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Übernahmegerangel : Chaostage für Twitter-Aktionäre

Elon Musk bleibt für die Börse und die Twitter-Aktionäre unberechenbar. Bild: AFP

Übernahme oder nicht? Elon Musk hat aus einem besiegelten Geschäft eine Hängepartie gemacht. Er selbst stellte die Übernahme in Frage – und verursachte einen Aktiensturz. Doch Twitter gibt sich unbeirrt.

          4 Min.

          Als Elon Musk Mitte April sein Übernahmeangebot für Twitter publik machte, schien das manchen Beobachtern nicht allzu großzügig. Rund 44 Milliarden Dollar oder 54,20 Dollar je Aktie wollte der derzeit reichste Mensch der Welt zahlen. Das entsprach zwar einem üppigen Aufschlag auf den letzten Aktienkurs, aber noch im vergangenen Herbst wurde die Onlineplattform deutlich höher bewertet. Doch nach kurzzeitigem Widerstand stimmte Twitter dem Verkauf zu den genannten Konditionen zu. Wie aus einer Mitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC zu den Hintergründen der Vereinbarung hervorgeht, kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass Musk sein Angebot nicht erhöhen und sich wahrscheinlich auch kein anderer interessierter und zahlungsfähiger Bieter finden werde. Das Geschäft wurde also besiegelt und musste nur noch von Aufsichtsbehörden und Twitters Aktionären genehmigt werden, was nicht als sonderlich große Hürde gewertet wurde.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Von dem Moment hätte es also auf eine berechenbare Transaktion hinauslaufen können. Aber an den Finanzmärkten gab es von Anfang an Zweifel am Zustandekommen der Übernahme, Twitters Aktienkurs erreichte auch nach Abschluss des Kaufvertrags nie den vereinbarten Preis. Und wie so oft, wenn Musk im Spiel ist, brach tatsächlich Chaos aus. Vor rund zwei Wochen twitterte er, die Übernahme sei „vorübergehend ausgesetzt“. Die Begründung schien kurios, Musk verwies auf Twitter-Konten, hinter denen keine echten Nutzer stecken, und suggerierte, deren Zahl könnte höher sein, als das Unternehmen zugibt. Musk forderte von Twitter, Beweise zu liefern, dass der Anteil solcher „Spam“- oder „Fake“-Konten bei weniger als 5 Prozent liege, und drohte, die Akquisition andernfalls platzen zu lassen. Er stellte die Twitter-Übernahme nun also selbst infrage, und das ließ den Aktienkurs abstürzen, zeitweise fiel er unter 36 Dollar. In dieser Woche ließ die Nachricht, dass Musk das Finanzierungspaket für die Transaktion umstrukturiert hat, den Kurs wieder auf knapp 40 Dollar steigen. Damit ist er aber noch immer weit vom vereinbarten Kaufpreis entfernt. Und er bewegt sich in etwa dort, wo er stand, bevor Anfang April die Saga um Twitter und Musk begann. Damals wurde bekannt, dass Musk einen Anteil von gut 9 Prozent an der Onlineplattform erworben hatte.

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