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Deutsche Bank & Co. : Nicht gesund, nur ohne Diagnose

Bankentürme in Frankfurt am Main. Bild: AP

Wer auf die Aktien deutscher Banken setzt, muss einiges aushalten. Investoren sind es leid. Dabei wirkt es gerade so, als gebe es keine bessere Gelegenheit sie zu kaufen.

          5 Min.

          Die Deutsche Bank warb in den 90er Jahren mit einem Spruch für sich, über den sich im Nachhinein so manch ein Vorstand der Bank geärgert haben dürfte – und zwar bis heute. Der Werbespruch lautete: „Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Ein wahrer Satz, keine Frage. Aber das Vermaledeite daran ist, dass sich zumindest die Älteren immer wieder hämisch daran erinnern, wenn die Bank einmal mehr das Vertrauen ihrer Kunden und Anleger enttäuscht. Das ist im vergangenen Jahrzehnt häufig der Fall gewesen, war aber in der Amtszeit des aktuellen Vorstandschefs Christian Sewing bislang eher selten.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bis vor wenigen Wochen. Da wurde publik, dass die Bank laut Informationen eines internationalen Recherchenetzwerks möglichen Geldwäschefällen in ihrem Geschäft in Russland offenbar nur halbherzig nachgegangen war. Zwar wies die Bank diese Darstellung zurück. Pikant wird die Angelegenheit aber dadurch, dass damals ausgerechnet der Mann an der Spitze der zuständigen Konzernrevision stand, der heute den Vorstandsvorsitz innehat. Die Bank nannte alle Vorwürfe, dass Christian Sewing für die späte Aufdeckung des Problems verantwortlich sei, „konstruiert und falsch“. Doch an der Börse fiel sie damit durch: Der Aktienkurs brach ein, genauso wie die Kurse vieler anderer Banken, die ebenfalls im Kampf gegen Geldwäsche geschlampt haben sollen. Der Kurs der britischen HSBC Bank fiel gar auf den tiefsten Wert seit 25 Jahren. Von Vertrauen keine Spur mehr.

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