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Milliardengewinne : Warum amerikanische Banken so viel mehr verdienen als deutsche

An der Wall Street steigen die Gewinne. Bild: AFP

Amerikas größtes Geldhaus erzielt mittlerweile ähnlich viel Gewinn wie Apple. Die Deutsche Bank ist auf dem Weg der Besserung – aber weit abgeschlagen. Das hat mehrere Gründe.

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          Bevor die Deutsche Bank am 28. Oktober ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorlegt, rechnen bei weitem nicht alle Analysten damit, dass es für Deutschlands größte Bank für einen Quartalsgewinn reichen wird. In den Vereinigten Staaten dagegen berichteten in dieser Woche viele Banken, als neueste am Donnerstag Morgan Stanley, über Milliardengewinne. 2,6 Milliarden Dollar, 25 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, verdiente Morgan Stanley zwischen Anfang Juli und Ende September 2020. Das ist der zweithöchste Gewinn, den Morgan Stanley jemals in einem Quartal erreichte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Vortag hatte schon Wettbewerber Goldman Sachs über den höchsten Quartalsgewinne seit dem Jahr 2010 berichtet. Und die Großbank JP Morgan erreichte mit 9,4 Milliarden Dollar eine Gewinndimension, wie man sie meist nur von Technologiegiganten wie Apple oder Micorsoft kennt.

          Während in Deutschland Eigenkapitalrenditeziele für Banken von 8 Prozent fast utopisch erscheinen, schafft Goldman in diesem Jahr mehr als 17 und JP Morgan immerhin 15 Prozent. Die Schwäche der europäischen, allen voran der deutschen Banken ist immer wieder überraschend. Und die Stärke der amerikanischen Banken auch.

          Deutsche Bank auf dem Sprung

          Dabei ist die Deutsche Bank sogar erkennbar auf dem Weg der Besserung. Im Juli 2019 hat der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing eine radikale Rosskur verkündet mit der Einstellung des globalen Aktienhandels und dem Abbau von 18.000 Mitarbeitern. Jetzt erscheint es möglich, dass die Deutsche Bank erstmals seit fünf Jahren ausgerechnet im Jahr der Corona-Krise Gewinn macht. Im ersten Halbjahr standen immerhin mehr als 300 Millionen Euro Gewinn zu Buche.

          Doch Goldman Sachs verdiente im jüngsten Quartal nicht 300 Millionen, sondern umgerechnet 3 Milliarden Euro – übrigens doppelt so viel wie vor einem Jahr. Ein Schlüssel für diesen Erfolg: Die New Yorker Bank verdient ihr Geld nicht mit Kreditgeschäft, sondern mit dem Kapitalmarktgeschäft.

          Hier sprudeln die Einnahmen aller Banken, bei Goldman allerdings besonders. Um satte 49 Prozent kletterten Goldmans Erträge etwa im Anleihehandel, das auch die Deutsche Bank zu ihren Stärken zählt. Morgan Stanley nahm im Geschäft mit Anleihen immerhin 22 Prozent mehr ein.

          Das Kapitalmarktgeschäft boomt – dank Corona

          Warum aber boomt ausgerechnet in der Corona-Krise das Kapitalmarktgeschäft? Vielen Unternehmen brechen die Umsätze weg, sie benötigen Liquidität. Sie suchen deswegen Hilfe von Banken, um Anleihen über den Kapitalmarkt an Anleger zu verkaufen. Hinzu kommen die starken Kursverwerfungen  an den Börsen in diesem Jahr – erst der tiefe Fall im März, dann in den vergangenen Monaten die von vielen unerwartet weit reichende Erholung. Diese Schwankungen am Aktien- und Anleihemarkt locken oder zwingen Anleger zum Wertpapierhandel. Beides lässt die Kassen von Investmentbanken klingeln. Auch die der Deutschen Bank.

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