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Kundendaten als Währung : Von Kilowatt zu Kilobyte

Innogy-Chef Peter Terium testet einen smarten Kühlschrank. Bild: Anna Steiner

Stromkonzerne wissen wahnsinnig viel über ihre Kunden. Mit diesen Daten wollen sie jetzt Geld verdienen. Das Silicon Valley weiß, wie es geht.

          Noch einmal soll das nicht passieren: Unvorbereitet traf der Atomausstieg 2011 den Versorger RWE mit voller Wucht. Beschleunigt durch den Reaktorvorfall in Fukushima war der Umbruch in der deutschen Energiepolitik nicht absehbar. Kraftwerke wurden von heute auf morgen abgeschaltet, der Konzern – bis dato seit über hundert Jahren erfolgreicher Energieriese – schlitterte knapp an einer Pleite vorbei. Die Aufspaltung von RWE, das die alten Energieträger wie die Braunkohle bündelt, und Innogy, das sich den grünen Energien widmet, war der erste Schritt in die Zukunft. Nun versucht der Innogy-Vorstandsvorsitzende Peter Terium die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens zu sichern und setzt dabei auf junge Gründer.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die neue Währung: Daten. Erfolgreiche Konzerne wie Google und Facebook haben längst ihren Nutzen und Marktwert erkannt. In einer Welt, in der immer mehr Verbraucher auf Photovoltaikanlagen auf dem Dach und Wärmepumpen im Keller setzen, um ihre Energie selbst zu erzeugen, fürchten die Energiekonzerne um ihre Bedeutung als Netzbetreiber. Um diesen Wandel hin zu einer dezentralen Energieversorgung nicht zu verschlafen, gründete Terium die Plattform Innovation Hub. „Wir wollen die Zukunft umarmen, statt sie zu bekämpfen“, erklärt Innovationschef Thomas Birr. In der vergangenen Woche hat Peter Terium ins Silicon Valley in Kalifornien eingeladen, wo das Innovationsteam am aktivsten ist.

          Mit Hilfe von drei Standbeinen – Vernetzung, städtische Lösungen und digitaler Umbruch – sollen hier die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Wer Peter Terium im Silicon Valley begleitet, stellt fest: Der Vorstandsvorsitzende ist von einer ganz persönlichen Leidenschaft getrieben. „Entweder wir kümmern uns selbst um den Fortschritt, oder andere tun es für uns“, erklärt der Niederländer seine Mission. „Und dann würde es für Innogy nicht gut ausgehen.“

          Erster Stopp auf der Reise: ein Co-Working-Büro in Palo Alto. An verschiedenen Schreibtischen in einem Raum tüfteln mehrere Gründer an ihren Ideen. Mit Klebestreifen an die Schreibtische geheftet, hängen Papierzettel mit den Namen der Start-ups. Hier trifft Peter Terium mit seinem Team auf Noam Maital.

          Der Mittzwanziger aus Israel will mit seinem Start-up Waycare durch Künstliche Intelligenz und Millionen von Daten den Verkehr entschlacken. Etwa 40 Stunden pro Jahr steht ein Deutscher durchschnittlich im Stau. In den Vereinigten Staaten sind es sogar noch etwas mehr. Das entspricht einer ganzen Arbeitswoche, die der Wirtschaft an Leistung verlorengeht. In Amerika entstehen so laut Schätzungen 250 Milliarden Dollar an Schaden – pro Jahr.

          Auch Unfälle werden vorausgesagt

          Die Idee des Gründers erscheint einfach: Der Zugriff auf historische Daten und Echtzeitdaten soll voraussagen, wie sich der Verkehr entwickelt. Dahinter steckt ein komplizierter Algorithmus, der die Daten ausliest, analysiert und daraus Prognosen entwickelt, die bis zu zwei Stunden in die Zukunft reichen. „Die meisten Städte verfügen nur über etwa 20 Gigabyte an nutzbaren Verkehrsdaten pro Tag“, rechnet Maital vor. „Waycare erhebt dagegen rund 200 Gigabyte solcher Daten pro Tag.“ Wichtigste Quelle von Waycare sind die Automobilhersteller. Wer heutzutage einen Neuwagen kauft, unterschreibt mit dem Kaufvertrag in den meisten Fällen auch die Einverständniserklärung zur Weitergabe anonymisierter Kundendaten.

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