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Investieren in Anleihen : Die unerwünschten Privatanleger

  • -Aktualisiert am

Börse Stuttgart: Hier werden die meisten Anleihen gehandelt. Bild: dpa

Investieren in Anleihen wird für Privatanleger immer schwieriger. Das hängt nicht nur mit den großen Stückelungen zusammen.

          Wer sein Geld als Privatanleger anlegen will, hat zurzeit wenig Chancen, der Renditemisere zu entgehen. Setzt der Anleger nicht auf Aktien, kommen schnell Anleihen ins Spiel – von Staatsanleihen südeuropäischer Länder wie Portugal, Spanien oder Italien oder eben Unternehmensanleihen. Gerade bei Letzteren ist es nicht einfach, sie zu bekommen.

          Ein Grund dafür ist die Stückelung, mit der die Anleihe auf den Markt kommt. „Die in diesem Jahr neu auf den Markt gekommenen Unternehmensanleihen mit einem Volumen von mindestens 500 Millionen Euro hatten in 88 Prozent der Fälle eine Stückelung von 100.000 Euro und mehr. Im Jahr 2011 waren es 66 Prozent“, klagt Michael Völter, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse.

          Dadurch werde der Zugang von Privatanlegern zu einer wichtigen Anlageklasse beschnitten. „Kapital für Anleiheinvestments wäre vorhanden“, ist sich Völter sicher. Die Börse in Stuttgart ist der größte inländische Umschlagplatz für Unternehmensanleihen an Privatanleger. Ihr Handel ist laut Mitteilung in Stuttgart bis Ende Juli um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

          Anleihemarkt braucht Privatanleger aktuell nicht

          Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bemängelt, dass man mit einer größeren Stückelung versucht, Anleger fernzuhalten, die nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen. Für den Chefvolkswirt der LBBW, Uwe Burkert, kein stichhaltiges Argument. Der Anleihemarkt brauche Privatanleger aktuell nicht. Zum einem kaufe die Europäische Zentralbank weiterhin Anleihen, neben Staatsanleihen eben auch Unternehmensanleihen. Und zugleich legten Versicherungen, Banken oder Pensionsfonds ihr Geld in Unternehmensanleihen an, weil sie nicht alles in Aktien stecken könnten.

          Als ein weiterer Grund für den Trend zu den größeren Stückelungen wird zugleich die zunehmende Regulierung genannt. Mit der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und der PRIIPS-Verordnung gibt es seit Anfang des Jahres neue Regeln. Sie wurden eingeführt, um den Verbraucherschutz zu stärken. Ein Knackpunkt ist dabei folgender:

          Die Emittenten müssen dabei den Zielmarkt festlegen, also genau definieren, an wen sie ihr Produkt verkaufen wollen: an Privatanleger oder institutionelle Investoren. Aber auch die Vertriebsbanken können den Zielmarkt den Angaben zufolge bestimmen. Wenn der Privatanleger der Zielmarkt ist, muss beispielsweise der Vertrieb während der gesamten Laufzeit überwachen, ob sich Wesentliches für den Käufer geändert hat.

          Die Aufsicht ist vorsichtiger geworden

          Wendeten sich Wertpapierangebote auch an private Anleger, seien die Dokumentationsanforderungen an den allfälligen Wertpapierprospekt im Vergleich zu institutionellen Investoren etwas höher, heißt es beim Autobauer Daimler AG in Stuttgart. Der Daimler-Wertpapierprospekt sei grundsätzlich geeignet, um die Anleihen auch Privatanlegern anzubieten.

          Diese Eigenschaft sei eine von zentraleuropäischen Großunternehmen gepflegte Spezialität, die andernorts nahezu unbekannt sei. „Ob und wie wir dieses Feature bei einem unserer Angebote nutzen, hängt jeweils vom Einzelfall ab“, sagt eine Sprecherin weiter. Der Chef-Volkswirt der LBBW verweist zugleich darauf, dass Unternehmen auch auf die Kosten bei der Emission einer Anleihe achten. Und diese seien höher, wenn es für den Privatanleger umfangreicherer Dokumentation und Prospekte bedürfe.

          Privatkunden müssen außerdem Basisinformationsblätter (PRIPPS) zur Verfügung gestellt werden. Gibt es diese nicht, dürfen die Banken oder die anderen Finanzdienstleister das Papier nicht an den Privatkunden verkaufen. Dazu meint Völter: „Mein Appell ist: Die Emittenten sollen in ihrem eigenen langfristigen Interesse an Privatanleger denken und nicht nur an institutionelle Investoren.“

          Und DSW-Sprecher Jürgen Kurz merkt an, Anleger sollten ihre Investitionsentscheidung frei wählen können. Aber durch das Desaster bei den Mittelstandsanleihen vor ein paar Jahren sei die Aufsicht noch vorsichtiger geworden.

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