https://www.faz.net/-gv6-aaer1

Wirtschaftskrise in der Türkei : Erdogan will den Leitzins halbieren

Erdogans Zinspolitik stößt auf die Ablehnung der Investoren. Bild: Getty

Der türkische Staatschef will trotz hoher Inflation die Zinszügel lockern. An den Märkten kommt das schlecht an. Die Lira verliert deutlich.

          1 Min.

          Der türkische Präsident Tayyip Recep Erdogan hat in bisher ungekannter Deutlichkeit Zinssenkungen von der nominell unabhängigen Zentralbank verlangt. „So Gott will, werden wir den Zinssatz auf einstellige Werte senken und diese Zahl dann weiter reduzieren. Wir sind entschlossen“, sagte Erdogan in einer Rede vor Abgeordneten seiner regierenden AK-Partei im Parlament von Ankara. Damit verringere man auch die Belastung für den Haushalt. Bisher hatte er nur unspezifische Zinssenkungen verlangt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Zugleich kündigte er an, auch die Inflation auf einstellige Werte reduzieren zu wollen. Die Rate der Geldentwertung war in den vergangenen sechs Monaten stetig gestiegen, aktuell liegt sie bei 16,2 Prozent. Um sie zu bekämpfen hatte der im März abgelöste Zentralbankchef die Leitzinsen in schneller Folge von 10,25 auf 19 Prozent angehoben und damit Vertrauen an den internationalen Märkten gewonnen. Devisen flossen ins Land, die Lira konnte ihre erheblichen Vorjahresverluste verringern.

          Lira verliert weiter an Boden

          Der von Erdogan ernannte neue Notenbankgouverneur Sahap Kavcioglu, der dritte Zentralbankchef in zwei Jahren, hatte unlängst erklärt, es sei nicht klar, ob die Notenbank den Leitzins auf der nächsten Sitzung in der kommenden Woche senken werde. Die Prognose dürfte nach Erdogans Intervention hinfällig sein. Die Lira verlor im Tagesverlauf gegenüber Dollar und Euro weiter an Boden und notierte 0,7 Prozent schwächer um 8,19 Lira je Dollar. Bei der aktuellen Inflationsrate von 16,2 Prozent liefe eine Halbierung des Leitzinses auf eine deutlich negative Verzinsung hinaus. Anleger dürften das kaum akzeptieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hat für heute Abend den CDU-Vorstands einberufen: Armin Laschet

          Mehr als die K-Frage : Was für Deutschland auf dem Spiel steht

          Jenseits des Streits um Kandidaten benötigt die Union inhaltlich einen kräftigen Ruck. Denn unser Land braucht eine große politische Kraft, die sich für eine stärker der Marktwirtschaft verpflichtete Politik einsetzt.
          Eltern gefordert: Der Bildungsfortschritt vieler Kinder hängt in Pandemiezeiten vom Einsatz von Mama und Papa ab.

          Lernen in der Pandemie : So retten wir die Schüler

          Corona hält eine ganze Generation vom Lernen ab – und bedroht ihre späteren Einkommenschancen. Noch lässt sich der Schaden wettmachen. Doch es muss sich systemisch sofort etwas ändern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.