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Finanzmarkt : Die Tupperparty ist vorbei

Alles so schön bunt hier: Die Laune der Aktionäre dürfte inzwischen trüber sein. Bild: Picture-Alliance

Die bunten Dosen waren einmal der Renner. Seit Monaten mehren sich nun die Hiobsbotschaften. Die Aktionäre spüren das schmerzhaft beim Blick ins Depot. Was ist passiert?

          2 Min.

          Es begann mit Farbeimern. Deren Deckel waren die Inspiration für den Chemiker Earl Tupper, luftdicht verschließbare Vorratsdosen aus Plastik für den Haushalt zu entwickeln. Das sollte Familien in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg helfen, ihre Lebensmittel länger frisch zu halten und somit Geld zu sparen. Die ersten Produkte kamen 1946 in den Handel – und sie waren ein Flop. Tupper tat sich schwer, Verbrauchern den Nutzen seiner Produkte zu vermitteln. Und so entstand die Idee, die Behälter direkt zuhause bei potentiellen Käuferinnen vorzuführen. Die erste „Tupperware Party“ fand 1948 statt, und diese Verkaufsmethode war so erfolgreich, dass der Hersteller sich bald ausschließlich darauf konzentrierte und seine Dosen aus Geschäften entfernte. Tupperware wurde zum Kult, und andere Unternehmen nahmen sich das Direktvertriebsmodell zum Vorbild.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber die Glanzzeiten von Tupperware scheinen heute zunehmend wie eine entfernte Erinnerung. Die Marke ist angestaubt, das Modell der Tupper-Partys gilt in vielen Teilen der Welt nicht mehr als zeitgemäß. Im Moment nehmen die schlechten Nachrichten rund um die in Florida beheimatete Tupperware Brands Corporation kein Ende. Der jüngste Rückschlag kam erst in dieser Woche. Das Unternehmen, zu dem neben den angestammten Haushaltsartikeln auch eine Reihe von Kosmetikmarken gehören, teilte mit, im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang zwischen 12 und 14 Prozent erlitten zu haben, und sagte für 2020 ein abermaliges zweistelliges Minus voraus. Für den schon seit einiger Zeit andauernden Schrumpfkurs ist somit kein Ende in Sicht. Weiter hieß es, die trüben Aussichten könnten sich auch negativ auf die Schuldenlast auswirken, und es wurden Ermittlungen rund um etwaige Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung bei einer mexikanischen Tochtergesellschaft publik.

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