https://www.faz.net/-gv6-9sbs0

Unternehmensfinanzierung : Warum Hybridanleihen in Mode sind

Infineon-Chef Reinhard Ploss: Das Unternehmen hat Ende September 2019 eine Hybridanleihe emittiert. Bild: Reuters

Viele europäische Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Emissionen von Hybridanleihen durchgeführt. Was steckt dahinter?

          1 Min.

          Die Emissionen von Hybridanleihen europäischer Unternehmen haben in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen. Das liegt nicht nur an der Deutschen Bahn, die kürzlich zwei Milliarden Euro der zwischen Fremd- und Eigenkapital eingeordneten Schuldtitel zu historisch günstigen Konditionen plazieren konnte. Auch andere Unternehmen wie zum Beispiel der Halbleiterhersteller Infineon, die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone oder der Darmstädter Pharmakonzern Merck haben sich für diese Finanzierungsform entschieden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Angaben der Ratingagentur Scope belaufen sich die neuen Hybridanleihen europäischer Unternehmen im laufenden Jahr auf ein Volumen von mehr als 24 Milliarden Euro. Das sei das höchste Jahresemissionsvolumen seit dem Jahr 2015. Scope-Analyst Azza Chammem führt diese Entwicklung auf die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück, ihre Anleihekäufe wieder aufzunehmen sowie ihre „ultra-lockere“ Geldpolitik fortzusetzen.

          Die Kombination aus historisch niedrigen, oft sogar negativen Zinsen, und weiter robusten Aktienmärkten böten kapitalintensiven Unternehmen einen starken Anreiz, hybride Instrumente zu begeben. Als kapitalintensiv gelten Versorger, Telekommunikationskonzerne und Immobilienunternehmen. Hybride Papiere liegen zwischen Eigen- und Fremdkapital, was für den Investor im Insolvenzfall ein höheres Ausfallrisiko im Vergleich zu einer gewöhnlichen Anleihe darstellt. Dieses Risiko wird allerdings mit einem höheren Zins vergütet.

          Hybridanleihen sind in der Regel mit sehr langen Laufzeiten ausgestattet. Entscheidend ist aber der erste Kündigungstermin. Die Bahn hat ihre beiden Hybridanleihen mit unendlichen Laufzeiten ausgestattet, die eine ist nach fünfeinhalb, die andere nach zehn Jahren kündbar. Unternehmen können mit Hybridanleihen ihre Finanzierungskonditionen verbessern.

          Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s erkennen Hybridanleihen bis zum ersten Kündigungstermin zu 50 Prozent als Eigenkapital an. Wird die Hybridanleihe nicht zum ersten Kündigungstermin gekündigt, entfällt dieser Vorteil. Zudem wird der Titel für das Unternehmen aufgrund der höheren Zinsen zu einem vergleichsweise teuren Finanzierungsinstrument.

          Weitere Themen

          Zusatzrente vom Chef

          FAZ Plus Artikel: Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.