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Windradhersteller : Senvion prüft Insolvenzantrag

  • -Aktualisiert am

Arbeiten auf hoher See: Offshore-Windpark Nordsee Ost Bild: dpa

Dass die Situation des Windradherstellers Senvion nicht gut ist, war bekannt, ein Sanierungsgutachten schon beauftragt. Doch nun wird wohl auch ein Insolvenzantrag geprüft.

          Der Windradhersteller Senvion prüft im Zusammenhang mit den seit Wochen andauernden Gesprächen um seine Finanzierung offenbar einen Insolvenzantrag. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, „evaluiert die Gesellschaft derzeit sowohl alle verfügbaren gerichtlichen als auch außergerichtlichen Reorganisationsoptionen“. Gerichte sind in finanziellen Krisenlagen erst dann beteiligt, wenn es um Insolvenzverfahren geht, daher deuten Fachleute die Ad-hoc-Meldung als Code dafür, dass sich die Lage in dem angeschlagenen Unternehmen zuspitzt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem Vernehmen nach braucht die Senvion SA, die früher Repower hieß, nach Verzögerungen in großen Projekten kurzfristig rund 100 Millionen Euro, um die Geschäfte weiterzuführen. Zwei Finanzinvestoren, die sich in die rund 400 Millionen Euro umfassenden Anleihen des Unternehmens eingekauft hatten, sollen bereit sein, den Bedarf zu decken.

          Allerdings müssen die finanzierenden Banken dieser Offerte der Hedgefonds Anchorage und Davidson Kempner noch zustimmen. Sollten sie das ablehnen, stehe das Unternehmen vor dem Aus. „Der Countdown für Senvion läuft, die Lage ist ernst“, sagt ein Berater.

          Warten auf Sanierungsgutachten

          Wie aus der Branche verlautet, hat der Finanzinvestor Centerbridge, dem Senvion mehrheitlich gehört, das Unternehmen zuletzt im Januar mit 40 Millionen gestützt, nachdem er schon im August den Großteil einer Kapitalerhöhung in Höhe von gut 60 Millionen Euro übernommen hatte.

          Über den jetzt geplanten weiteren Zuschuss muss Klarheit herrschen, bevor ein lange erwartetes Sanierungsgutachten gemäß S6-Standard (IDW S6) erstellt werden kann. Es wird für Ende April erwartet und soll klären, ob das Unternehmen mit insgesamt 4000 Mitarbeitern dauerhaft überleben kann.

          Am Montag fiel der Aktienkurs um weitere 7,2 Prozent auf 1,16 Euro und damit wieder in Richtung des Rekordtiefs von 1,00 Euro aus dem Februar. Seinerzeit hatte das Unternehmen die Umsatzprognose für 2018 auf 1,45 Milliarden Euro von 1,6 Milliarden gesenkt. Der bereinigte operative Gewinn sollte mit 40 Millionen Euro nur noch halb so hoch ausfallen. Bis zur Vorlage des Sanierungsgutachtens sollte kein Jahresabschluss vorgelegt werden. Die Ratingagentur Moody’s hatte das Rating der Firma auf „Caa1“ gesenkt und sieht damit ein sehr hohes Ausfallrisiko. An der Börse ist Senvion nur noch knapp 85 Millionen Euro wert.

          SENVION S.A. EUR -,01

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          Seinerzeit hatte Vorstandschef Yves Rannou gesagt, Senvion habe ein „von Grund auf solides Geschäftsmodell“. Man habe einen klaren Fahrplan, wie das Unternehmen mittelfristig wieder in die Erfolgsspur gebracht werden könne. Der Manager verwies dabei auf ein Auftragsbuch von fast fünf Milliarden Euro. Man habe allerdings „in einem herausfordernden Marktumfeld operationale Fehler gemacht.“

          Der Aktienkurs ist seit Mai 2018 um rund 90 Prozent gefallen. Überhaupt war das Unternehmen zumindest an der Börse keine Erfolgsgeschichte. Die aktuelle Notierung begann im März 2016 bei 15,90 Euro und erreichte mit 16,71 Euro im Oktober 2016 ihren Höchststand. Danach ging es abwärts, was aber bis eben Mai 2018 den Branchenbedingungen geschuldet war.

          Als dann aber Vorstandschef Jürgen Geißinger mit sofortiger Wirkung zurücktrat, gaben die Anleger offenbar schon auf. Die Begründung, Geißinger habe seine wesentlichen Ziele erreicht und wende sich nun neuen Aufgaben zu, schienen sie schlicht nicht zu glauben, allzumal der Umsatz um mehr als ein Drittel eingebrochen war.

          Senvion war unter dem Namen Repower zwischen 2002 und  2011 schon einmal börsennotiert. Die Aktie kam für 41 Euro an die Börse und kostete im Mai 2008 242,50 Euro. Als der indische Windkraft-Konzern Suzlon seinerzeit dann Repower für 1,3 Milliarden Euro kaufte, erhielten die verbliebenen Aktionäre 63 Euro je Aktie. Anfang 2015 verkauften die Inder aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Senvion für rund eine Milliarde Euro an die Finanzinvestoren Centerbridge und Arpwood, die den Windkraftanlagenhersteller dann im Weg einer Privatplazierung an die Börse brachten.

          Das lief aber schon nicht gut: Erst im zweiten Anlauf wurden 18,7 Millionen Aktien zu einem Preis von 15,75 Euro verkauft. Beim ersten Versuch wurden rund 29,9 Millionen Aktien zu 20,00 bis 23,50 Euro angeboten. Beim zweiten Versuch lag die Angebotsspanne bei 15,50 bis 17,00 Euro, so dass der Börsengang gerade so zustande kam.

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