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Klimafrage bei der EZB : Die Notenbank ringt um die grüne Geldpolitik

Lagarde und Weidmann im Jahr 2015 Bild: AP

Die neue Präsidentin der EZB will die Geldpolitik stärker am Klimaschutz ausrichten. Doch im Rat der Notenbank ist man sich über die Wege keineswegs einig.

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          Jens Weidmann hat am Donnerstagabend nochmal nachgelegt. Der Bundesbankpräsident hatte bereits in der Vergangenheit geäußert, er sehe alle Versuche, die Geldpolitik der Eurozone neu auszurichten, um den Klimawandel zu bekämpfen, „sehr kritisch“. Das war von vielen als die gegenteilige Position zur neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde gedeutet worden, die schon vor ihrem Amtsantritt angekündigt hatte, Klimarisiken müssten zum Kern der Mission jeder Institution werden, sie hätten gleichsam ausschlaggebenden Charakter. Jetzt drängt Lagarde dem Vernehmen nach, die klimapolitische Ausrichtung der Geldpolitik sogar zu einem der ersten Punkte für die strategische Neuausrichtung zu machen – den „Strategic Review“.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weidmann kam ihr am Donnerstag in einer Rede zum Jubiläum des Pfandbriefes ein wenig entgegen – trug aber zugleich einen Vorschlag vor, der deutlich machte, dass er von einer klimapolitischen Ausrichtung der Anleihekäufe wenig hält. Er sagte, für die Notenbank gelte es, den grünen Wandel im Finanzsystem zu begleiten, und zwar an verschiedenen Stellen. Man müsse die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels besser verstehen und in die Analysen einbeziehen. Um das konkreter zu machen, erwähnte er, dass extremes Wetter beispielsweise die Schwankungen bei Wachstum und Inflation erhöhen könnte. Auch die sogenannte makroprudentielle Aufsicht, die Risiken für die Finanzstabilität bekämpfen soll, müsse die Klimarisiken im Blick haben, genau wie die Bankenaufsicht. Das alles ist nicht die Geldpolitik.

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