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Zu viele Störfeuer : Warum uns eine unruhige Börsenwoche droht

  • Aktualisiert am

Im Augenblick geht es mit dem Dax weiter abwärts. Bild: Reuters

Die Rezessionssorgen haben die Börsen eiskalt erwischt. Denn nicht nur die Konjunktur, sondern auch die Politik ist jederzeit für eine Überraschung gut.

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          Die Rezessionssorgen haben die internationalen Aktienmärkte eiskalt erwischt. Sah es zu Beginn der vergangenen Woche noch so aus, als ob die Börsen dank Rückenwind von der Geldpolitik Konjunktursorgen abschütteln könnten, hat sich das Blatt mittlerweile gewendet. Der erschreckend schwache ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der Vereinigten Staaten hat gezeigt, dass der ungelöste Handelsstreit die Konjunktur ausbremsen könnte.

          Neue Strafzölle Amerikas gegen Europa kommen vor diesem Hintergrund zur Unzeit. Nachdem der Handelskonflikt zwischen Amerika und China zuletzt etwas an Schärfe verloren hat, flammt damit neues Störfeuer auf. „Der drohende Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der EU sowie die Tatsache, dass nun auch die bislang noch vergleichsweise robust wirkende amerikanische Wirtschaft zur Schwäche neigt, verschreckte die Anleger“, stellt Investmentanalyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Wochenausblick fest.

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          Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus Amerika waren laut ersten Einschätzungen von Börsianern solide ausgefallen. Zwar hatte die Wirtschaft im September etwas weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Die entsprechenden Werte für August und Juli wurden allerdings nachträglich nach oben revidiert. Insgesamt dürften sich die Erwartungen an weitere Zinssenkungen mit den Daten aber nicht maßgeblich reduzieren, hieß es.

          Politik ist jederzeit für eine Überraschung gut

          So oder so: Kriegsentscheidend ist dies nicht. „Letztendlich hängt alles von den Handelsgesprächen zwischen den Amerika und China ab, um die Stimmung zu verbessern“, schrieben die Volkswirte der Unicredit in einem Kommentar.

          Die neue Börsenwoche verspricht daher, spannend zu werden. Denn nicht nur die Konjunktur, sondern auch die Politik ist jederzeit für eine Überraschung gut. Da ist einerseits das drohende Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump. Analyst Streich zweifelt zwar, dass sich im Senat genügend republikanische Vertreter gegen den Amtsinhaber stellen können, doch dürfte der Vorgang das verstärken, was die Aktienmärkte am wenigsten mögen: die Unsicherheit.

          Gleiches gilt für das Gezerre um den Brexit. Der neue Vorschlag des britischen Premiers Boris Johnson scheint die EU-Kommission nicht überzeugt zu haben, denn die verlangt Nachbesserungen. Somit bleibt offen, wie der geplante Austritt der Briten vonstatten geht.

          Die unerquickliche Gemengelage hat im Chartbild Spuren hinterlassen. Gegenbewegungen sind nach den starken Verlusten zwar möglich, die Vorzeichen weisen aber auf sinkende Kurse hin. Marktexperte Andreas Büchler von IG Index rechnet daher mit schwachen Märkten.

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          Immerhin: „Schon um 11.700 / 11.800 könnte der DAX durch die Kombination einer horizontalen Wendezone mit dem 200-Tage-Durchschnittskurs wieder verstärkt Käufer finden“, betont Büchler in einer Studie. Sollte das aber nicht gelingen, sieht es trübe aus. „Dann wäre eine Seitwärtsbewegung mit Untergrenze an der nächstfolgenden potenziellen Bodenbildungszone an der 11.300er-Marke noch das beste der denkbaren Folgeszenarien“, warnt Büchler.

          Ob es soweit kommt, wird ein Stück weit an den Konjunkturdaten hängen. Die sind zwar nicht ganz so hochkarätig wie in der ersten Oktoberwoche, aber angesichts der Konjunktursorgen nicht zu vernachlässigen. Zu Wochenbeginn erfolgen Daten zu Auftragseingang und Produktion der deutschen Industrie, am Freitag wird der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan für den Oktober veröffentlicht. Zudem wird sich US-Notenbankpräsident Jerome Powell im Rahmen verschiedener Reden äußern.

          Auf Seite der Unternehmen könnte es am Dienstag Neuigkeiten von Wirecard im Rahmen eines Kapitalmarkttags geben. Detaillierte Geschäftszahlen zum zweiten Quartal will zudem am Mittwoch die Südzucker -Tochter Cropenergies vorlegen. Am Donnerstag ist dann die Mutter selbst mit ihren Halbjahreszahlen an der Reihe. Gleichzeitig präsentiert dann auch der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer seine Ergebnisse im dritten Geschäftsquartal. Zum Ende der Woche wird die Lufthansa ihre Verkehrszahlen vom September vorlegen.

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