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Fusionspläne : Xerox kündigt Verkauf an Fujifilm auf

Fujifilm-Chef Shigetaka Komori Bild: Reuters

Fujifilm ist vorerst mit dem Plan gescheitert, die amerikanische Ikone Xerox zu übernehmen. Die Anteilseigner des japanischen Unternehmens sind über das Scheitern aber offensichtlich erfreut.

          Es sollte eine grenzüberschreitende Fusion sein, wie es sie nicht oft gibt. Mit dem 1906 gegründeten Unternehmen Xerox sollte eine amerikanische Ikone in japanische Hand gehen. Das war der Plan, den Japans Fujifilm und Xerox Ende Januar präsentierten. Doch jetzt scheint die Fusion im Volumen von 6,1 Milliarden Dollar endgültig geplatzt. Xerox zieht sich aus dem Geschäft zurück. Fujifilm freilich bestreitet das Recht von Xerox, den Vertrag einseitig aufzukündigen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Amerikaner geben damit dem Druck der Aktionärsaktivisten Carl Icahn und Darwin Deason nach, die insgesamt mehr als 10 Prozent der Anteile des Unternehmens halten. Icahn und Deason hatten die Fusion von Beginn an abgelehnt, weil nach ihrer Meinung die Anteile von Xerox dadurch zu niedrig bewertet wurden.

          Xerox begründete den Rückzug nun damit, dass Fujifilm keinen Willen zeige, auf eine Neuverhandlung einzugehen, um die Bedingungen zu verbessern. „Wir sind extrem zufrieden, dass Xerox endlich das unvernünftige Schema aufgegeben hat, die Kontrolle über das Unternehmen an Fujifilm abzugeben“, erklärte Icahn in einer Stellungnahme.

          XEROX

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          Die Einigung von Xerox mit Icahn und Deason zieht einen vorläufigen Schlussstrich unter ein wochenlanges Hin und Her. Ende April hatte Deason in den Vereinigten Staaten eine einstweilige Verfügung gegen die Fusion mit dem Argument erlangt, dass der Noch-Chef von Xerox durch die Fusion seinen Job habe sichern wollen. Jeff Jacobson habe nicht die Interessen der Aktionäre im Auge gehabt. Jacobson wird nun wohl durch John Visentin ersetzt, einen früheren Manager von IBM und Hewlett-Packard. Xerox tauscht auf Druck der Aktionärsaktivisten auch einen Großteil des Vorstands aus.

          Fujifilm reagierte empört. „Wir glauben nicht, dass Xerox das legale Recht hat, die Übereinkunft zu beenden“, erklärte das Unternehmen am Montag. Man werde alle Optionen prüfen, einschließlich Schadensersatzansprüche. Fujifilm beklagte, der Xerox-Vorstand habe zusammen mit einer Minderheit der Aktionäre die Absage beschlossen. Die Fusion sei zu fairen Werten ausgehandelt worden.

          Fujifilm und Xerox hatten sich im Januar darauf geeinigt, dass Xerox im 60 Jahre alten Gemeinschaftsunternehmen Fuji Xerox aufgehen sollte. Xerox hätte seinen 25-Prozent-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen getauscht gegen einen 49,9-Prozent-Anteil an einem neuen Unternehmen, in dem Fuji Xerox und Xerox verschmolzen wären. Die Mehrheit von 50,1 Prozent an dem neuen Unternehmen hätte damit Fujifilm gehabt. Die bisherigen Anteilseigner von Xerox hätten zusätzlich eine Sonderdividende im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar erhalten.

          FUJIFILM HOLDINGS CORP.

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          Auch wenn Fujifilm Widerspruch einlegt, sind die Anteilseigner von Fujifilm mit der Entwicklung anscheinend zufrieden. Der Aktienkurs stieg im Vormittagshandel in Tokio zeitweise um 1,3 Prozent. Dahinter steht wohl die Erwartung, dass die nun gescheiterte Übernahme nicht noch teurer wird. Die Skepsis der Aktionäre war immer groß gewesen. Seit Bekanntgabe der Fusionspläne war der Aktienkurs um rund 6 Prozent gefallen.

          Xerox wurde 1906 gegründet und galt lange als Innovationsschmiede. Die Kopiermaschinen des Unternehmens waren früher so allgegenwärtig, dass „Xerox“ es als Synonym für „kopieren“ in den amerikanischen Sprachgebrauch schaffte.

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