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Rückgang : Weniger grüne Anleihen

Mehr Grün soll auch manche Anleihe bringen. Davon gab es zuletzt aber weniger. Bild: Maria Klenner

Nachhaltigkeit ist in der Finanzindustrie derzeit ein beherrschendes Thema. Auf dem Anleihenmarkt macht sich das als „Green Bonds“ bemerkbar. Doch das Volumen neuer Emissionen hat erstmals wieder abgenommen.

          Der Begriff Nachhaltigkeit wird in der Finanzindustrie schon länger gern verwendet. Bei „grünen Anleihen“ (Green Bonds) geht es dabei um die Finanzierung von Projekten oder Unternehmen, welche die Mittel für Investitionen zum Schutz von Klima und Umwelt verwenden – beispielsweise zum Bau von Windkraftanlagen. Laut der auf Finanzierung spezialisierten Beratungsgesellschaft Capmarcon ging aber das Neugeschäft für grüne Finanzierungen, das sogenannte „Green Financing“, im Jahr 2018 gegenüber den vergangenen Jahren erstmals wieder zurück, und das sogar deutlich.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          2017 hatte das Volumen neu begebener grüner Anleihen noch einen Höchststand von 141,3 Milliarden Euro erreicht. Im vergangenen Jahr betrug es nur noch 124,4 Milliarden Euro und ging damit um 12 Prozent zurück. In den Jahren vor 2015 hatte der Bereich noch Wachstumsraten von mehr als 200 Prozent verzeichnet; von 2015 bis 2017 waren es dann immerhin noch 70 bis 80 Prozent. Nun also der Rückgang - vor allem in Amerika und Frankreich. In den Vereinigten Staaten ging das Volumen um 44 Prozent von 37 auf 20,8 Milliarden Euro zurück. Übertroffen wurde dies von Frankreich mit einem Rückgang von 46 Prozent. Auch in Deutschland kam es zu einem Rückgang, dieser hielt sich aber mit einem Minus von 3 Prozent in Grenzen.

          Anderenorts gab es aber Zuwächse: So nahm das Neugeschäft mit nachhaltigen grünen Finanzierungen in Norwegen im Vergleich zum Vorjahr um rund 370 Prozent zu, und auch in Australien und den Niederlanden wurden 2018 mehr grüne Anleihen ausgegeben als noch 2017. Die absoluten Volumina waren im Vergleich zu den Großemittenten Amerika und Frankreich jedoch sehr gering.

          Aus der Sicht von Margret Heß, Fachfrau für Green Bonds in der DZ Bank, gibt es zwei wesentliche Gründe für den Rückgang. Zum einen sei das generelle Marktumfeld mit dem Handelskonflikt zwischen Amerika und China oder etwa dem Brexit im vergangenen Jahr schwierig gewesen. „Das hat sich auch auf den Markt für Green Bonds ausgewirkt“, sagt Heß. Zum anderen hätte sich die Zusammensetzung des Marktes verändert. So stünden nicht mehr ausschließlich ökologische Ziele im Vordergrund, sondern etwa verstärkt auch soziale Zwecke, die dann mit „Social Bonds“ finanziert würden. Die geplante Regulierung und Vereinheitlichung des nachhaltigen Anleihemarktes sieht Heß dagegen nicht als Grund für weniger Neuemissionen: „Das liegt noch zu weit in der Zukunft.“

          Dass es aber beispielsweise in Frankreich zu einem solch starken Rückgang der neu begebenen Anleihen kam, führt Heß auf den französischen Staat zurück, der in den vergangenen Jahren teils für große Volumina an Green-Bond-Anleihen verantwortlich war. „Das hat die Statistik verzerrt und zu einem riesigen Sprung geführt“, sagt Heß.

          Was die Emission grüner Anleihen in Deutschland angehe, gibt es nach Ansicht von Heß eher noch Luft nach oben. Noch würden nämlich hauptsächlich Förderbanken wie die KfW zu den Vorreitern am Markt gehören, sagt sie. Dabei böten vor allem Unternehmen als mögliche Emittenten noch großes Potential für die nächsten Jahre.

          Dass es sich bei solchen Finanzprodukten aber lediglich um „Green Washing“ handelt – also einer Art grüner Anstrich, der lediglich einer Reputationsverbesserung dient, ohne dabei einen ökologischen Vorteil zu bieten – sieht Heß nicht: Weil sich die Investorenbasis so gut mit grüner Finanzierung auskenne, würden sich die Emittenten mit dem Grünfärben Reputationsrisiken aussetzen. Außerdem hänge es am Ende von den Investoren ab, was als ökologisch sinnvoll oder bedenklich gewertet werden würde. So sei beispielsweise die Finanzierung von Atomenergie für viele französische Investoren kein Problem.

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