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Börsengeschehen : Erholung an den Kapitalmärkten

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Wie geht es an den Börsen weiter? Bild: dpa

Die Erholung der vergangenen Wochen an den Börsen ist beeindruckend. Wie geht es weiter?

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          Ende 2018 waren die Aktienmärkte nach unten durchgereicht worden, weil sich die Konjunkturperspektiven verdüsterten. Selbst die vielbeschworene Jahresendrally musste dran glauben. Doch seitdem geht es schon wieder viel freundlicher zu. In einer kontinuierlichen Aufwärtsbewegung haben sich die amerikanischen Indizes bis auf wenige Prozent an ihre alten Höchststände genähert.

          In Asien und in Europa fehlt hierzu noch etwas mehr, aber auch hier ist ein Großteil der Kursrückgänge aufgeholt. Nimmt man noch die Kurserholung in vielen Sektoren des Anleihemarktes hinzu, dann sind die desaströsen Anlageergebnisse des vergangenen Jahres fast schon wieder Geschichte.

          Um diese Entwicklung einzuordnen, ist ein Blick auf die Chronologie des Kursgeschehens sinnvoll. Es waren zuerst die Notenbanken, die den Trend immer weiter steigender Aktienkurse zu Beginn letzten Jahres zum Stillstand brachten. In Europa wurde mehr und mehr mit der geldpolitischen Wende der EZB gerechnet. In den Vereinigten Staaten, wo die Notenbank diese Wende schon viel weiter durchlaufen hatte, war es gegen Ende des Jahres die Angst, dass die Fed überziehen würde, die damals die Kurse in die Knie zwang.

          Dow Jones

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          Zu diesen Gründen trat im Lauf des Jahres eine konjunkturelle Abkühlung hinzu, die aus verschiedenen Quellen gespeist wurde: Hier waren gar nicht so sehr eine geldpolitische Straffung als vielmehr die handelspolitischen Verunsicherungen und die Abkühlung in der chinesischen Wirtschaft ursächlich.

          Der positive Umschwung ist von einem geldpolitischen Perspektivwechsel begleitet worden. Zu Beginn des Jahres entschärften beide große Notenbanken ihren langfristigen Ausblick deutlich. Bei der EZB ist von Zinserhöhungen in diesem Jahr nicht mehr die Rede, und die Fed verordnete sich selbst eine Pause und Geduld. Diese Aktionen der Notenbanken sind zwar allein nicht in der Lage, einen Konjunkturumschwung auszulösen, sie haben allerdings eine negative Verstärkung der Konjunkturdelle durch die Finanzmärkte verhindert.

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          Ohne eine Stärkung des konjunkturellen Fundaments wird sich die Erholung der vergangenen Wochen jedoch totlaufen. Noch ist die weltweit festzustellende Industrierezession nicht so stark, um auf die Binnenwirtschaft überzugreifen. Das zeigt sich im Stimmungsbild der Unternehmen, in dem sich niedrige Stimmungswerte in der Industrie und weiterhin positive Ausblicke in den Dienstleistungen gegenüberstehen. Sofern die politischen Großrisiken wie Brexit oder Zollverschärfungen nicht doch noch zuschlagen, wird in den kommenden Monaten das Rezessionsgespenst wohl vertrieben werden können.

          Im Gegensatz zu früheren Konjunkturzyklen unterliegen Geld- und Finanzpolitik gegenwärtig kaum Beschränkungen. Zwar erscheinen die Möglichkeiten der Geldpolitik in einer Rezession eingeschränkt. Zusammen mit einer dann höchstwahrscheinlich auf den Plan tretenden expansiven Finanzpolitik bildet sie jedoch auf absehbare Zeit eine Lebensversicherung für die Konjunktur.

          Der Autor ist Chefvolkswirt der Deka-Bank.

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