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Weniger reguliert : Erstes Londoner SPAC nach neuen Regeln

Blick auf die Londoner Skyline von Greenwich Park Bild: Reuters

London will vom lukrativen SPACs-Kuchen etwas abbekommen, den bislang New York dominiert. Dafür hat die britische Regierung nach dem Brexit lockerere Gesetze erlassen. Jetzt macht Hambro Perks den ersten Schritt.

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          Die auf Techunternehmen spezialisierte Risikokapitalgesellschaft Hambro Perks hat angekündigt, eine Mantelgesellschaft (SPAC) an die Börse London zu bringen, und will dabei 150 Millionen Pfund (rund 180 Millionen Euro) Kapital aufnehmen. In der britischen Finanzszene wird der Schritt als Beleg dafür gesehen, dass die seit Kurzem gelockerten Regeln für SPACs den Londoner Börsenstandort attraktiver machen.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das SPAC (Special Purpose Acquisition Company) von Hambro Perks soll am 7. Januar an der Börse starten und bis Frühjahr 2022 ein „Einhorn“, also ein schnell gewachsenes Jungunternehmen mit Milliardenbewertung, aus der Technologiebranche aufkaufen. SPACs haben in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Boom erlebt, der allerdings seit diesem Frühjahr etwas ausgetrocknet ist. Die Zweckgesellschaften werden als „leere Hüllen“ gegründet und sammeln an der Börse Kapital ein, um anschließend ein Übernahmeziel zu suchen. Das aufgekaufte Unternehmen wird mit der Hülle verschmolzen und auf diese Weise über das SPAC an die Börse gebracht. Die Hambro Perks Acquisition Company (HPAC) wird fünfzehn Monate Zeit haben, um eine Übernahme unter Dach und Fach zu bekommen. Klappt dies, kassiert Hambro Perks bis zu einem Fünftel des Übernahmewerts; andernfalls erhalten die Aktieninvestoren ihr Kapital zurück.

          London als Technologie-Hauptstadt Europas

          Die britische Regierung versucht seit einiger Zeit, durch neue Regeln nach dem Brexit den Börsenstandort attraktiver zu machen. Nach einem Bericht des früheren EU-Finanzkommissars Lord Jonathan Hill dazu traten im August teils gelockerte Regeln in Kraft. Sie sollen für London einen größeren Teil vom lukrativen Kuchen mit SPACs sichern, die bislang zum allergrößten Teil nach New York gegangen sind.

          Das erste SPAC für London hat daher in der britischen Finanzpresse Aufmerksamkeit erregt. Dominic Perks, der Vorstandschef von Hambro Perks, sagte, die im August in Kraft getretenen neuen Regeln seien „entscheidend“ gewesen für die Wahl des Börsenstandorts für HPAC. Man habe sich die US-Börse und auch Amsterdam angeschaut, aber dann für London votiert. Die geänderten Regeln hätten dort den Markt geöffnet, so Perks. „Wir haben uns für einen Börsengang von HPAC in London entschieden, weil es die Technologie-Hauptstadt Europas ist“, fügte er hinzu.

          Auch früher gab es schon Mantelgesellschaften an der dortigen Börse, doch waren diese viel strenger reguliert. So musste der Handel mit den Aktien suspendiert werden just zu dem entscheidenden Zeitpunkt, wenn eine Übernahme angekündigt wurde. Aktionären waren damit die Hände gebunden, sie konnten nicht mehr aussteigen, wenn ihnen die Übernahme nicht gefiel.

          Das mit Abstand führende Zentrum für SPACs ist bislang New York, das einen regelrechten Boom dieser Investment-Vehikel erlebt hat. Seit Anfang 2020 wurden an der New Yorker Börse laut der Datenfirma Dealogic fast 800 SPACs platziert, die etwa 230 Milliarden Dollar Kapital anzogen. In Europa hat Amsterdam mit etwa einem Dutzend SPACs-Börsengängen die Nase vorn, in Frankfurt gab es nur eine kleine einstellige Zahl.

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          Höhepunkt des Booms war das erste Quartal 2021, als allein in New York jeden Monat mehr als 30 neue große SPACs an die Börse gingen. Danach gab es aber einen starken Dämpfer für den Markt. Zum Teil lag dies an Skandalen mit gebrochenen SPAC-Versprechen und einer schärferen Aufsicht; manche Anleger wurden auch vorsichtiger, weil der Eindruck entstand, dass vor allem die Erstinvestoren (Sponsoren und Pipe-Investoren) die großen Renditen erzielten, während für die beim Börsengang dazustoßenden Kleinanleger nur wenig übrig blieb.

          Hambro Perks wurde 2013 gegründet vom inzwischen verstorbenen Banker Rupert Hambro. Die Risikokapital- und Investmentgesellschaft ist schon an mehr als hundert teils namhaften Techunternehmen beteiligt. Dazu gehören das Biotech-Start-up Gelesis, das Geo-Kodierungs- und Navi-Techunternehmen What3words, Moneybox und Vedanta Biosciences. Chef von HPAC wird Anthony Salz, ein früherer Partner der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Einige größere nicht börsennotierte britische Unternehmen wie der Flugtaxi-Konstrukteur Vertical Aerospace und der Vermögensverwalter Alvarium Investments haben in letzter Zeit Übernahmedeals mit amerikanischen SPACs verkündet.

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