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Nebenwerte 2019 (2) : Babys werden immer geboren

Beim Börsengang waren die Windeln.de-Manager noch voll Hoffnung: Die Gründer Alexander Brand und Konstantin Urban sind mittlerweile ausgeschieden. Nur noch Finanzvorstand Nikolaus Weinberger (l) ist geblieben. Bild: dpa

Der Aktienkurs von Windeln.de kennt seit Erstnotiz nur die Richtung nach unten. Das Management hofft auf die Wende durch die laufende Restrukturierung. Der Dienstag sendet ein Hoffnungszeichen.

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          135 Millionen Babys werden jedes Jahr geboren. Im Schnitt brauchen sie zehn Windeln am Tag, 365 Tage im Jahr. Von vielen weiteren Produkten mal ganz abgesehen. Der Markt für Babyprodukte ist groß, auch in China, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt. Dort sieht das börsennotierte E-Commerce-Unternehmen Windeln.de große Wachstumschancen. „Wir bedienen einen fundamental attraktiven Markt – China ist ein riesiger Markt“, sagt Nikolaus Weinberger, Finanzchef der Online-Plattform.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen Windeln.de vertreibt aber nicht nur Windeln, sondern alle möglichen Produkte rund um Neugeborene: Babynahrung, Babybekleidung oder Kindermöbel. In China werde aber vor allem Milchnahrung nachgefragt, sagt Weinberger. Das habe mit den Lebensmittelskandalen und Produktfälschungen der vergangenen Jahre in der Volksrepublik zu tun. „Viele Chinesen in der Mittelschicht kaufen die Produkte im Ausland. Hier bekommen sie die Originalware.“ Im Jahr 2017 wurden allein in China rund 105 Millionen Euro umgesetzt.

          Dabei will das Unternehmen mehr bieten als andere Online-Shops wie etwa Amazon. „Wir bieten auf der Website auch Beratung und Tipps für junge Familien an“, sagt Weinberger – sogar Partnerschafts- oder Erotikartikel.

          WINDELN.DE SE INH O.N.

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          Oberflächlich klingen die Aussichten rosiger, als sie es für das Unternehmen zuletzt waren. Seit Beginn der Börsennotierung im Juni 2015 ist der Kurs gen Süden unterwegs und erreichte am Montag einen Tiefstand von 1,235 Euro.

          Am Dienstag sieht es indes besser aus. Der Aktienkurs legt um mehr als 11 Prozent auf 1,38 Euro zu - obwohl die vorgelegten Quartalszahlen her gemischt ausfielen. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum abermals, und zwar um heftige 26,5 Prozent auf 20,8 Millionen Euro. Im Vorjahr war dieser um 45 Prozent geschrumpft. Auch in China sank dieser um 30 Prozent auf 12,3 Millionen. Der chinesische Markt erhole sich langsam von den negativen Effekten des Jahres 2018, die zu einem deutlichen Umsatzrückgang geführt hätten. Allerdings fiel der bereinigte Betriebsverlust mit 4 Millionen Euro niedriger aus als im gleichen Zeitraum 2018 mit 5,2 Millionen. 2018 war der Verlust trotz stark gesunkenem Umsatz unter dem Strich gleich geblieben.

          Die Quartalsergebnisse hatte das Unternehmen angesichts der laufenden Restrukturierung erwartet, insbesondere wegen „der Reduzierung der Marketingaufwendungen und der starken Margenorientierung“. Im deutschsprachigen Raum konnten die Margen verbessert werden. Im Gesamtjahr 2019 soll der Umsatz trotzdem wachsen und sich das Ergebnis auf Basis des bereinigten Betriebergebnisses verbessern.

          Vom Höchstkurs kurz nach dem Börsengang 2015 ist die Aktie von Windeln.de weit entfernt. In der Spitze wurden einmal 165 Euro bezahlt. Dass einmal so viel für die Aktie gezahlt wurde, erklärt Weinberger auch damit, dass die Ziele zur Zeit des Börsenganges zu ambitioniert gewesen seien. Auch  das vergangene Jahr sei insgesamt enttäuschend gewesen, sagt er. So gab es etwa zeitweilig Probleme mit der Einfuhr der Produkte nach China. Teilweise hingen diese vier bis fünf Wochen im Zoll fest.

          Dennoch scheinen die Anleger darauf zu hoffen, dass es wieder aufwärts geht und die große Restrukturierung bald Früchte trägt. Die Zahl der Windeln.de-Vorstände und der Mitarbeiter ist reduziert worden, die Gründer haben das Unternehmen verlassen. In Deutschland wurde das Sortiment von 50.000 auf 35.000 Artikel reduziert. Darüber hinaus hat man sich aus einigen Märkten zurückgezogen, so etwa aus Italien und einigen Ländern Osteuropas.

          Im Zusammenhang mit einer jüngst erfolgten Kapitalerhöhung, mit der zwei chinesische Investoren an Bord kamen, sollen auf der kommenden Hauptversammlung am 6. Juni Weijian Miao und Xiao Jing Yu in den Aufsichtsrat  gewählt werden.

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