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Wohin mit dem Geld? : Die Rückkehr der Inflation

Die Preise für Waren und Dienstleistungen sind in Deutschland 2017 so stark gestiegen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Bild: dpa

Die Inflation ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die deutschen Sparer verlieren dadurch Milliarden. Höchste Zeit, das Geld besser anzulegen!

          3 Min.

          Zwei ehrwürdige Institutionen haben in der zurückliegenden Woche Zahlen veröffentlicht, die auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen scheinen. Da war zum einen das Statistische Bundesamt, das bekanntgab, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen 2017 so stark gestiegen sind wie seit fünf Jahren nicht mehr und somit die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 1,8 Prozent betrug. Nur einen Tag später verkündete die Bundesbank, dass die Deutschen ihr Geldvermögen weiter gesteigert haben, und zwar zwischen Juli und September 2017 um 66 Milliarden Euro gegenüber dem vorherigen Quartal.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einerseits wird hierzulande vieles deutlich teurer, andererseits besitzen die Deutschen immer mehr Geld – wie passt das zusammen in einer Zeit, in der Löhne nur moderat steigen und es fürs Ersparte so gut wie keine Zinsen mehr gibt? Die einfache Antwort lautet: Der Inflation kann zwar niemand entgehen. Aber jeder kann selbständig entscheiden, ob er sein übriges Geld gewinnbringend anlegt oder nicht.

          Fürs Alter vorsorgen

          Wie sehr die Inflation unser Geld auffrisst, zeigt ein einfaches Beispiel: Würde die durchschnittliche Teuerungsrate weiterhin bei 1,8 Prozent liegen, wären 10.000 Euro nach einem Jahr nur noch 9820 Euro wert. Würde sie über zehn Jahre auf diesem Niveau verharren, dann wären die 10.000 Euro nur noch 8360 Euro wert. Es ist also dringend geboten, einen solchen Kaufkraftverlust nicht nur auszugleichen, sondern darüber hinaus Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen.

          Im vergangenen Jahr sollte wirklich allen Deutschen klargeworden sein, dass ihr Geld zusehends schwindet, wenn sie sich nicht darum kümmern. Denn 2017 markierte einen Wendepunkt: Minimale Sparzinsen hatte es zwar auch schon in den vorherigen drei Jahren von 2014 bis 2016 gegeben. Allerdings betrug gleichzeitig die Inflationsrate deutlich weniger als ein Prozent, vorübergehend war sie sogar negativ. Das bedeutete:

          Die nominalen Zinsen für Spareinlagen waren zwar sehr niedrig, aber die meiste Zeit immer noch höher als die Inflationsrate. Der Realzins – also Nominalzins minus Inflationsrate – war somit positiv. Diese Zeit ist jetzt vorbei, weil die Inflation stark anzog, während die Zinsen knapp über dem Nullniveau verharren. Minus 0,8 Prozent beträgt derzeit der Realzins laut Schätzungen der DZ Bank. Das heißt: Die deutschen Sparer verlieren ständig Geld. Die DZ Bank geht von einem Verlust in Höhe von 38 Milliarden Euro aus, die Allianz kalkuliert mit 35 Milliarden. Egal, wessen Schätzungen genauer sind: Es sind horrende Summen.

          Der Mittelwert fürs Tagesgeld liegt laut Zinsvergleichsportal FMH bei dürftigen 0,02 Prozent. Bei ausländischen Banken, die hierzulande aktiv sind, bekommen Sparer zwar noch bis zu einem Prozent. Aber selbst das gleicht bei weitem nicht die Inflationsrate aus. Auch die besten Festgeldangebote können beim Zinssatz nicht mit der Inflationsrate mithalten. „Die Realzinsfalle bleibt intakt“, sagt daher Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Er prophezeit „negative Realzinsen bis weit in die zwanziger Jahre hinein“. Zwar könnte es 2021 wieder einen Zins von einem Prozent aufs Sparkonto geben. Aber voraussichtlich werde der Sparzins erst vier, fünf Jahre später die Inflationsrate übertreffen.

          Dass eine Zinserhöhung, die den Namen verdient, so fernliegt, dafür ist die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich. Sie verfolgt weiterhin eine für Deutschland viel zu lockere Geldpolitik. Ihr Anleihekaufprogramm läuft noch bis September dieses Jahres, und eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen, sollte die Inflation in der Eurozone – im zurückliegenden Dezember waren es 1,4 Prozent – weiterhin weit vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt liegen. Da die Zentralbanker die Leitzinsen erst nach dem Ende ihrer Anleihekäufe anheben wollen, bleibt es für Sparer noch eine ganze Weile ungemütlich.

          Vieles deutet darauf hin, dass die Inflation in diesem Jahr ungefähr auf ihrem aktuellem Niveau bleiben wird. So sieht Deka-Ökonom Kater die Teuerungsrate erst 2019 in Richtung zwei Prozent steigen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass es schneller nach oben geht. Die Konjunktur in der Eurozone wächst, die Löhne in Deutschland steigen dieses Jahr wohl stärker, so dass viele Waren und Dienstleistungen sprunghaft teurer werden könnten.

          Die jüngsten Bundesbank-Zahlen zeigen, dass sich immer mehr Sparer der tristen Aussichten bewusst werden. Zwar horten viele Haushalte weiterhin Bargeld, parken es auf Giro- oder Tagesgeldkonten oder bleiben dem Festgeld treu. Doch daneben legen sie allmählich immer mehr Geld in Aktien und Fonds an, um eine ordentliche Rendite zu erzielen. Genau dieses Umdenken ist auch der Hauptgrund dafür, dass die Bundesbank vergangene Woche bekanntgeben konnte, dass das Geldvermögen der Deutschen 2017 deutlich gestiegen ist: Die Kurszuwächse an den Börsen machten die Haushalte reicher. So hat der deutsche Aktienindex Dax im vergangenen Jahr fast 13 Prozent an Wert gewonnen, im langjährigen Schnitt bringt er es auf ein Plus von fast neun Prozent. In Amerika jagen die Börsen seit geraumer Zeit von einem Rekord zum nächsten.

          Was Dax-Konzerne auch attraktiv macht: Sie beteiligen ihre Aktionäre an den Gewinnen und schütten mit schöner Regelmäßigkeit viel Geld aus. So wird für dieses Jahr eine durchschnittliche Dividenderendite von 2,8 Prozent erwartet. Allein damit lässt sich der Inflation mehr als trotzen.

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