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Goldminenaktien : Ein Hebel auf den Goldpreis

Ein Arbeiter von Newmont: Goldminenaktien haben zuletzt kräftig an Wert gewonnen. Bild: Reuters

Die Kurse vieler Goldminenaktien sind kräftig gestiegen. Ihre künftige Entwicklung hängt stark am Goldpreis. Wie heikel sind die Aktien für Anleger?

          Mit dem Goldpreis sind seit Ende Mai auch die Aktien vieler Goldminen-Unternehmen kräftig gestiegen. Der Branchenindex Arca Gold Bugs, von Börsianern auch „Hui“ genannt, steht auf 200 Punkten, stolze 27 Prozent über dem Stand von Ende Mai.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Kurs des neuen Goldminen-Weltmarktführers Newmont Goldcorp aus den Vereinigten Staaten, entstanden aus den Anbietern Newmont und Goldcorp, hat im selben Zeitraum von 33 auf 39 Dollar zugelegt, also um 18 Prozent. Und der Kurs der Aktie von Barrick Gold aus Kanada, dem früheren Weltmarktführer, stieg um 26 Prozent von knapp 17 auf 21 kanadische Dollar. Im selben Zeitraum hat der Goldpreis rund 8 Prozent zugelegt, von 1306 auf 1411 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

          Kein Wunder, dass unter Analysten von einer „Goldminenrally“ die Rede ist: Anleger konnten in dieser Phase mit Goldminenaktien sogar mehr Geld verdienen als mit Gold selbst. Hängen die Kurse der Minenaktien, einer alles andere als unumstrittenen Branche, dabei allein am Goldpreis – oder gibt es andere Markt- oder Konjunkturfaktoren, die hier eine wichtige Rolle spielen? Nicht zuletzt haben die Goldminenkonzerne schließlich eine Welle von Fusions-Spekulationen in der ersten Jahreshälfte hinter sich, um die es allerdings zuletzt etwas ruhiger wurde. Der amerikanische Anbieter Newmont hat nach einem Übernahmeangebot aus dem Januar im April den Konkurrenten Goldcorp übernommen und damit den bisherigen Weltmarktführer Barrick vom Thron gestoßen.

          Der Gegenschlag, ein feindliches Übernahmeangebot von Barrick an die Newmont-Aktionäre aus dem Februar, verlief dagegen im Sande. Man einigte sich schließlich, gemeinsam in einem Jointventure die Geschäfte beider Unternehmen im amerikanischen Bundesstaat Nevada zu bündeln. In den ersten Monaten des Jahres hatten diese Übernahmeverhandlungen starken Einfluss auf die Goldminen-Kurse, die zeitweise zum Teil auch fielen. Zuletzt aber hat offenbar der steigende Goldpreis viele Aktien wieder mit hochgerissen.

          „Die Aktienkurse der Goldminen korrelieren weiter stark mit dem Goldpreis, aber mit einem höheren Beta“, sagt Steve Lane, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. „Höheres Beta“ meint dabei, die Minenaktien schwanken stärker im Kurs als der Goldpreis selbst, ein Investment in diese Papiere hat damit gleichsam die Wirkung eines Hebels, der die Schwankungen des Goldpreises verstärkt.

          Viele Goldminen-Unternehmen hätten ihre Kosten über die Jahre so gedrückt, dass sie mit einem Goldpreis in der Größenordnung von 1250 Dollar je Feinunze klarkämen, sagt Anlagefachmann Lane. Die Kosten des Goldbergbaus seien auf kurze Sicht relativ fix. Der Anstieg des Goldpreises im Juni auf mehr als 1400 Dollar schlage deshalb unmittelbar auf den Mittelfluss (Cashflow) und die Ertragssituation durch.

          Goldminenaktien sind aufgrund hoher Risiken heikel

          Generell sind die Unwägbarkeiten und starken Kursschwankungen neben den zum Teil sehr zweifelhaften Arbeitsbedingungen in manchen Minen traditionell Argumente gegen eine Geldanlage in Minenaktien. Die Korrelation zwischen Goldpreis und Minenaktien ist meistens hoch – in beide Richtungen. Doch gibt es auch andere Risiken für Goldminenaktien, wie politische Schwierigkeiten in Förderländern, Managementfehler sowie technische Risiken. „Der Feind jeder Mine ist das Wasser“, lautet eine flapsige Faustregel von Analysten. Die Fondsgesellschaft Vaneck berichtet zudem, dass Aktionäre der Minengesellschaften zunehmend auch Kriterien wie Umweltschutz, soziale Verantwortung und eine gute Unternehmensführung einforderten.

          Für Privatanleger sind Goldminenaktien aufgrund hoher Risiken erfahrungsgemäß heikel. Für Anleger aus Deutschland, die in kanadische, amerikanische oder australische Minenaktien investieren, kommt ein Währungsrisiko hinzu. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, äußert sich jedenfalls eher skeptisch.

          Der Goldpreis habe seit Jahresbeginn um rund 10 Prozent zulegen können. Das seien eigentlich gute Voraussetzungen für Goldproduzenten, die bisher im Jahr 2019 durchschnittlich um etwa 30 Prozent zulegen konnten. „Beachtet werden sollte dabei allerdings, dass Minenbetreiber in der Regel nicht nur Gold, sondern auch andere Metalle produzieren“, sagt Stephan. Des Weiteren korrelierten Minenaktien nicht ausschließlich mit dem Goldpreis, sondern auch mit den Aktienmärkten.

          „Goldminenaktien sind mittlerweile nicht mehr günstig bewertet“, meint Stephan. Deshalb lohne sich ein Blick auf die einzelnen Unternehmen und deren Geschäftsmodelle sowie Produktionsbedingungen. „Beispielsweise mussten im vergangenen Jahr Minen in Südafrika wegen hoher Produktionskosten oder in Chile wegen Umweltbelastungen schließen“, sagt Stephan. Entsprechend seien auch die Gewinnerwartungen der Unternehmen sehr unterschiedlich.

          Das Fazit des Anlagefachmanns der Deutschen Bank: Minenaktien seien an der Börse schon gut gelaufen und nicht mehr billig. Der Goldpreis habe von niedrigen Zinsen und politischen Unsicherheiten profitiert. „Wir erwarten einen Goldpreis von 1450 Dollar je Feinunze in zwölf Monaten – vom aktuellen Niveau aus gehen wir nicht von einer deutlichen Fortsetzung der Rally von Goldminen aus“, sagt Stephan.

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