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Börsengang gestoppt : Peking pfeift Ant Financial zurück

Geplatzter Rekord-Börsengang: Insgesamt 37 Milliarden Dollar wollte Ant mit den Listings einnehmen. Bild: AP

An den Handelsplätzen in Hongkong und Schanghai wollte sich Ant Financial listen lassen. Nun hat die chinesische Aufsicht den milliardenschweren Rekord-Börsengang vorerst auf Eis gelegt.

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          An Warnschüssen aus Peking hatte es vor dem Rekord-Börsengang des chinesischen Fintech-Unternehmens Ant Financial nicht gemangelt. Nun macht die Regierung ernst: Die für Donnerstag geplante Erstnotiz in Schanghai hat der chinesische Regulator fürs Erste abgesagt. Auch der zweite Börsengang in Hongkong wurde gestrichen. An beiden Plätzen wollte Ant insgesamt 37 Milliarden Dollar einnehmen, so viel wie bisher kein anderes Unternehmen bei seiner Erstnotiz. Der Börsengang des saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco hatte Ende vergangenen Jahres rund 8 Milliarden Dollar weniger eingespielt.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Doch am Dienstag führte die Schanghaier Börsenaufsicht einen Tag nachdem gleich vier Finanzaufsichtsbehörden Jack Ma, den Gründer von Ant und dessen früherem Mutterunternehmen Alibaba, neben weiteren Ant-Managern zu einem Gespräch hinter verschlossenen Türen einbestellt hatten, „signifikante Änderungen“ im Regulierungsumfeld an, nach der das Unternehmen aus Hangzhou die Anforderungen der Börse nicht erfüllen könnte.

          Am Montag hatten eine Gruppe von Regulatoren unter der Leitung der nicht-regierungsabhängigen Zentralbank Ma Ant-Chairman Eric Jing und den Ant-Vorstandsvorsitzenden Simon Hu zum Börsengang befragt. Was der Inhalt und das Ergebnis des Gesprächs war, hatte die Regierung indes nicht mitgeteilt.

          Gab seine Posten beim Mutterkonzern Alibaba vor zwei Jahren ab: Ant-Gründer Jack Ma.
          Gab seine Posten beim Mutterkonzern Alibaba vor zwei Jahren ab: Ant-Gründer Jack Ma. : Bild: AFP

          Am Dienstag hatte es im chinesischen Internet daraufhin eine breite Diskussion über Ants Geschäft mit Kleinkrediten gegeben, das von vielen als ein wichtiger Grund für die schnell steigende Haushaltsverschuldung in China angesehen wird.

          Bezahl-App mit Kredit auf Knopfdruck

          Im Westen ist Ant vor allem für seine Smartphone-App Alipay bekannt, die laut Börsenprospekt in China 711 Millionen Kunden nutzen. Dass mit dieser per QR-Code vom Kaugummi bis zum Auto praktisch alle Produkte und Dienstleistungen des täglichen Lebens bezahlt werden können, ist oft beschrieben worden. Den größten Anteil seiner Erlöse erzielt Ant jedoch mit Kreditfunktionen wie „Huabei“, die in Alipay eingegliedert ist und übersetzt „Gib es einfach aus“ bedeutet.

          Damit können sich Alipay-Kunden innerhalb von 3 Sekunden beispielsweise 10.000 Yuan (1.280 Euro) leihen – zu Zinsen von 0,5 Prozent am Tag. Dies ergibt aufs Jahr gerechnet einen Zinssatz von 180 Prozent, was sehr viel mehr ist als bei der klassischen Bank und in China den Konditionen einer sehr teuren Kreditkarte gleichkommt.

          Jack Ma, der direkt und indirekt die Kontrollmehrheit an Ant hält, stellt Ant gerne als Internetunternehmen und nicht als Bank dar. Bei Alibaba hat sich Ma vor zwei Jahren von allen Führungsaufgaben zurückgezogen. Beobachter hatten Druck der chinesischen Staatsführung auf den meinungsstarken Milliardär als Grund für den Eintritt in die Rente mit nur 55 Jahren vermutet. Dass Ma jedoch weiterhin gern mitmischt in Chinas Wirtschaft, hatte der Unternehmer vor zwei Wochen in Schanghai unter Beweis gestellt. Dort wetterte er gegen die internationalen Eigenkapitalanforderungen an Banken und tönte, „viele der Probleme in der Welt“ stammten daher, dass „nur über Risikokontrolle gesprochen“ werde, aber nicht über „Entwicklung“ und die „Möglichkeiten von jungen Leuten und Entwicklungsländern“. Auch gegen Chinas Staatsbanken ätzte Ma auf der Bühne.

          In Schanghaier Finanzmarktkreisen hatte es geheißen, dass sich Peking das dort als breitbeinig empfundene Auftreten von Ma nicht einfach werde bieten lassen. Schließlich hatte es bereits eineinhalb Wochen zuvor Meldungen gegeben, nach der die Börsenaufsicht prüfen wolle, wie Ant über seine eigene Alipay-Plattform auf dem chinesischen Festland den eigenen Kunden einen Teil der eigenen Zeichnungsanteile zu Knebelkonditionen verkauft hatte. Am Dienstag wurde in den Kreisen jedoch die Vermutung geäußert, dass der Börsengang am Ende doch noch kommen werde. Schließlich habe Chinas staatlicher Pensionsfonds NSSF und selbst das Staatsfernsehen Anteile an Ant erwerben wollen.

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