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General Electric : Wird diese Wall Street-Aktie wieder interessant?

  • -Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter von General Electric geht 2014 an einer Gasturbine vorbei. Bild: Reuters

Obwohl das Geschäft mit den Gasturbinen schlecht läuft, geht die Talfahrt von General Electric an der Wall Street allmählich zu Ende. Ein möglicher Grund sind die Aussagen eines Analysten, der die Entwicklung des Konzerns lange kritisch sah.

          Es gab mal Zeiten, als Analysten an der Wall Street zu richtigen Stars werden konnten. Die einflussreichsten ihrer Zunft bewegten mit ihren Studien Aktienkurse, bestimmten Debatten über die Zukunft von Unternehmen und beendeten in einigen Fällen sogar die Karriere von Spitzenmanagern. Das gilt besonders für Auguren, die sich mit ihrer Einschätzung gegen den allgemeinen Trend stellten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          So erkannte Meredith Whitney, eine vor der Finanzkrise eher unbekannte Analystin, im Oktober 2007 frühzeitig, dass die Citigroup gezwungen sein könnte, ihre Dividende zu kürzen. Ihre Verkaufsempfehlung für die Aktien der Großbank setzte damals deren Kurs schwer unter Druck, und es dauerte nicht mehr lange, bis der damalige Vorstandschef Charles Prince seine Stelle verlor. Sein Nachfolger kürzte dann die Dividende, und Whitney schaffte es im Jahr darauf auf die Titelseite des Wirtschaftsmagazins „Fortune“.

          In der nunmehr seit fast zehn Jahren anhaltenden Aktienhausse ist es um Analysten stiller geworden. Ihr Einfluss ist gesunken, weil der Aktienmarkt ganz allgemein von extrem niedrigen Zinsen gestützt wurde. Indexanlagen dominierten, und die Auswahl einzelner Titel wurde immer unwichtiger.

          Aktienkurs von General Electric beendet Talfahrt

          Aber es gibt auch Ausnahmen wie Steve Tusa, der in Diensten der Investmentbank JP Morgan Chase als Erster den Niedergang der stolzen amerikanischen Industrie-Ikone General Electric (GE) prognostizierte. Tusa stellte vor zweieinhalb Jahren als einziger Analyst die Gewinnprognosen und später auch die Dividende von GE in Frage. Damals wurden die Aktien des Siemens-Konkurrenten noch zu mehr als 30 Dollar gehandelt.

          In der letzten Handelswoche waren die GE-Titel auf unter 7 Dollar gefallen – ein Verlust von fast 80 Prozent. So schwach notierten die Aktien zuletzt während der Finanzkrise, die dem Konglomerat, dessen Sparte GE Capital eine der größten amerikanischen Finanzinstitutionen war, fast das Genick gebrochen hatte.

          In der vergangenen Woche schwächte Tusa angesichts des stark gefallenen Aktienkurses seine kritische Haltung etwas ab. Er nahm seine Verkaufsempfehlung zurück und unterstellt GE nun eine „marktneutrale“ Entwicklung. Außerdem strich JP Morgan GE von der Liste mit Aktien, für die die Bank Leerverkäufe (Shorts) nahelegt, also Wetten auf weiter fallende Kurse. Das reichte für eine kräftige Erholung des GE-Aktienkurses. Am Donnerstag schoss er um mehr als 7 Prozent in die Höhe. Seither hat der Kurs insgesamt wieder leicht nachgegeben, notiert aber klar über 6 Dollar.

          GEN. ELECTRIC

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          Zwischen Tusas erster Verkaufsempfehlung und dem jüngsten Bericht lagen Horrorjahre für GE: zwei Chefwechsel, ein Schrumpfkurs, der Rauswurf aus dem Standardwerte-Index Dow Jones und schließlich die Kürzung der Dividende, eine Sparmaßnahme, die für viele amerikanische Privatanleger lange Jahre undenkbar schien.

          Der auf den Erfinder Thomas Edison zurückgehende Konzern war einst das wertvollste amerikanische Unternehmen und stellte von Glühbirnen über Kernspintomographen bis zu Lokomotiven und Fernsehserien denkbar breitgefächterte Produkte her. Für den deutschen Siemens-Konzern war das Unternehmen jahrelang wichtigster Konkurrent, Benchmark und zum Teil auch Vorbild.

          Zukünftig will sich GE nur noch auf Kraftwerksturbinen, Flugzeugmotoren und erneuerbare Energien konzentrieren. Der seit Anfang Oktober amtierende Vorstandsvorsitzende Larry Culp hatte nach einem zweistelligen Milliardenverlust im dritten Quartal den Umbau der schwächelnden Kraftwerkssparte angekündigt.

          Bis zu 15 Milliarden Dollar Kapitalerhöhung werden fällig

          GE leidet wie Siemens unter nachlassender Nachfrage nach Turbinen für traditionelle Kraftwerke. Dazu kämpfte GE mit technischen Problemen einer neuen Generation von Gasturbinen. Auch Altlasten aus dem mittlerweile stark verkleinerten Finanzgeschäft belasten den Konzern. GE musste hohe Rückstellungen wegen juristischer Auseinandersetzungen um eine Ramschhypotheken-Gesellschaft bilden, die der Konzern 2004 übernommen und im Zuge der Finanzkrise wieder geschlossen hatte.

          Und obwohl GE seine Versicherungssparte schon 2006 abgespaltet hatte, garantiert der Konzern weiter Pflegeversicherungen, die die Bilanz wegen steigender Gesundheitskosten und höherer Lebenserwartung der Kunden belasten. GE rechnet damit, in den kommenden Jahren bis zu 15 Milliarden Dollar in das Geschäft pumpen zu müssen.

          Auch die Trennung von Sparten, die nicht zum Kerngeschäft zählen, hält an. In der vergangenen Woche trennte sich GE von einem Großteil der Softwarefirma ServiceMax, der an den Finanzinvestor Silver Lake geht.

          JP-Morgan-Analyst Tusa, der im Gegensatz zu GE selbst eine Kapitalerhöhung von 25 Milliarden Dollar für notwendig hält, um die Liquiditätsengpässe und Verbindlichkeiten anzugehen, glaubt allerdings, dass die meisten schlechten Nachrichten schon im Kurs reflektiert sind. Sein Kursziel für die GE-Aktien beließ er mit 6 Dollar aber immer noch unter dem aktuellen Niveau.

          Das Rückschlagrisiko für die Titel bezifferte Tusa auf bis zu 5 Dollar, das Aufwärtspotential bis auf 8 Dollar. Tusa: „Es ist möglich, dass das Unternehmen eine längere Sanierung erfolgreich ausführt, was das kurzfristige Verlustpotential begrenzt.“

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