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Unternehmensaufspaltung : Thyssen-Krupp gibt’s bald doppelt

Der Thyssen-Krupp-Konzern soll aufgespalten werden. Bild: dpa

Aufspaltungen sind bei Unternehmen schwer in Mode. Jetzt versucht es auch Thyssen-Krupp. Ist das gut für die Anleger?

          Wie viele Nachrufe auf Thyssen-Krupp wurden in den vergangenen Monaten geschrieben! So gut wie tot sei der Mischkonzern, raunte es allerorten, seine Zerschlagung, von mächtigen Investoren betrieben, stünde unmittelbar bevor. Als geradezu wohlmeinend musste inmitten der düstersten Prognosen die Einschätzung eines Vermögensverwalters gelten, der Thyssen-Krupp als „Koloss auf tönernen Füßen“ bezeichnete.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch wie sich am vergangenen Donnerstag zeigte, ist der Essener Konzern doch kein so hoffnungsloser Fall, wie es monatelang schien. Kaum hatte nämlich der Interimschef Guido Kerkhoff die Vorstandspläne verkündet, den Konzern in zwei unabhängige und fast gleich starke Teile aufzuspalten, reagierten die Anleger lebhaft: 16 Prozent schoss der Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie nach oben. Am Ende der Woche steht ein Plus von sieben Prozent.

          Ob die Anleger einfach nur erleichtert sind, weil sich der Essener Koloss nach einer quälend langen Hängepartie endlich bewegt hatte, oder ob sie sich überzeugt zeigen, dass ein zukunftsfähiger Durchbruch erzielt wurde, steht dahin. Bestätigt werden kann fürs Erste nur der alte Spruch, wonach Totgesagte länger leben. „Es ist eine Kompromisslösung, die auch als Dauerlösung herhalten könnte“, sagt Holger Fechner, Analyst der NordLB. In dem Vorschlag des Vorstands seien sowohl die Interessen der größten Anteilseigner wie auch der mächtigen Arbeitnehmervertreter berücksichtigt worden. „Man darf gespannt sein, wie sich die Geschäfte der beiden künftigen Unternehmen entwickeln“, sagt Fechner, der die Thyssen-Krupp-Aktie jedenfalls weiter zum Kauf empfiehlt.

          Der komplexe Konzern will neue Anleger für sich gewinnen

          Der geplante Befreiungsschlag, den Kerkhoff notgedrungen und auf die Schnelle der Öffentlichkeit präsentierte, klingt durchaus durchdacht. Der Konzern soll aufgespalten werden in ein Industriegütergeschäft und ein Werkstoffunternehmen. Beide Teile sollen Thyssen-Krupp weiter im Namen tragen, aber als eigenständige Gesellschaften an der Börse notiert sein. Der eine Teil soll Thyssen-Krupp Industrials heißen und aus den drei Einheiten Aufzuggeschäft, Automobilzulieferung und Kernanlagenbau bestehen.

          Der andere Teil soll den Namen Thyssen-Krupp Materials tragen und den Werkstoffhandel, den 50-prozentigen Anteil am kommenden Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Tata-Konzern, das Großwalzlager- und Schmiedegeschäft sowie die Marinewerften beinhalten. Was auffällt: Viele Gemeinsamkeiten haben die Sparten der letzteren Gesellschaft nicht. Spitz formuliert: Wenn zu Thyssen-Krupp Materials U-Boote und Walzlager gehören, handelt es sich um ein „Konglomerat light“.

          THYSSENKRUPP

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          Mit der Aufspaltung will der komplexe Konzern neue Anleger für sich gewinnen. Diejenigen, die auf Wachstum und solide Kassenzuflüsse setzen, sind bei den Industriegütern gut aufgehoben. Für die andere Investorengruppe, die auf zyklische (also schwankungsanfällige) Geschäfte sowie Konsolidierung setzt, soll die Werkstoff-Gesellschaft attraktiv sein. Was die beiden geplanten Einheiten weitgehend eint, sind ihre Erlöse: Das Industriegeschäft macht 16 Milliarden Euro Umsatz, das Werkstoffgeschäft 18 Milliarden Euro.

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