Unternehmen den ersten Schritt aufs Börsenparkett gewagt als 2017. Zwei der weltweit fünf größten Börsengänge kam dabei aus Deutschland. Der größte des Jahres kommt aber erst noch kurz vor Weihnachten.

          Nach dem besten Jahr für Börsengänge in Deutschland seit der Jahrtausendwende erwarten Experten auch für 2019 ein starkes Jahr für Neuemissionen. In Deutschland seien insgesamt 15 bis 18 Börsengänge realistisch, sagt Listing-Experte Martin Steinbach von der Unternehmensberatung EY. Andere Beobachter rechnen mit zehn bis 15 Neuemissionen (IPO).

          Allerdings wird nach dem Ausnahmejahr 2018 die Luft dünner. „Es ist in diesem Jahr viel passiert. Vor einem Jahr war die Pipeline wesentlich stärker“, sagt Christoph Seidel, der das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen von JP Morgan in Deutschland und Österreich leitet. 2018 schafften es 16 Firmen in den streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse und sammelten 11,6 Milliarden Euro ein - das höchste Emissionsvolumen seit dem Jahr 2000. Mit Siemens Healthineers und Knorr-Bremse, die 4,2 Milliarden Euro und 3,85 Milliarden einbrachten, stammten zwei der weltweit fünf größten Börsengänge aus Deutschland.

          Weltweit stieg das Emissionsvolumen trotz des Rückgangs der Börsengänge um sechs Prozent auf knapp 205 Milliarden Dollar (181 Milliarden Euro). Größte Transaktion wird laut EY der Börsengang der Mobilfunk-Tochter des japanischen Technologie-Investors Softbank am 19. Dezember. Softbank will dabei 21 Milliarden Dollar einnehmen - der größte Börsengang aller Zeiten an der Tokioter Börse.

          An die Frankfurter Börse kommen neue Schwergewichte

          Auf Platz zwei folgt der chinesische Sendemastbetreiber China Tower mit 7,5 Milliarden Dollar. Auf Platz drei kommt der chinesische Smartphone-Produzent Xiaomi, der bei seinem Börsendebüt 5,4 Milliarden Dollar erlöste. Insgesamt halbierte sich die Zahl der chinesischen Börsendebüts zwar auf 307, die Unternehmen nahmen aber insgesamt 57 Milliarden Dollar ein. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Auch 2019 stehen in Frankfurt milliardenschwere Neuemissionen ins Haus. Volkswagen treibt die Vorbereitungen für den Börsengang seiner Nutzfahrzeug-Tochtergesellschaft Traton voran, der nach den Vorstellungen von Traton-Chef Andreas Renschler mehr als sechs Milliarden Euro schwer werden soll. Banker halten das Ziel aber für anspruchsvoll.

          Continental will seine Antriebssparte Powertrain an die Börse bringen. Zudem könnten 2019 der Autozulieferer Vibracoustic, die Fernbusfirma Flixbus oder der Sport-Händler Signa Sports auf das Parkett streben. Auch einige Börsenkandidaten, die wegen der Turbulenzen an den Aktienmärkten ihre Vorhaben auf Eis gelegt haben, könnten ihre Pläne wieder beleben.

          Uber plant den Börsengang

          EY-Experte Steinbach rechnet aber wegen der Brexit-Debatte und des Handelsstreits zwischen Amerika und China zumindest für Europa und China mit einem ruhigen Start ins Jahr 2019. „Investoren werden angesichts der andauernden politischen Risiken und stark schwankender Aktienmärkte weiterhin selektiv sein.“

          Insgesamt erwartet er im kommenden Jahr weniger IPOs als 2018 – voraussichtlich zwischen 1150 und 1300. Das Emissionsvolumen dürfte hingegen mindestens auf dem Vorjahresniveau liegen – vor allem dank des anhaltend starken amerikanischen Markts.

          Dort liefern sich die Mitfahrdienste Uber und Lyft ein Rennen, wer es als erster aufs Parkett schafft. Dabei könnte Uber einer der größten Börsengänge eines Technologieunternehmens aller Zeiten werden: In der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Uber mit 76 Milliarden Dollar bewertet, beim Börsengang könnten es sogar 120 Milliarden werden.

          Lyft ist mit einer Bewertung von zuletzt 15 Milliarden Dollar deutlich kleiner. Auch der Wohnungsvermittler Airbnb und der Messenger-Dienst Slack könnten eine Emission wagen. Während Airbnb zuletzt 31 Milliarden Dollar auf die Waage brachte, waren es bei Slack nur fünf Milliarden Dollar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

          Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.

          Vegane Ernährung : Arbeit ohne Heiligenschein

          Immer mehr vegane und vegetarische Lebensmittel kommen auf den Markt. Um sie herum gibt es jede Menge Berufe. Wie ideologisch muss man sein, um in der Branche klarzukommen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.