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China vs. Amerika : Yuan steuert auf neue Tiefstände zu

Es ist nicht Corona, was den Yuan derzeit unter Druck bringt. Bild: EPA

Der Kurs der chinesischen Landeswährung Yuan steuert inmitten der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Reich der Mitte derzeit auf einen neuen Zwölf-Jahres-Tiefstand zu.

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          Die wachsenden Spannungen zwischen den Vereinigte Staaten und China wegen des Streits um ein geplantes sogenanntes Sicherheitsgesetz für Hongkong setzen der chinesischen Währung zu. Ein Dollar wurde am unregulierten Offshore-Markt zuletzt mit 7,1734 Yuan bezahlt. Dies war der teifste Stand seit dem vergangenen September, als der Yuan zum Dollar im Zuge des akuten Handelskonflikts bis auf 7,1934 Yuan abgewertet hatte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hatte die chinesische Nationalbank (People’s Bank of China, PBOC) am Montag den amtlichen Kurs der auch Renminbi genannten Währung zum Dollar mit 7,1209 Yuan auf den niedrigsten offiziellen Stand seit dem Jahr 2008 gesetzt, steuerte sie am Dienstag dagegen und setzte diesen mit 7,1092 fest. Das hat zur Folge, dass der regulierte Onshore-Kurs und der Offshore-Kurs weiter auseinanderlaufen, denn der Kurs des Yuan darf sich offiziell nur in einer Bandbreite von jeweils 2 Prozent vom amtlichen Mittelkurs entfernen. Dennoch nutzt der Yuan dieses Band nicht aus und notierte am Onshore-Markt zuletzt mit 7,16 Yuan für den Dollar. Nichtsdestoweniger läuft der Kurs der Währung weiter geradewegs auf die Tiefstände aus dem vergangenen September zu, die seinerzeit ein Zwölf-Jahres-Tief darstellten.

          Neuer Konfliktpunkt ist neben amerikanischen Vorwürfen, China sei für die Corona-Pnademie verantwortlich, das Vorgehen der chinesischen Führung in Hongkong. China will dort nationale Sicherheitsgesetze durchzusetzen. Dies hat dort die ersten großen Unruhen seit den Protesten im vergangenen Jahr ausgelöst. Über Nacht haben Hunderte Bereitschaftspolizisten vor dem Parlamentsgebäude Stellung bezogen, wo am Mittwoch Demonstrationen gegen das von China geplante neue Sicherheitsgesetz erwartet werden, das den Einsatz chinesischer Sicherheitsorgane in der Sonderverwaltungszone Hongkong ermöglichen soll.

          USD/CNY

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          Amerikas Präsident Donald Trump kündigte deswegen noch für diese Woche Maßnahmen gegen China an, nannte aber keine Details. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte am Dienstag im Weißen Haus, der Präsident sei "verärgert" über Chinas Vorgehen. Es sei schwer zu erkennen, wie Hongkong ein Finanzzentrum bleiben könne, wenn China die umstrittenen Pläne vorantreibe. Trump wurde später von Journalisten im Weißen Haus nach etwaigen Maßnahmen gegen China gefragt. "Wir machen derzeit etwas, ich denke, das werden Sie sehr interessant finden", sagte er.

          "Das Ausmaß dieser möglichen Sanktionen ist ungewiss", sagten die Analysten der NAB. Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt könnte die globale Geschäftstätigkeit weiter ins Wanken bringen, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie bereits stark unter Druck steht.

          Zu den möglichen Maßnahmen werden Beschränkungen für Transaktionen zwischen beiden Ländern und das Einfrieren von Vermögenswerten chinesischer Repräsentanten und Unternehmen gezählt. Auch Einreisebeschränkungen für Vertreter der kommunistischen Partei Chinas seien möglich. Dies würde die breiteren Handelsbeziehungen nicht antasten, von denen auch Amerika profitiert, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Zur Debatte steht allerdings wohl der besondere Handelsstatus Hongkongs. 1992 hatten die Vereinigten Staaten Hongkong nach der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie als vollständig autonom in Handels- und Wirtschaftsfragen anerkannt. Hongkong ist damit bislang von den Trumpschen Strafzöllen ausgenommen und kann sensible Technik einführen.

          Die amerikanische Handelskammer hatte am Dienstag allerdings eine Gefährdung des Status Hongkongs als ernsthaften Fehler bezeichnet. Dieser sei für seine Rolle als Finanzplatz von fundamentaler Bedeutung.

          Der Yuan hat seit Mitte Januar um mehr als 4 Prozent abgewertet. Die PBOC werde den Yuan im Zuge der steigenden Spannungen mit den Vereinigten Staaten weitere abwerten lassen, sagte Qi Gao, Währungsstratege der Scotiabank der Nachrichtenagentur Bloomberg. Derzeit wartet der Markt noch auf das Wiederauflodern des transpazifischen Konflikts jenseits wechselseitiger Rhetorik, um dann entsprechend reagieren zu können.

          „Es gibt vieles, was den Beziehungen zwischen den USA und China zusätzlich schaden könnte. An den Märkten scheint man darüber wenig beunruhigt zu sein. Die Anleger glauben, dass Trump vor den Wahlen in sechs Monaten keine Maßnahmen ausweiten wird, die großen Schaden anrichten könnten“, sagt John Vail, leitender Globalstratege von Nikko Asset Management. China scheine bereit zu sein, den verstärkten Druck sogar eines Großteils der westlichen Welt zu akzeptieren.

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