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Französischer Aktienmarkt : Technologiewerte machen sich breit

Technologie-Unternehmen sind im Trend an der Pariser Börse Euronext Bild: dpa

Technologie-Unternehmen bekommen im französischen Börsenindex CAC-40 mehr Gewicht. Besonders zwei Firmen gehören zu den Gewinnern dieses Trends.

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          Die technologieorientierten Unternehmen sind weltweit ein Gewinner der Pandemie-Krise. Das spiegelt sich jetzt auch an der Börse in strukturellen Veränderungen wider – und zwar nicht nur in klassischen Tech-Eldorados wie der Nasdaq in New York, sondern auch in Europa. Denn das Gewicht der Tech-Unternehmen in den Indizes steigt. Zum einen liegt das an den Kursgewinnen der Unternehmen in den vergangenen Monaten, zum anderen an ihren Eintritten in die großen Indizes, die aufgrund der Wertsteigerungen erfolgt sind. Der französische Börsenindex CAC-40 verändert daher sein Gesicht. Lange bestimmten nur Luxuswarenhersteller, die Ölbranche und die Banken das Bild. Nun kommen einige interessante Technologiewerte hinzu. Der alte Gegensatz von Old und New Economy bekommt damit eine neue Aktualität.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die größten französischen Akteure und Profiteure dieses Trends heißen Teleperformance und Worldline. Teleperformance bezeichnet sich als weltgrößten Betreiber von Callcentern, der darüber hinaus zudem die kompletten Kundenbeziehungen von verschiedensten Unternehmen betreut. Am 22. Juni ersetzte der Konzern mit seinen 330.000 Mitarbeitern in mehr als 80 Ländern im CAC-40 den französischen Speiselieferanten Sodexo. Während der französische Leitindex seither um fast 3 Prozent an Boden verlor, hat die Aktie von Teleperformance um 17 Prozent auf 254 Euro zugenommen. Das Unternehmen ist an der französischen Börse derzeit fast 15 Milliarden Euro wert. Da ist noch Raum nach oben, meinen einige Analysten. Goldman Sachs hob das Kursziel kürzlich von 305 auf 365 Euro. Alles, was mit Beziehungspflege über große Distanzen zu tun hat, genießt derzeit Rückenwind. Seit Jahresbeginn hat die Teleperformance-Aktie mehr als ein Fünftel an Wert gewonnen. Im CAC-40 hat nur der Luxushersteller Hermès in diesem Jahr besser abgeschnitten.

          Mit gut 38 Milliarden Euro bewertet

          Die französischen Tech-Unternehmen sind beim Vogelblick auf den Index noch ein kleiner Fleck, doch er wächst. Je nach Abgrenzung der Technologie-Branche messen ihm die Analysten bei einer engen Definition heute einen Anteil von sechs Prozent hinzu – gegenüber zwei Prozent vor ein bis zwei Jahren. Worldline ist neben Teleperformance ein weiterer Primus der Branche. In der Rangliste der am besten seit Jahresbeginn abschneidenden Unternehmen liegt er auf Platz sechs. Neben Hermès und Teleperformance rangieren nur der Elektronikkonzern Schneider Electric, der Chiphersteller STMicroelektronics sowie der Kosmetikkonzern L’Oréal vor Worldline. Das Unternehmen ist ein Anbieter elektronischer Zahlungssysteme, das im März dieses Jahres in den CAC-40 eintrat und den Öllieferanten TechnipFMC ersetzte. Seitdem hat die Worldline-Aktie einen Sprung von fast 40 Prozent auf 65 Euro je Aktie gemacht, womit das Unternehmen mit knapp 12 Milliarden Euro bewertet wird. Die Analysten des Brokerhauses Jefferies erneuerten kürzlich ihre Kaufempfehlung für Worldline und setzten das Kursziel von 92 auf 110 Euro nach oben.

          CAC 40

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          Worldline ist inzwischen 5 Milliarden Euro mehr wert als die einstige Muttergesellschaft Atos, die ein weiterer Tech-Wert im CAC-40 ist. Der IT-Konzern machte schon vor dreieinhalb Jahren seinen Eintritt in den CAC-40. Er zeigt, dass die Bäume nicht bei allen Tech-Konzernen in den Himmel wachsen. Atos notiert heute noch rund 20 Prozent unter dem Niveau vor dem Ausbruch der Pandemie, also etwa im Februar 2020. Im Juli hatte die Aktie fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht, doch dann ging es bergab. Die Furcht vor der Wucht der zweiten Virus-Welle hat überwogen.

          Der größte klassische französische Technologiewert ist das Softwarehaus Dassault Systems, das mit gut 38 Milliarden Euro bewertet wird. Die Aktie, die im September 2018 in den CAC-40 aufgenommen wurde, notiert heute wieder etwa auf dem Niveau vom Jahresanfang. Viele französische Technologie-Werte befinden sich indes aufgrund ihrer geringen Größe noch im mittleren Aktiensegment unterhalb des CAC-40. Aufschlussreich ist daher der Blick auf den Branchenindex CAC Technology mit seinen vierzig Werten: Er liegt heute etwas über dem Niveau vom Jahresbeginn. Nach dem Absturz im Februar und März hat er um mehr als ein Drittel zugelegt.

          Auch die Tech-Werte können sich derzeit indes nicht der Ernüchterung entziehen, die sich durch die zweite Viruswelle an der Börse breitmacht: Die Seitwärtsbewegung des CAC-40 seit dem Sommer bekommt zunehmend einen Drall nach unten. Allein seit dem 12.Oktober verlor der Index 4,5 Prozent. Die Tech-Werte bieten indes einige Hoffnungsschimmer, auch wenn sie allgemein als schwankungsfreudig gelten. Das zeigt auch der Blick auf die Verlierer des Jahres: Das Schlusslicht mit einem Kursminus von 59 Prozent seit Anfang Januar bildet die Société Génerale. Crédit Agricole, BNP Paribas und der Versicherer Axa verzeichnen ebenfalls hohe zweistellige Kursverluste. Neben den Finanzwerten gehören wenig überraschend Airbus, Thales und Safran zu den schwächsten Aktien. Die Luftfahrtkrise lässt grüßen.

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