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Wissenschaftsverlag : Springer Nature kündigt Börsengang an

  • Aktualisiert am

Der Wissenschaftsverlag Springer „Nature“ war ein Gast auf der internationalen Buchmesse in Peking Ende August 2017 Bild: AP

Mehr als 1,2 Milliarden Euro will der Wissenschaftsverlag Springer Nature mit seinem Börsengang einnehmen. Auch der Cloud-Telefonieanbieter Nfon und der Antivirus-Hersteller Avast kündigen Börsengänge an.

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          Trotz der turbulenten Märkte wagt sich mit dem Wissenschaftsverlag Springer Nature das nächste Schwergewicht an die Frankfurter Börse. Das Unternehmen selbst will 1,2 Milliarden Euro für den Schuldenabbau einsammeln, wie das von der Verlagsgruppe Holtzbrinck und dem Finanzinvestor BC Partners kontrollierte Unternehmen am Donnerstag mitteilte. BC Partners will zudem weitere Aktien verkaufen. „Der angestrebte Börsengang wird uns helfen, unsere künftige Entwicklung zu beschleunigen“, sagte Vorstandschef Daniel Ropers.

          Nach Siemens Healthineers und DWS, der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank, wäre Springer Nature die dritte Milliardenemission in Deutschland in diesem Jahr. Der Wissenschaftsverlag publiziert jährlich rund 13.000 neue Buchtitel und verlegt fast 3000 Fachzeitschriften wie das weltbekannte Wissenschaftsmagazin „Nature“ - die meisten davon online. Mit dem Berliner Verlagskonzern Axel Springer (“Bild“) hat Springer Nature nichts zu tun.

          Holtzbrinck bleibt beteiligt

          Der Wissenschaftsverlag kam 2017 mit rund 13.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 1,64 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) von 551 Millionen Euro. Gemessen an der Bewertung von Konkurrenten wie Relx und Informa könnte Springer Nature auf einen Börsenwert von mehr als sieben Milliarden Euro kommen.

          Springer Nature war erst 2015 aus der Fusion von Springer Science mit der Holtzbrinck-Tochter Macmillan Science & Education entstanden. Verleger Stefan von Holtzbrinck hält seither 53 Prozent der Anteile, BC Partners den Rest. Holtzbrinck will im Gegensatz zu BC Partners beim Börsengang keine Aktien verkaufen. Mit der Umwandlung des Unternehmens in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (AG & Co. KGaA) sichert er sich dauerhaft Einfluss - auch dann, wenn sein Anteil sinkt.

          Sofern Holtzbrinck beim Börsengang keine zusätzlichen Aktien erwirbt, dürfte sein Anteil bei Springer Nature unter 50 Prozent fallen. Er will aber langfristig bei dem Unternehmen engagiert bleiben. BC Partners wird sich dagegen über kurz oder lang komplett von seinen Anteilen trennen. „Der Börsengang ist ein logischer Schritt, um die Flexibilität für einen späteren Ausstieg für BC Partners zu schaffen“, sagte Springer-Nature-Finanzchef Ulrich Vest.

          Von Finanzinvestor zu Finanzinvestor

          Anleger will der Wissenschaftsverlag mit hohen Dividenden locken. „Da die akademischen Ausgaben weitgehend konjunkturunabhängig sind, können wir ein stabiles Umsatzwachstum mit starken Margen und steigenden Cash Flows verbinden“, warb Vest. „Auf diese Weise können wir unseren Aktionären attraktive und stabile Renditen bieten.“ Für 2018 soll die Ausschüttung bei 110 Millionen Euro liegen, künftig sollen 50 Prozent des bereinigten Jahresergebnisses als Dividende ausgezahlt werden. Mit dem Geld aus dem Börsengang will Springer Nature die Verschuldung auf rund 1,9 Milliarden von gut drei Milliarden Euro drücken.

          Der Börsengang von Springer Nature und dem Vorgänger-Unternehmen Springer Science wurde lange schon erwartet. 2015 war der Börsengang „in wenigen  Jahren“ angekündigt worden.

          In der Vergangenheit aber war das Unternehmen dann doch immer wieder von Finanzinvestor zu Finanzinvestor weiter gereicht. 2013 war der Börsengang schon in Planung, doch EQT verkaufte Springer Science dann doch an BC Partners verkaufte. EQT hatte den Verlag seinerseits 2009 von Candover und Cinven erworben. Candover hatte 2004 Springer bis 2007 kapitalmarktfähig machen wollen.

          Auch Nfon und Avast wollen aufs Parkett

          Der Frankfurter Börse steht in den nächsten Monaten eine Flut von Neuemissionen bevor. Auch die Angst vor einem drohenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China oder die jüngsten Entwicklungen im Syrien-Konflikt schrecken die Börsenkandidaten nicht ab.

          Am Donnerstag machte auch der Münchener Cloud-Telefonieanbieter Nfon seine Börsenpläne offiziell. Die Emission wird aber deutlich kleiner als die von Springer Nature. Der Gang aufs Parkett soll NFon selbst rund 50 Millionen Euro einbringen. Daneben wollen sich Altaktionäre von Anteilen trennen, der Streubesitz soll nach dem Börsengang bei rund 50 Prozent liegen.

          Weder Springer Nature noch NFon nannten einen genauen Termin für den Börsengang, in der Regel vergehen von der Ankündigung bis zur Erstnotiz rund vier Wochen. Einen Schritt weiter ist das hessische Softwareunternehmen Serviceware, dessen Börsengang rund 100 Millionen Euro einbringen soll. Es plant die Erstnotiz für den 20. April.

          Der tschechische Antivirus-Hersteller Avast plant dagegen einen Börsengang in London, der 200 Millionen Dollar einbringen und zum Schuldenabbau verwendet werden soll. Die Altaktionäre könnten darüber hinaus weitere Anteile im Wert von 800 Millionen Dollar abgeben, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Avast dürfte beim Börsengang, der voraussichtlich im Mai über die Bühne geht, mit rund vier Milliarden Dollar bewertet werden.

          Pavel Baudis und Eduard Kucera, die Avast vor drei Jahrzehnten gründeten, halten noch 46 Prozent an dem Hersteller von Antivirus-Software. Die Finanzinvestoren CVC und Summit Partners besitzen 29 Prozent und sieben Prozent. Avast hatte bereits 2012 einen Börsengang an der amerikanischen -Technologiebörse Nasdaq versucht, die Pläne aber wegen Marktturbulenzen abgesagt.

          Nach eigenen Angaben zählte Avast zuletzt 435 Millionen Nutzer und erwirtschaftete 2017 einen bereinigten Umsatz von 780 Millionen Dollar. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) lag bei 451 Millionen Dollar.

          Der neue Chef von General Electric, John Flannery, erwägt unterdessen laut einem Bericht des "Wall Street Journal" einen Börsengang einzelner Sparten. GE lehnte eine Stellungnahme ab.

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