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„Normal an die Arbeit gehen“ : Wirecard-Aktienkurs schießt um 20 Prozent nach oben

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Nach den drastischen Kursverlusten der Vorwoche erholt sich der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters Wirecard wieder. Der Unternehmenschef schließt rechtliche Schritte gegen die „Financial Times“ nicht aus.

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          Wirecard-Chef Markus Braun erwartet, dass die Schlagzeilen um angebliche bilanzielle Unregelmäßigkeiten spurlos an dem deutschen Zahlungsabwickler vorbeigehen. Er erkenne keine Auswirkungen der Berichterstattung auf das operative Geschäft, sagte Braun an diesem Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Ich glaube, wir können bald wieder normal an die Arbeit gehen.“

          Die angelsächsische Finanzzeitung „Financial Times“ hatte mit einem Bericht über angebliche Unregelmäßigkeiten innerhalb Wirecards in einen Singapur einen Kurssturz um 35 Prozent ausgelöst in der vergangenen Woche. Aufgedeckt haben soll dies angeblich ein  interner Informant. Am ersten Handelstag der neuen Woche nun hat sich der Wirecard-Aktienkurs deutlich erholt – er stieg im Tagesverlauf um mehr als 20 Prozent. Aus dem Handel ging die Aktie dann am Ende mit einem Plus von 13,7 Prozent auf 123,40 Euro.

          Wirecard habe den ganzen Fall aus seiner Sicht dargelegt, sagte Braun weitere. Er schloss zudem rechtliche Schritte gegen die Zeitung und den Autor des Textes nicht aus. Die Rechtsabteilung prüfe das.

          Schon am Montagmorgen teilte Wirecard mit, es halte die von der „Financial Times“ erhobenen Vorwürfe für entkräftet. Die mit der Untersuchung beauftragte Anwaltskanzlei Rajah & Tann habe bisher keine Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten eines Mitarbeiters gefunden.

          Interne Fehde?

          Hinter dem Vorwurf stecke womöglich eine Fehde zwischen zwei Mitarbeitern in Singapur. Nach Darstellung von Wirecard äußerte im April 2018 ein Mitarbeiter gegenüber der Rechtsabteilung Bedenken wegen eines möglichen Verstoßes eines Kollegen aus der Finanzabteilung gegen die Regeln zur guten Unternehmensführung (Compliance) bei der Bilanzierung.

          Die „Financial Times“ hatte von unkorrekten Buchungen und mutmaßlichen Fälschungen von Dokumenten geschrieben. Dabei ging es nach Angaben von Wirecard um Umsätze in Höhe von knapp sieben Millionen Euro – über eine Zeit von mehr als drei Jahren. Allein im ersten Halbjahr 2018 hatte Wirecard nach eigenen Angaben ein Transaktionsvolumen von 56,2 Milliarden Euro abgewickelt.

          Eine interne Untersuchung habe „zu Nachweisen geführt, dass die Vorwürfe unbegründet waren“ und Hinweise auf persönliche Feindseligkeiten zwischen den Mitarbeitern ergeben, heißt es nun von Wirecard. Trotzdem habe das Unternehmen eine externe Untersuchung bei der Kanzlei Rajah & Tann in Auftrag gegeben.

          Diese habe den Mitarbeiter nach einem Gespräch zunächst für glaubwürdig gehalten und daraufhin Mitte Mai 2018 den Auftrag erhalten, der Sache genauer auf den Grund zu gehen. Bisher habe die Kanzlei aber keinen Beleg für die Vorwürfe gefunden, wie Wirecard betonte.

          WIRECARD

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          Die Schlagzeilen rund um Wirecard haben inzwischen auch die Behörden in Singapur auf den Plan gerufen. „Die Polizei schaut sich das an“, teilte eine Sprecherin mit. Wirecard war vor dem Einzug in den Dax bereits mehrfach Zielscheibe von Bilanz-Vorwürfen, die dem Aktienkurs vorübergehend stark schadeten. Gegen den Herausgeber einer unter dem Firmennamen „Zatarra“ veröffentlichten Publikation, die dem Unternehmen betrügerische Machenschaften vorgeworfen hatte, ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig; auch über dessen Vorwürfe, von denen Leerverkäufer von Wirecard-Aktien profitierten, hatte zuerst die „Financial Times“ berichtet.

          Die britische Investmentbank HSBC hat die Einstufung für Wirecard auf „Buy“ mit einem Kursziel von 240 Euro belassen. Die neuen Anschuldigungen sorgten für starke Schwankungen, änderten aber nichts an der fundamentalen Einschätzung des Zahlungsabwicklers, schrieb Analyst Antonin Baudry an diesem Montag.

          Der Experte liegt mit seiner Prognose für 2020 wie auch der Marktkonsens deutlich über dem Umsatzziel des Konzerns. An den deutlichen Kursrückgängen verdienten Spekulanten gut, die auf fallende Kurse wetteten: Allein der Hedgefonds Odey Asset Management aus London soll 18 Millionen Dollar gemacht haben.

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