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Süßwaren : Katjes-Anleihe umgehend ausverkauft

Treets läuft jetzt auch unter Katjes International. Bild: Picture-Alliance

Katjes International, nicht zu verwechseln mit der deutschen Katjes, aber sozusagen mit ihr verschwägert, hat eine Anleihe über 100 Millionen Euro begeben. Sie war sehr gefragt.

          Der Süßwarenhersteller Katjes ist in Deutschland nicht erst bekannt, seitdem Spitzenmodel Heidi Klum für ihn Werbung machte. Kenner kau(ft)en Katjes in den Siebzigern,  Yes, yes, yes, sang Heidi Klum in den frühen 200ern und seit 2014 geistert der vegetarische „Grünohr-Hase“ über die Fernsehschirme.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von diesem Bekanntheitsgrad profitierte auch wohl die Emission einer Unternehmensanleihe der Katjes International. 100 Millionen Euro in Schuldverschreibungen wurden für 4,25 bis 4,5 Prozent feil geboten, um 14 Uhr war alles verkauft und noch mehr.

          Ursprünglich hätte das Angebot bis Mittwoch laufen sollen, aber die Nachfrage sowohl von institutionellen Investoren als auch Privatanlegern war so hoch, das aus den 100 Millionen 110 Millionen wurden und der Zins mit 4,25 Prozent am unteren Ende der Spanne herauskam. 

          Obwohl dies nun schon die fünfte Emission der Katjes International ist, dürfte immer noch weniger bekannt sein, dass die deutsche Katjes rechtlich mit Katjes International nichts zu tun hat. Sie ist vielmehr ein rechtlich selbständiger Teil der Katjes-Gruppe, die zu 90 Prozent der Familie Fassin, die die Gruppe im Grunde seit den zwanziger Jahren führt, als man unter dem Namen Langenberg & Co. als niederländisches Unternehmen noch mit Fliegenfängern und Farbmitteln handelte. Mit der Produktion von Lakritz begann Katjes (Niederlande) in den Dreißigern, damals um das saisonabhängige Geschäft mit Fliegenfängern auszugleichen.

          Ganz ohne Katjes

          Katjes International entstand im Grunde erst vor wenigen Jahren mit der Übernahme von 50 Prozent am niederländischen Lakritzhersteller Festivaldi, und dem französischen Zuckerwarenhersteller Lutti. 2011 wurde die erste Anleihe, damals mit einem Zinssatz von 7,125 Prozent aufgelegt. Damals setzte Katjes International 40 Millionen Euro um und machte einen Gewinn von 2,2 Millionen Euro.

          Seitdem ist das Portfolio deutlich gewachsen, auch um einige bekannte Unternehmen und Marken: Piasten etwa, bekannt für seine Schokolinsen oder Dallmann’s mit seinen Salbeibonbons. Auch am österreichischen Waffel-Hersteller Manner ist Katjes International mittlerweile mit 6 Prozent beteiligt. 2018 hat das Unternehmen auf diese Weise schon 308 Millionen Euro umgesetzt und dabei einen Gewinn von knapp 53 Millionen Euro erwirtschaftet.

          Das stimmt insofern aber nicht ganz, als Katjes International zum Jahresende ihre Tochtergesellschaften Lutti und CSB in die französische CPK eingebracht hat, die nun Carambar heißt und an der Katjes International nur noch 23 Prozent gehören. Insofern bleiben nur noch zwei Drittel des Umsatzes aber immerhin 94 Prozent des Gewinns übrig. Darauf entfällt indes ein wesentlicher Anteil auf die Einbringung von Lutti und CSB.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Verschuldung von Katjes International hält sich unter Berücksichtigung der Sondereffekte mit etwa dem Dreifachen des operativen Gewinns und einer Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent in Grenzen. Da mit dem Emissionserlös fast ausschließlich die 2015 begebene Anleihe refinanziert wird, wird die Verschuldung durch die neue Emission nicht wesentlich steigen.

          Bei der ersten Emission 2011 hatte Katjes noch einen Aufschlag auf den Referenzzins der Banken von 4,3 Prozentpunkten zahlen müssen, 2015 sogar von mehr als 5 Prozentpunkten. Diesmal kommt das Unternehmen mit 4,2 Prozentpunkten etwas günstiger davon. Das dürfte damit zusammenhängen, dass es am Markt für Hochzinsanleihen kleiner und mittlerer Unternehmen eine Bereinigung gegeben hat – viele wenig solide Emittenten sind ausgeschieden, oft genug durch Insolvenz, aber auch viele Privatanleger haben den Markt verlassen.

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