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Wochenausblick : Wachstumssorgen setzen Dax unter Druck

  • Aktualisiert am

Blick auf die Dax-Tafel an der Frankfurter Börse. Bild: Reuters

Nicht nur die Hängepartien beim Brexit und bei den amerikanisch-chinesischen Zollgesprächen dürften in dieser Woche die Anleger beschäftigen. Ein aufkommender Verkaufsdruck im Dax könnte auch andere Gründe haben.

          Experten zufolge dürfte der deutsche Aktienindex Dax seinen zuletzt eingeschlagenen Konsolidierungskurs in den neuen Handelswoche mangels Fortschritten bei den zentralen Marktthemen fortsetzen. Laut dem Chefstrategen von der Privatbank Merck Finck, Robert Greil, werden der Brexit und Handelskonflikt zwischen Amerika und China auch im April wohl noch als Damoklesschwerter über den Börsen schweben.

          Der Dax war zuletzt mit 11.823 Punkten auf ein Hoch seit Oktober 2018 gestiegen, wo die Anleger dann der Mut verließ. Seit Tagen kämpft der Index nun schon um zwei bedeutende Indikatoren für den längerfristigen Trend, nämlich die einfachen und exponentiellen 200-Tage-Linien. Erstere hatte das deutsche Kursbarometer erstmals seit sieben Monaten wieder überschritten, zum Leidwesen der Optimisten entpuppte sich dieser Moment aber als Fehlausbruch.

          Aktuell ist die 200-Tage-Linie um etwas mehr als 3,3 Prozent unterschritten. Auch kurzfristige Indikatoren wie der GD20 oder der GD38 sind unterschritten, während mittelfristige Indikatoren wie die 100-Tage-Linie nach oben durchkreuzt wurden, der Abstand jedoch gering ist.

          Charttechnisch scheinen also die Ampeln beim Dax von Grün auf Gelb zu springen. „Der vorläufige Trend weist zwar noch nach Norden, doch die Hemmfaktoren, die einem weiteren Anstieg entgegen stehen, sind noch nicht aus dem Weg geräumt“, sagt ein Marktteilnehmer. Dieser rechnet damit, dass hoher Verkaufsdruck im Bereich zwischen 11.700 und 12.100 Punkten auch bei einer möglichen Kurserholung wieder für Probleme sorgen würde.

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          Die Verhandlungen zwischen China und den Vereinigten Staaten verliefen zuletzt genauso stockend wie das das Brexit-Thema. Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg aber glauben in ihrem Hauptszenario immerhin noch daran, dass für beide Fragen im ersten Halbjahr eine Lösung gefunden wird. So planen China und Amerika in der neuen Woche weitere Gespräche. Wie das Weiße Haus am Samstag mitteilte, reisen der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin nach Peking, wo die Verhandlungen am Donnerstag beginnen sollen. Nach dem Treffen ist zudem für den 3. April eine Reise einer chinesischen Delegation unter Führung von Vize-Premierminister Liu He nach Washington geplant.

          Beim Brexit liegt der Ball vorerst in London. „Wenn das britische Parlament dem ausgehandelten Vertrag zustimmt, gibt es immerhin Zeit bis zum 22. Mai, um einen geordneten Brexit zu organisieren“, sagte der Ökonom Ulf Krauss von der Landesbank Helaba. Sofern der Deal abgelehnt werde, werde es wohl nur einen kurzen Aufschub bis zum 12. April geben.

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          Nach einem bisher guten Lauf in diesem Jahr - der Dax hatte in der Spitze mehr als 11 Prozent zugelegt - wurden Anleger zuletzt auch konjunkturell auf dem falschen Fuß erwischt. „Schließlich hatten sie bereits auf einen baldigen Beginn eines neuen Aufschwungs gesetzt“, kommentierte dies Helaba-Experte Markus Reinwand. Die Skepsis der amerikanischen Notenbank Fed und schwache Einkaufsmanagerindizes zeichneten zuletzt aber ein anderes Bild. Weitere Indikatoren dürften daher sehr kritisch überprüft werden.

          Den Anfang macht dabei am Montag das wohl wichtigste deutsche Stimmungsbarometer, der Ifo-Index. „Angesichts der schwachen März-Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Deutschland droht der siebte Rückgang in Folge“, sagt der Merck-Finck-Experte Greil. Der deutsche PMI für das verarbeitende Gewerbe fiel diesen Monat mit 44,7 Punkten auf den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren - und damit deutlich unter die 50-Prozent-Schwelle, unter der ein wirtschaftliches Schrumpfen angenommen wird.

          Auf Unternehmensseite wird am Montag zunächst gespannt in das kalifornische Cupertino geblickt, wo Apple dem Vernehmen nach einen eigenen Videodienst vorstellen wird. Damit droht nach Netflix und Amazon ein weiterer amerikanischer Technologiegigant den hiesigen Medienkonzernen wie ProSiebenSat.1 oder RTL das Leben schwer zu machen.

          In Deutschland zieht die Berichtssaison weitere Kreise im Nebenwertebereich - am Dienstag zum Beispiel mit Jahreszahlen von Deutsche Wohnen oder Nordex , am Mittwoch mit Ströer und HHLA und am Donnerstag unter anderem mit Cewe, United Internet, Varta oder Evotec

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