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Abspaltungen an der Börse : Das Ende des Gemischtwarenladens

Vorreiter Siemens: Das Unternehmen wird voraussichtlich rund 20 Prozent von Healthineers über die Börse verkaufen. Bild: dpa

Die Börsengänge von Healthineers und DWS zeigen einen Trend: Immer mehr Unternehmen setzen auf die „Beiboot-Strategie“. Manager von Deutschland-Fonds bringen sie damit in die Bredouille.

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          An diesem Wochenende wird der voraussichtlich größte Börsengang seit der Deutschen Telekom im Jahr 1996 Fahrt aufnehmen. Erwartet wird, dass Siemens die Preisspanne für die zum Verkauf angebotenen Aktien seiner früheren Gesundheitssparte bekannt geben wird. Voraussichtlich wird Siemens rund 20 Prozent des neu gebildeten Unternehmens Healthineers über die Börse verkaufen. Für einige Investmentbanker ist Siemens damit ein Vorreiter.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angeblich beschäftigen sich viele Unternehmen gerade damit, auf diese Weise Komplexität im Konzern zu verringern. Anstatt viele Sparten unter einem Dach zu halten, legen sich Dax-Unternehmen wie Siemens mit Osram und demnächst Healthineers, aber auch Bayer erst mit Lanxess und dann mit Covestro zunehmend „Beiboote“ an der Börse zu. Erfolgreich praktiziert auch der Gesundheitskonzern Fresenius die Beiboot-Strategie. Schließlich ist seine Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care sogar im Dax. „Als selbständige Unternehmen können die Beiboote leichter andere Unternehmen akquirieren. Und die Mitarbeiter sind auch leichter zu motivieren, da sie in Aktien des eigenen fokussierteren Unternehmens entlohnt werden können“, werben Investmentbanker.

          Mehr Freiraum für die bisherigen Sparten

          Dieses Argument verwendet auch die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Sie will nach Healthineers als nächster noch vor Ostern ihr Debüt auf dem Börsenparkett feiern. Auch nach dem Aktienverkauf will die Deutsche Bank die Mehrheit an der Fondsgesellschaft behalten und sie damit als Beiboot steuern. Aber die Mitarbeiter der DWS sollen künftig einen Teil ihrer Boni nicht mehr in Deutsche-Bank-Aktien sondern in DWS-Aktien erhalten. Investmentbanker betonen lieber anderes: Konzerne müssten sich weiterentwickeln. Umbrüche seien gerade zu meistern, in Digitalisierung und künstliche Intelligenz zu investieren. Nicht jeder Geschäftsbereich erhalte dafür vom Konzernvorstand genug Aufmerksamkeit und Kapital. Eine flexible Aufstellung in verschiedene Teile mit mehr Freiraum für die bisherigen Sparten ergebe deshalb Sinn.

          Im Automobilsektor ist Investitionsbedarf besonders offensichtlich, muss doch der Übergang zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren bewältigt werden. Daher prüft der Automobilzulieferer Continental, wie er sich in kleinere Teile aufspaltet. Doch auch der Chemiekonzern BASF mit seiner langen Historie von Unternehmenskäufen und -verkäufen – einst gehörte das heutige M-Dax-Unternehmen K+S zum BASF-Konzern – wandelt sich weiter. BASF trennt gerade sein Öl- und Gasgeschäft ab und führt es mit Dea zusammen.

          Investmentbanker, die als Berater von Börsengängen und Aktienverkäufen hohe Gebühren einstreichen, werben für die Beiboot-Strategie auch deshalb, weil die einzelnen Geschäftsparten an der Börse oft mehr wert seien als unter dem Konzerndach. Das mag im Einzelfall stimmen, oder eben auch nicht. Manager von Fonds, die nur in deutsche Aktien investieren, sind nicht überzeugt. Am Börsengang von Healthineers können sie nicht ohne weiteres teilnehmen – zumindest dann nicht, wenn sie schon ihre Quote an Aktien des Dax-Schwergewichts Siemens ausgereizt haben. Denn Healthineers wird nach den Anlagevorschriften zunächst weiter zum Siemens-Engagement eines Fonds gerechnet. „Ich muss erst Siemens verkaufen, bevor ich Healthineers kaufen kann“, erzählt ein Fondsmanager.

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