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Anlageentscheidungen : Staatsinvestoren wenden sich von Europa ab

Chinas Staatsführung während des letzten Volkskongresses. Bild: dpa

Eine Umfrage unter Zentralbanken und Staatsfonds zu ihren Anlageentscheidungen zeigt die Probleme von Europa und zugleich die Attraktivität von China auf.

          Die staatlichen Investoren, also Zentralbanken und Staatsfonds, wenden sich von Europa ab und China zu. Das ist die Kernaussage einer nun veröffentlichten Umfrage des amerikanischen Vermögensverwalters Invesco unter 139 Staatsinvestoren und Verwaltern von Devisenreserven, die zusammen über ein Vermögen von rund 20 Billionen Dollar verfügen.

          Die staatlichen Investoren haben China in diesem Jahr trotz der Handelsstreitigkeiten mit den Vereinigten Staaten attraktiver bewertet als noch in der vorangegangenen Umfrage aus dem Jahr 2017. Sie stufen Chinas Attraktivität auf Sicht der nächsten drei Jahre nun mit durchschnittlich 6,1 Punkten auf der bis 10 reichenden Skala ein. Gegenüber dem Rating von 5,2 in der Umfrage 2017 sei das ein deutlicher Anstieg, hob Invesco hervor.

          Zwar räumten 82 Prozent der Umfrageteilnehmer ein, von den Handelskonflikten in ihren Anlageentscheidungen beeinflusst zu werden. Doch zeigten sie sich zuversichtlich für eine Lösung des Konflikts, was sie vor allem an der Zusage Chinas festmachen, in Zukunft den Schutz geistigen Eigentums zu verbessern. Wichtigstes Anlageinstrument seien Aktien. Rund 90 Prozent der in der Volksrepublik engagierten staatlichen Investoren hielten Aktien chinesischer Unternehmen.

          Weniger beliebt sind in den Augen der Staatsinvestoren die großen europäischen Volkswirtschaften geworden. Als Gründe nennt Invesco das schwächere Wirtschaftswachstum und das zunehmende politische Risiko. Fast zwei Drittel der befragten Investoren beeinflusst der EU-Austritt Großbritanniens in ihrer Vermögensaufteilung.

          Die Wahlerfolge populistischer Parteien in Ländern wie Deutschland oder Italien stellen für die Zentralbanken und Staatsfonds eine größere politische Unsicherheit dar und wirken sich auf ihre Anlageentscheidungen aus. Nach Angaben von Invesco hat dies zu einer Abkehr von Europa als Investitionsziel geführt. Fast ein Drittel der Staatsinvestoren habe ihre Gewichtung von Europa im vergangenen Jahr reduziert.

          Nur wenige wollen ihr Engagement in Europa erhöhen

          Deutlich skeptischer fielen die Bewertungen einzelner Länder aus: Das Rating von Deutschland sank von 7,8 auf 6,2 Punkte, von Frankreich von 6,1 auf 4,9 Punkte und von Italien von 6,1 auf 3,8 Punkte. Wie Invesco betont, planen ebenfalls ein Drittel der Staatsinvestoren eine geringere Gewichtung Europas im laufenden Jahr. Lediglich 13 Prozent wollen ihr Engagement in Europa erhöhen, dagegen zieht es 40 Prozent nach Asien und 36 Prozent in die Schwellenländer.

          Die Zentralbanken stellen sich nach der Invesco-Studie eher auf einen allmählichen Abschwung als auf eine Wirtschaftskrise ein. Im vergangenen Jahr kauften die Zentralbanken 651,5 Tonnen Gold. Dieser Wert wurde bislang nur einmal übertroffen und fiel im Vergleich zum Jahr 2017 um fast drei Viertel höher aus. Von den Devisenreserven in der Welt entfallen fast 62 Prozent auf den Dollar und knapp 21 Prozent auf den Euro. Der Dollar sei zwar noch immer die wichtigste Reservewährung, trotzdem sei sein Anteil auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen.

          Nach Angaben von Invesco haben die Zentralbanken ihre Bestände an chinesischen Renminbi (Yuan) in den Jahren 2017 und 2018 so weit erhöht, dass die chinesische Währung den kanadischen und australischen Dollar überholte. Mehr als ein Viertel der Zentralbanken wollen ihre Renminbi-Reserven in diesem Jahr weiter ausbauen.

          Fast 90 Prozent der Staatsinvestoren erwarten ein Ende des Konjunkturzyklus innerhalb der nächsten zwei Jahre. Das hat zu einer Umschichtung geführt: Anleihen werden nun mit 33 nach 30 Prozent im Jahr 2018 gewichtet. Während der Anteil der Aktien von 33 auf 30 Prozent gesunken ist.

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