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Neuer Ankeraktionär : Cenit liebäugelt mit dem Tec-Dax

  • -Aktualisiert am

Ambitioniertes Ziel: Schafft es Cenit in den Tec-Dax? Bild: Claus Eckert

Trotz Corona-Krise in den Technologie-Index? Das Stuttgarter Software- und Beratungsunternehmen Cenit hat seit kurzem einen Ankeraktionär. Die Münchner bringen neben Geld auch Ambitionen mit.

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          Die Flugzeughersteller durchleben schwierige Zeiten. Neue Flieger werden gerade eher nicht gebraucht, weil ein Großteil der bestehenden Flotte der Fluggesellschaften infolge der Pandemie am Boden bleibt. Das hat auch Auswirkungen auf das in Stuttgart ansässige Software- und Beratungsunternehmen Cenit AG. „Es gibt sicherlich in jedem Flugzeug ein Teil, das mit Hilfe einer Maschine gefertigt worden ist, die Software von uns nutzt“, sagt Kurt Bengel, der Sprecher des Vorstands des börsennotierten Unternehmens. Zu den Kunden des rund 780 Mitarbeiter zählenden Mittelständlers gehören unter anderem Airbus und Boeing.

          Die Schwierigkeiten der Flugzeug- oder auch Automobilhersteller sorgen zwar für einen starken Rückgang bei den Erlösen und beim operativen Ergebnis, aber der Aktienkurs ist dadurch in den letzten Monaten nicht verstärkt unter Druck geraten. Mitte Juli notierte der Anteilsschein noch bei 9,28 Euro, aktuell sind es 13 Euro. Alle von der Finanzagentur Bloomberg befragten Analysten empfehlen den Kauf des Papiers und prognostizieren in den kommenden zwölf Monaten einen Kurs zwischen 12 und 16,40 Euro. Erst seit kurzem gibt es bei Cenit einen Ankeraktionär. Seit November hält Primepulse inzwischen 15 Prozent der Anteile an den Stuttgartern, die zu Zeiten des Neuen Marktes an die Börse gingen und zu den wenigen gehören, die dessen Niedergang unbeschadet überstanden.

          Die Primepulse SE aus München investiert in technologieorientierte Unternehmen und hatte zunächst nur 10 Prozent der Anteile. Der Ankeraktionär bringt das Ziel der Aufnahme von Cenit in den Tec-Dax ins Spiel. Dazu meint Bengel, der seit 2007 dem Vorstand angehört: „Der Tec-Dax ist ein mittelfristiges Ziel. Bis es so weit ist, müssen wir uns zunächst aber auf unsere Ziele für die kommenden fünf Jahre konzentrieren.“ Bis 2025 soll gemäß der Strategie ein Umsatz von 300 Millionen Euro erzielt werden, zu der eigene Software, vor allem für Industrielösungen, mehr als 10 Prozent beitragen soll. Dies sei wesentlich, um das Renditeziel von 8 bis 10 Prozent zu erreichen. Die Umsatzrendite im Jahr 2016 hatte 9,6 Prozent betragen. Das ist aber schon eine Weile her.

          CENIT AG O.N.

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          Bengel ist klar, dass er dieses Vorhaben nicht allein mit Hilfe von Wachstum aus eigener Kraft hinbekommen kann. „Wir denken über Zukäufe in Europa oder den Vereinigten Staaten nach. Da geht es um die Beratungsthemen. Dieses Standbein wollen wir gezielt verstärken. Wir sind auf der Suche nach Unternehmen, die eigene Software anbieten, die zu uns passen.“ Cenit hat keine Bankschulden und aktuell flüssige Mittel in Höhe von 27 Millionen Euro. Neben der Luftfahrtindustrie zählen auch Automobil- und Maschinenbau zu den Kernbranchen für das Unternehmen. Alle drei stecken gerade in größeren Schwierigkeiten.

          Von Januar bis September gingen deshalb die Erlöse bei Cenit um 13 Prozent auf 126,1 Millionen Euro zurück. Und das Ergebnis vor Zinsen und Steuer brach um 63 Prozent auf 1,6 Millionen Euro ein. Das Unternehmen hat sich unter anderem der Software für das Produktlebenszyklus-Management (PLM) verschrieben: ein Konzept, das alle im Verlauf des Lebenszyklus eines Produkts anfallenden Informationen integriert, vom ersten Entwurf, der Konstruktion und der Produktion bis hin zum Kundenservice, der Wartung und der Instandhaltung. In vielen Bereichen arbeiten die Stuttgarter mit anderen Software-Herstellern zusammen.

          Corona hat die China-Pläne des Unternehmens durcheinandergewirbelt. Das habe die Gründung einer eigenen Niederlassung verzögert. „Die kann aber nun an den Start gehen. Da sehe ich gute Chancen bei der Fabrikautomatisierung. Das ist ein großer Markt. Die Anzahl der Roboter wird weltweit weiter zunehmen, auch in Europa“, sagt der Vorstand. In China sei für den Mittelständler vor allem der Maschinenbau und die Automobilindustrie interessant. Cenit hat nach eigenen Angaben einen Streubesitz von rund 70 Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei 50,2 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 108. Damit ist die Aktie sehr hoch bewertet. In der Regel haben Papiere, denen ein starkes Wachstum zugetraut wird, ein hohes KGV.

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