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„Deutsche Commerz-Bank“ : Welchen Sinn eine Fusion hätte

Interessante Farbenspiele: Mischt man blau (Deutsche Bank) und gelb (Commerzbank), kommt grün (Dresdner Bank) raus. Hoffentlich eher nicht. Bild: dpa

Einige Stimmen aus der Politik propagieren eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Ziel ist der „nationale Bank-Champion“. Aber wäre das wirklich sinnvoll?

          Seit die Banken, deren Geschäft jahrzehntelang unangreifbar schien, mit der Finanzkrise in Bedrängnis geraten sind, ist die Bankenlandschaft in Bewegung. Noch stärker bewegt sich die Gerüchteküche, welche Bank denn nun mit welcher fusionieren oder welche Bank welche übernehmen könnte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tatsächlich ist aber, soweit es Europa betrifft, bislang nicht viel geschehen. Weder hat etwa die italienische Unicredit mit der französischen Société Générale fusioniert, noch hat sie die Commerzbank übernommen. Grenzüberschreitend liegt das nicht zuletzt am Nebeneinander europäischer und nationaler Regulierungen, die für eine solche internationale Bank derzeit noch ein zu großes Hindernis darstellen.

          Konsolidierung tut Not

          Weil aber angesichts der Lage der Banken eine Konsolidierung unausweichlich scheint, konzentriert sich die Politik zunehmend auf die Banken im eigenen Land. Letztlich möchte jedes Land am Ende eine Bank beheimaten, die im internationalen Finanzgeschäft zu den wichtigsten Instituten zählt und großer Finanzierer der heimischen Industrie sein könnte – nicht zuletzt, wenn die Handelsstreitigkeiten weiter zunehmen.

          In Deutschland sieht die Politik die Lösung offenbar in einem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) etwa beklagte jüngst das Fehlen einer international wettbewerbsfähigen deutschen Bank, die mit den großen amerikanischen Banken Schritt halten kann. Aus Koalitionskreisen hieß es, das Finanzministerium stelle Überlegungen über die Sinnhaftigkeit einer solchen Fusion an.

          Diese Frage ist durchaus berechtigt. Denn Deutsche Bank und Commerzbank stecken beide in der Restrukturierung. Beide Institute haben vor rund zehn Jahren andere deutsche Banken übernommen: Die Deutsche Bank die eher renditeschwache Postbank, die Commerzbank die Dresdner. Für beide waren diese Zukäufe letztlich kein Gewinn. Während die Commerzbank immer noch damit beschäftigt ist, Strukturen sinnvoll zusammenzuführen und zu gestalten, fremdelt die Deutsche Bank seit eh und je mit dem Kleinkundengeschäft. Das ist aber nun mal die Kernkompetenz der Postbank.

          DT. BANK

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          Führt man nun zwei mit sich selbst beschäftigte Banken zusammen, so potenzieren sich die Probleme eher, als dass sie einer Lösung näher kommen. Zwar ist zu hören, dass ja Restrukturierungsprogramme 2020 ausliefen und dann die Zeit für eine Fusion gekommen sein könnte, vielleicht. Doch zum einen wäre es nicht das erste Mal, dass Restrukturierungen länger dauern. Zum anderen ist die Frage, ob auch dann ein Zusammengehen wirklich erfolgversprechend wäre.

          Die Deutsche Bank wolle ein globales Institut bleiben, sagte zuletzt der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing. Doch zu einer internationalen Bank hat die Commerzbank eher wenig beizutragen. Sie erzielt kaum 4 Prozent ihrer Erlöse außerhalb Europas, mehr als 70 Prozent aber in Deutschland. In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung des Heimatlandes zudem gestiegen.

          Bei der Deutschen Bank hingegen ist der Anteil des Deutschlandgeschäfts halb so hoch. Fast ebenso groß ist dagegen das Geschäft außerhalb Europas. Allenfalls innerhalb Europas könnte die Commerzbank eine Verstärkung darstellen. Indes hat ihr Geschäft auch hier nur ein Viertel des Umfangs der Deutschen Bank. Es fragt sich also, ob sich der positive Effekt nicht weitgehend darin erschöpft, dass die Deutsche Bank in Europa nicht mehr mit der Commerzbank konkurrieren würde – doch ist diese bestimmt nicht der größte Konkurrent.

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