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Kapitalmangel : Wertpapierhandelsbank Schnigge stellt Betrieb ein

Die Börse in Frankfurt. Bild: AFP

Die Wertpapierhandelsbank Schnigge war unter Privatanlegern einst sehr bekannt. Nun hat sie aus Mangel an Eigenmitteln ihre Banklizenz zurückgegeben.

          Die Wertpapierhandelsbank Schnigge muss ihren Betrieb einstellen. Grund ist, dass es dem Haus nicht gelungen ist, die aufsichtsrechtlich geforderte angemessene Ausstattung mit Eigenmitteln rechtzeitig wieder herzustellen. Die Gesellschaft hat die Bankgeschäften und die Durchführung von Finanzdienstleistungen am Dienstag eingestellt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schnigge hatte vor zehn Tagen eine Kapitalerhöhung über 500.000 Aktien zu 2 Euro je Aktie angekündigt. Ein Zeichnungsschein über diese Summe liege der Gesellschaft auch vor. Doch trotz sofortiger Fälligkeit sei bis Montag kein Geld eingegangen. Schnigge bezweifelt, dass die Kapitalerhöhung noch durchgeführt werden könne.

          Investoren, aber kein Geld

          Zwar gebe es noch einen anderen Investor, der sich in wesentlichem Umfang an der Gesellschaft beteiligen wollte. Dieser aber könne eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent erst erwerben, wenn das  formale Inhaberkontrollverfahren nach dem Kreditwesengesetz durchlaufen sei. Dieses sei aber nicht abgeschlossen, und es stehe auch kein Enddatum fest. Zudem sei offen, ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Kauf nicht untersagen werde.

          Ende Juni hatte die Krypto AG, Infrastrukturanbieter in den Bereichen Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen, vermeldet, eine Mehrheitsbeteiligung an Schnigge erwerben zu wollen. Zum Jahresende verfügte Krypto indes laut Geschäftsbericht nur über Aktiva von rund 2,3 Millionen Euro. Auch Umsätze hatte das Unternehmen, das Mitte 2017 noch Edge-Search und bis 2012 Areus International hieß, keine vorzuweisen.

          Auf diese Weise verfüge Schnigge zwar über eine Zeichnungserklärung und eine bedingte Kapitalzusage, aber nicht über ausreichende Eigenmittel. Daher habe man die Erlaubnis für das Betreiben von Bankgeschäften und die Durchführung von Finanzdienstleistungen zurückgegeben.

          Vor zwei Jahren wurde Schnigge von der Bafin schon einmal in die Insolvenz geschickt, der Antrag aber kurze Zeit später zurück gezogen. Als Grund wurde damals die „Sperrung des Kontos bei ihrer Abwicklungsbank aufgrund durch einen Handelspartner nicht erfüllter Wertpapiertransaktionen" genannt.

          In den vergangenen fünf Jahren hatte Schnigge stets rote Zahlen geschrieben. Der Bilanzverlust summierte sich zum Jahresende auf 6,2 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von rund 2 Millionen Euro. Im Februar war der stellvertretender Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stephan Blohm, zurückgetreten.

          2013 hatte sich Schnigge, die als Anbieter von vor- und außerbörslichen Kursen um die Jahrtausendwende sehr bekannt waren, sich von der Frankfurter Börse zurückgezogen. Im Zuge der Insolvenz verlor man 2016 die Skontroführung in Hamburg und Düsseldorf.

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