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Brexit und Zollstreit : Die Börse wartet weiter auf Antworten

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Die Anleger warten auf diese Woche einmal mehr auf Antworten bei Brexit und Zollstreit. Bild: Reuters

Wichtige Großereignisse wie die Wahl in Großbritannien bremsen wohl vorerst die Risikobereitschaft der Anleger in dieser Handelswoche aus. So kurz vor dem Jahresende versucht jeder, sich nicht falsch zu positionieren.

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          An der Börse scheint das endlose politische Wirrwarr des Jahres 2019 die Anleger regelrecht abgehärtet zu haben. Zwar werden in der kommenden Woche wieder Antworten erhofft auf die Frage, wie es im Handelsstreit, beim Brexit, der Geldpolitik und in der Weltwirtschaft weitergeht. Nach Ansicht von Experten dürfte sich an der Gelassenheit der vergangenen Monate aber nicht mehr allzu viel ändern.

          Beim Brexit blicken die Anleger am Donnerstag auf die britische Parlamentswahl. „Nach einem wahrscheinlichen Sieg bei der Parlamentswahl am kommenden Donnerstag wäre für Boris Johnson der Weg frei, die EU Ende Januar geordnet zu verlassen“, schrieb Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank. Im Falle eines EU-Austritts wird mit einem umfassenden Freihandelsabkommen gerechnet, was zumindest den Warenhandel laut den Spekulationen nicht sonderlich beeinträchtigen wird.

          Wichtig wäre für die Märkte auch ein Hinweis auf den Fortgang im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit. Theoretisch wird es da in den nächsten Tagen mal wieder eng: Am 15. Dezember sind weitere amerikanische Zollerhöhungen gegenüber China angesetzt - wenn es denn nicht zu einem Aufschub oder sogar dem ersehnten „Phase-1-Deal“ kommt. Dazu gab es aber in den vergangenen Tagen oft widersprüchliche Aussagen, vor allem von Donald Trump.

          Eskalation bisher vermieden

          Immerhin haben beide Protagonisten eine Eskalation bislang vermieden, wie Helaba-Expertin Claudia Windt in einem jüngsten Kommentar schrieb. Das sei auch an den Märkten angekommen. Gleichzeitig nehme jedoch das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten Fahrt auf, „obwohl ein erfolgreiches Impeachment sehr unwahrscheinlich ist“, so Windt.

          Zudem rückt die innerdeutsche Politik ein wenig stärker in den Fokus: So riskiert die SPD eine Zerreißrobe in der großen Koalition. Auf ihrem Parteitag forderten die Sozialdemokraten in Berlin die perspektivische Überwindung der Schuldenbremse und die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Außerdem beschlossen sie eine Abkehr von der Sozialagenda 2010 ihres früheren Kanzlers Gerhard Schröder und von Hartz IV. „Wir sind Aufbruch, wir gehen in Richtung der neuen Zeit“, sagte die neue Parteichefin Saskia Esken am Sonntag vor den Delegierten. Die Union lehnte zentrale Forderungen der SPD unmittelbar ab.

          Bei aller Unsicherheit zeugen die derzeitigen Prognosen der Helaba dennoch von Zuversicht und einer möglichen Fortsetzung der Jahresendrally: Die Experten der Landesbank trauen dem Dax im vierten Quartal immerhin noch einen Zuwachs bis auf 13.500 Punkte zu. Damit würde sich der Index eng an seinen bisherigen Rekord von Anfang 2018 bei knapp 13.597 Zählern heranwagen.

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          Aus charttechnischer Sicht sind einige Experten etwas vorsichtiger. Laut dem Börsenstatistiker Andreas Büchler vom Fachmagazin Index-Radar zeichnet sich kurzfristig eine ähnliche Entwicklung wie in den vergangenen Wochen ab. „Die Seitwärtsbewegung des Dax dürfte sich noch für wenigstens ein paar Tage fortsetzen“, schrieb er.

          Auch aus der Geldpolitik werden in der nächsten Woche zwar neue Lebenszeichen, aber kein Paukenschlag erwartet. So stehen zur Wochenmitte sowohl in Amerika als auch in der Eurozone Zinsentscheidungen auf dem Programm. Bernd Weidensteiner von der Commerzbank ist sich sicher: „Die Fed wird auf ihrer Sitzung nächste Woche die Leitzinsen unangetastet lassen.“ Auch bei der Kommunikation seien keine wesentlichen Änderungen zu erwarten.

          Erste Pressekonferenz für die neue EZB-Chefin

          Mit Blick auf die EZB rechnet Helaba-Experte Ulf Krauss ebenfalls mit einer ruhigen ersten Pressekonferenz für die neue Chefin Christine Lagarde. Ihr Vorgänger, Mario Draghi, habe durch seine geldpolitische Lockerung im September erst einmal Handlungsdruck genommen.

          Darüber hinaus warten die Märkte derzeit noch immer ein Ende des Abschwungs in der deutschen Industrie. Das ZEW-Konjunkturbarometer könnte diesbezüglich am Dienstag neue Hinweise liefern. Er gehe allerdings davon aus, dass der Index im Dezember allenfalls leicht zulegen wird, schrieb Christoph Balz von der Commerzbank. Die deutschen Produktionsdaten vom Oktober hatten hier zuletzt wieder enttäuscht. Am Donnerstag wird es entsprechende Zahlen aus der gesamten Eurozone geben.

          Bei den Unternehmen könnte die Deutsche Bank sowie ihre Fondstochter DWS am Dienstag anlässlich eines Kapitalmarkttags im Fokus stehen. Das Bankhaus sieht sich trotz tiefroter Zahlen bei seinem radikalen Konzernumbau auf dem richtigen Weg.

          Dazu legen die Metro , der Metallkonzern Aurubis , und Tui am Mittwoch ihre Jahreszahlen vor. Am gleichen Tag richtet auch Thyssenkrupp in London seinen Kapitalmarkttag aus. Dem kriselnden Konzern steht ebenfalls ein harter Sanierungskurs mit Folgen für alle Beteiligten bevor.

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