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Aktienmarkt : Dax 40

Zuhause: Seit Juli 1988 wird der Dax berechnet - hier ein Foto aus demselben Jahr. Bild: dpa

Der Dax hat seit 30 Jahren 30 Werte. Sogar kleinere Länder besitzen größere Aktienindizes. Es wird Zeit, Deutschlands Vorzeigeindex zu erweitern.

          An der Börse kündigt sich Großes an, zumindest im Kleinen. Nach monatelangen Diskussionen mit Anlegern und Analysten wird die Deutsche Börse ihre Aktienindizes aus der zweiten und dritten Reihe neu ordnen und vergrößern. Der M-Dax wird von September an von 50 auf 60 mittelgroße Werte erweitert, im S-Dax werden künftig sogar 70 kleine Unternehmen versammelt sein statt bisher 50. Außerdem werden im Tec-Dax von September an auch Technologieunternehmen aus dem Dax geführt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Indexveränderungen hin oder her – der ganz große Wurf, der bleibt aus: Wäre es nach dreißig Jahren nicht langsam mal an der Zeit, auch den Dax zu vergrößern, auf 40 oder gar 50 Werte statt der 30 wie seit anno dazumal? „Der Dax ist offenbar so etwas wie eine heilige Kuh, an die man sich nicht herantraut“, sagt Uwe Streich, der als Index-Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für eine Dax-Aufstockung plädiert.

          Es erscheint doch wirklich eigenartig, dass die bedeutendste Volkswirtschaft Europas einen kleineren Aktienindex hat als andere europäische Länder, die längst nicht so groß sind und auch weniger gut dastehen. Man muss sich ja nicht gleich Griechenland zum Maßstab nehmen mit seinen 60 im Athex Composite notierten Unternehmen. Aber andere Länder wie Frankreich und Italien nutzen ihren Leitindex deutlich stärker als Abbild ihrer Finanzstärke und haben jeweils 40 Werte darin, Spanien immerhin 35. Ganz zu schweigen von der Hundertschaft Unternehmen, die im britischen FTSE 100 versammelt ist.

          Der Sinn einer Aufstockung

          Als der Dax vor dreißig Jahren gestartet ist, da war die Beschränkung sicher eine gute Idee. Schließlich war damals der alte und berühmte Dow Jones Industrial mit seinen 30 Werten das amerikanische Vorbild, von dessen Abglanz die Deutschen zu profitieren versuchten. Inzwischen ist der Dax aber selbst ein gewichtiger Index: In ihm stecken fast drei Viertel des Grundkapitals aller börsennotierter deutscher Firmen, er dient als Basiswert für mehr als 200 000 Finanzprodukte, darunter 18 Indexfonds (ETF), und ist für viele Vermögensverwalter die Messlatte, an der sie sich orientieren. Nicht ohne Grund wird der Dax oft als Leitindex bezeichnet.

          Die Deutsche Börse preist ihren wichtigsten Aktienindex nicht nur als Spiegelbild für die 30 darin befindlichen Unternehmen, sondern „auch irgendwie für die gesamte deutsche Wirtschaft“. Das „irgendwie“, von dem anlässlich des bevorstehenden dreißigsten Jubiläums des Dax auf der Website der Deutschen Börse die Rede ist, klingt gleichzeitig ein bisschen nach „irgendwie auch nicht“.

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          Eine Vergrößerung um der Vergrößerung willen, also nur um im Vergleich mit den europäischen Nachbarbörsen gewichtiger dazustehen, ist sicher kein Argument. Bloß weil Frankreichs CAC 40 so viele Werte hat, muss die Deutsche Börse den Dax nicht auch auf 40 oder mehr aufstocken. Doch hätte eine Erweiterung durchaus handfeste Vorteile, wie viele Marktbeobachter und Vermögensverwalter teilweise schon seit Jahren sagen.

          Um den Sinn einer Aufstockung verständlich zu machen, sollte man erst einmal betrachten, welche Funktionen ein Index wie der Dax hat und wie sie wirken. Zum einen dient ein Aktienindex der Information. Er gibt darüber Aufschluss, wie sich die darin versammelten Werte im Laufe der Zeit entwickelt haben. Würde der Dax aufgestockt und damit mehr Aktien haben, die täglich gehandelt werden, gäbe es über kurz oder lang mehr Informationen. Zweifellos ein Vorteil.

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