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Weniger Umsatz erwartet : Jetzt die Zalando-Aktie kaufen?

  • -Aktualisiert am

Eine Outlet-Filiale von Zalando. Der Online-Versandhändler hat die Prognosen gesenkt. Bild: dpa

Umsatz und Gewinn des Online-Modehändlers Zalando fallen geringer aus als erwartet. Der Aktienkurs fällt deutlich. Ist das ein guter Zeitpunkt, die Aktie zu kaufen?

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          Die Hitzewelle 2018 hat nicht nur die Felder der Republik vertrocknen lassen. Auch beim Online-Modehändler Zalando herrscht Dürre. Der lange und außergewöhnlich heiße Sommer sowie ein verspäteter Start in die Herbst/Winter-Saison belasteten das Umsatzwachstum und den bereinigten Betriebsgewinn, heißt es vom Unternehmen, dessen Aktie im Nebenwerteindex M-Dax notiert ist.

          August und September seien von hohen Temperaturen in ganz Europa gekennzeichnet gewesen. Dadurch sei die Nachfrage im gesamten Modemarkt zurückgegangen, zudem wurden höhere Rabatte als im Vorjahr gewährt. Die hohen Temperaturen hätten darüber hinaus den Start der Herbst/Winter-Kollektion und den üblicherweise damit verbundenen Verkauf von Ware zum Vollpreis mit höheren Margen verzögert.

          Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet Zalando nunmehr ein Umsatzwachstum am unteren Ende der ursprünglich angestrebten Spanne von 20 bis 25 Prozent. Der bereinigte Betriebsgewinn werde zwischen 150 und 190 Millionen Euro betragen. Bislang war zumindest noch das untere Ende der Spanne von 220 bis 270 Millionen Euro angepeilt worden. Für das dritte Quartal 2018 erwartet Zalando zudem ein Umsatzwachstum und bereinigten Betriebsgewinn, der deutlich unter den Analystenschätzungen liegen wird.

          Zalando wächst schneller als der Modemarkt

          Trotz der gesenkten Umsatz- und Gewinnprognose sieht sich Zalando gut aufgestellt. Man wachse weiter deutlich schneller als der Modemarkt. Der Anteil des Partner-Programms und die Zahl aktiver Kunden entwickele sich weiter positiv. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds werde man weiter investieren, so Co-Vorstand Rubin Ritter. „An unseren langfristigen Wachstumszielen, unser Geschäft bis 2020 zu verdoppeln, ändert sich nichts.“

          Dennoch belasten höhere Rabatte und Umsatzkosten derzeit die Profitabilität. Das wiederum ist bei Zalando ein altes Problem. Bereits in den Jahren vor 2014 kämpfte das Unternehmen auf Grund hoher Werbeausgaben und einer Retourenquote von rund 50 Prozent mit Verlusten. Erst im Jahr 2014 konnten erstmals Gewinne erwirtschaftet werden.

          ZALANDO SE

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          Analysten sind sich nicht einig, was man von der Prognosesenkung halten soll. Goldman Sachs hat die Einstufung für Zalando auf „Neutral" mit einem Kursziel von 43 Euro belassen und argumentiert, die reduzierten Prognosen seien ein wetterbedingtes Sonderereignis. Wells Fargo wiederum hat das Kursziel von 60 auf 52 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Outperform" belassen. Das Geschäftsmodell sei intakt.

          Das Analysehaus Warburg Research empfiehlt derweil die Aktie weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 54 Euro. Analyst Jörg Frey hatte die Jahresziele schon zuvor für ambitioniert gehalten und mit einem leicht niedrigeren Ergebnis gerechnet. Die aktuelle Prognosesenkung sei aber deutlich schärfer ausgefallen als gedacht, schrieb er in einer ersten Reaktion am Dienstag. Die Kombination aus enttäuschendem Wachstum und schwachen Margen sei neu für den Online-Modehändler.

          Kurspotential von bis zu 50 Prozent

          Am Dienstagvormittag verliert der Aktienkurs von Zalando zeitweise mehr als 16 Prozent und notiert aktuell bei 36,82 Euro. Dies ist der niedrigste Stand seit Ende 2016. Auf Sicht von 12 Monaten hat die Aktie Anlegern ein Minus von knapp 10 Prozent beschert. Wer dagegen die Aktie seit drei Jahren im Depot hat, kann trotz der deutlichen Abschläge vom Dienstag noch ein Plus von mehr als 26 Prozent verbuchen. Wer den Analysteneinschätzungen Glauben schenkt, für den bietet die Notierung, die derzeit deutlich unter der 200-Tage-Linie steht, jetzt  eine gute Gelegenheit, günstig einzusteigen und ein Gewinnpotential von bis zu 50 Prozent auszunutzen.

          Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2019 liegt derzeit bei mehr als 64, nach knapp 90 für das Jahr 2018. Die Bewertung sollte aber kurzfristig wohl außer Acht gelassen werden. Anleger, die zwar keine Zalando-Aktie ins Depot nehmen wollen, aber dennoch die Chance von Kurssteigerungen sehen, könnten diese mit einem Turbo-Optionsschein von Vontobel (WKN: VN7E9L) mitnehmen. Der Hebel dieses Derivats liegt aktuell bei 6,8, die Laufzeit ist unbegrenzt, der Abstand zur Knock-Out-Grenze beträgt mehr als 17 Prozent.

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