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Fondsgesellschaft : Ethenea hält am Kurs seines Flaggschiffs fest

Die Luxemburger Fondsgesellschaft hält trotz Schlagseite ihres Flaggschiffs „Ethna Aktiv“ am eingeschlagenen Kurs fest. Bild: Picture-Alliance

Ihr Flaggschiff war einst 13 Milliarden Euro schwer – nun sind es nur noch vier Milliarden. Dennoch will die Luxemburger Fondsgesellschaft an ihrer Strategie festhalten.

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          In dem Gewerbegebiet von Munsbach, unweit des Luxemburger Flughafens, haben sich einige Finanzdienstleister niedergelassen. Ein Fondsdienstleister von Hauck & Aufhäuser ist dort ansässig oder die Direktbank Advanzia. Im auffälligsten Gebäude sitzt aber die Fondsgesellschaft Ethenea, die dem Fondsmanager und Investor Luca Pesarini gehört. Ethenea war im Zuge der Finanzkrise mit seinem Flaggschiff, dem auf Sicherheit ausgerichteten Mischfonds Ethna Aktiv, einer breiteren Gruppe von Privatanlegern bekannt geworden, da es der Fonds damals geschafft hatte, die Verluste zu begrenzen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Ethna Aktiv war einst 13 Milliarden Euro schwer, nach der enttäuschenden Entwicklung in den vergangenen Jahren sind es aber nur noch gut vier Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr verlor der Fonds mehr als 7 Prozent an Wert. Trotz der Schlagseite hält der für den Ethna Aktiv neben Pesarini und dem Ethenea-Mitgründer Arnoldo Valsangiacomo verantwortliche Portfoliomanager Michael Blümke an dem Kurs des Flaggschiffs fest: „Unser langfristiges Versprechen an die Kunden lautet, Marktrisiken zu vermeiden und Verluste zu begrenzen“, sagte er in Luxemburg auf einem Medientag, zu dem Ethenea Journalisten auch der F.A.Z. eingeladen hat.

          Vorsichtig bewertet Blümke das aktuelle Börsenumfeld. Der Aktienmarkt könne weiter steigen, aber nicht mit der Geschwindigkeit wie in den Jahren vor 2018. Der Ethna Aktiv investiert auch nicht mehr in einzelne Aktien, sondern nur noch in Index-Terminkontrakte. „Wir erwarten Seitwärtsmärkte, solange keine wesentliche Veränderung eintritt.“ Blümke betrachtet gegenwärtig den Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China, die Geldpolitik der Notenbanken, staatliche Ausgabepolitik sowie die konjunkturellen Fundamentaldaten als entscheidend für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten.

          Der Anleihefachmann von Ethenea, Guido Barthels, ist davon überzeugt, dass die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) alles tun werden, um eine Rezession zu vermeiden. Die Frühindikatoren hätten sich schon seit zwölf Monaten eingetrübt, aber zuletzt wieder nach oben gezeigt. Barthels erwartet in diesem Jahr keine ernsthafte Rezession, kann diese aber im nächsten Jahr für die amerikanische Wirtschaft nicht ausschließen.

          Mit Sorge betrachtet Barthels die geringe Liquidität an den Märkten für Unternehmensanleihen. Er verweist hier auf Daten der New Yorker Fed, wonach die Handelsbestände der Primärhändler, also hauptsächlich der Banken, seit der Finanzkrise dramatisch geschrumpft sind. Waren es Anfang 2007 noch 264 Milliarden Dollar, sind es nach Angaben von Barthels nun nur noch 11 Milliarden Dollar. Im selben Zeitraum sei das Gesamtvolumen des Marktes für amerikanische Unternehmensanleihen um eine Billion auf 21 Billionen Dollar gewachsen.

          „Der Markt ist sehr fragil“

          Die Banken mussten ihre Handelsbestände auch wegen der strengeren Eigenkapitalvorschriften der Aufsichtsbehörden reduzieren. Das Vorhalten hoher Anleihebestände war also mit hohen Kosten verbunden. Nun aber führt die geringe Liquidität, die auch in Europa zu beobachten ist und durch die EZB-Käufe von Unternehmensanleihen verschärft wurde, zu einem neuen Risiko. „Der Markt ist sehr fragil“, warnt Barthels.

          Aus einem kleinen Schnupfen könne schnell eine ausgewachsene Lungenentzündung entstehen. Die geringe Liquidität macht den Markt noch schwankungsanfälliger, selbst ein geringer Abgabedruck kann die Renditen deutlich nach oben treiben. Barthels nennt als Beispiel die Entwicklung am Markt für Unternehmensanleihen im November und Dezember 2018, als keine Liquidität mehr vorhanden war, vor allem wenn man verkaufen wollte. Die Folge war eine deutliche Ausweitung der Renditeaufschläge. Eine Erholung trat dann im Januar ein.

          Der Ethna Aktiv hat 78 Prozent seiner Mittel in Anleihen angelegt. Hier entfallen nach Angaben von Blümke 40 Prozent auf die Vereinigten Staaten und 60 Prozent auf Europa. Das durchschnittliche Rating liegt im investitionswürdigen Bereich (Investment Grade) von „BBB+“ bis „A-“. Die Qualität des Anleiheportfolios sei im vergangenen Jahr schrittweise verbessert worden. Auch die Duration, also die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen, sei verlängert worden, um von weiteren Zinsrückgängen profitieren zu können.

          Im Falle der Aktien liegen die regionalen Schwerpunkte auf Amerika, Deutschland und China. Bevorzugt würden weiter amerikanische Aktien, sagte Blümke. Der Ethna Aktiv hat 6 Prozent seiner Mittel in Gold investiert. Unter den Rohstoffen wird auch Öl als chancenreich gesehen. Blümke sieht Öl bei einem Preis von 50 Dollar (je Fass zu 159 Litern) als gut unterstützt. Den Ausbau der Öl-Position auf bis zu 4 Prozent der Fondsanlagen hält er für möglich. Die Liquidität macht aktuell 7 Prozent aus. Der Ethna Aktiv strebt eine Rendite von 3 bis 5 Prozent über den Investitionszyklus von mindestens fünf Jahren an. Das Ziel ist die langfristige kontinuierliche Vermögensmehrung bei gleichzeitigem Substanzerhalt.

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