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Britische Zentralbank : Offen für Scharia-Banking

Blick auf die Bank of England Bild: Reuters

Die britische Zentralbank richtet ein Konto nach islamischen Regeln ein. Zinsen gibt es dabei keine, denn die sind nach dem Gesetz der Muslime verboten.

          2 Min.

          Die Bank von England hat entschieden, eine schariakonforme Einlagenfazilität einzurichten, die ohne Zinszahlungen auskommt. Nach der Scharia, dem islamischen Recht, dürfen Banken keine Zinsen nehmen oder zahlen. Sie weichen daher auf Gewinnbeteiligungsmodelle aus. Die britische Notenbank wird im ersten Quartal eine neue „Alternative Liquiditäts-Fazilität“ eröffnen, kündigte sie an. Sie werde damit die erste Zentralbank in Europa sein, die eine Einlagenfazilität für Kreditinstitute eröffne, die nach islamischen Vorgaben operierten, schreibt die Ratingagentur Moody’s. Die Einlagenfazilität der Zentralbank ist eine Art Konto, auf dem Geschäftsbanken überschüssige Liquidität parken können. Für die Scharia-Banken böten sich damit verbesserte Möglichkeiten des Liquiditätsmanagements.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Andrew Hauser, Direktor der Marktoperationen der Bank of England, hob in einer Rede auf der „Islamic Finance Week“ vor kurzem die Rolle islamischer Banken zur Überwindung der Corona-Wirtschaftskrise hervor. Ohne Zweifel wächst ihre Bedeutung, getrieben vom Geld der reichen arabischen Golfstaaten. Im Jahr 2019 hatten Hauser zufolge islamische Finanzinstitute weltweit 2,4 Billionen Dollar Bilanzwerte unter Verwaltung, ein Drittel mehr als 2015. Drei Viertel dieser Vermögenswerte werden von Banken verwaltet. Außerdem gibt es mehr als 1500 schariakonforme Investmentfonds. Der Schwerpunkt liegt im Nahen Osten, in Asien und in Nordafrika.

          Erste schariakonforme Staatsanleihe

          Großbritannien und der Finanzplatz London hoffen aber auch, einen Teil vom wachsenden Kuchen des islamischen Bankings abzubekommen. Die Bank of England und die Finanzaufsicht haben ihre Finanzmarktregulierung in Teilen dafür angepasst. Im Jahr 2014 begab das britische Finanzministerium die erste schariakonforme Staatsanleihe, eine „Sukuk“, außerhalb der islamischen Welt.

          Auf den Britischen Inseln existieren vier schariakonforme Banken, die Kontodienste anbieten und Vermögenswerte von 5 Milliarden Pfund verwalten: die Al Rayan Bank, BLME (Bank of London & The Middle East), Gatehouse Bank und UBL aus Pakistan. Die neue „Alternative Liquiditäts-Fazilität“ der britischen Notenbank soll ihnen entgegenkommen. Statt Zinsen für ihre Einlagen bei der Zentralbank werden die islamischen Banken einen Anteil an Gewinnen aus einem Fonds von „Sukuks“ erhalten. Die Zentralbank verwaltet den Pool für die Geschäftsbanken. Dies ist im Islamic Banking als „Wakala“-Vertrag bekannt. Derzeit halten die islamischen Banken in Britannien ihre Überschussliquidität meist als zinslose Bargeldbestände.

          Von der neuen Fazilität werde die Al Rayan Bank besonders profitieren, sagt Moody’s in einem Kommentar. Dies stütze den Ratingausblick der größten islamischen Bank in Britannien, die als einzige ein offizielles Rating hat. Al Rayan, gegründet 2004 als Islamic Bank of Britain, mit Zentralen in Birmingham und London verfügt über gut 2,2 Milliarden Pfund an Bilanzwerten. Sie erreicht einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent beim Islamic Banking auf der Insel und hat nach eigenen Angaben mehr als 90.000 Kunden. Eine ihrer Filialen liegt im noblen Londoner Stadtteil Knightsbridge gegenüber dem Luxuskaufhaus Harrods. Seit einigen Jahren gehört Al Rayan einer staatsnahen qatarischen Bank und dem Staatsfonds in Qatar. Im Jahr 2018 hat sie die erste schariakonforme Anleihe in Großbritannien begeben, die mit Häuserhypotheken als Pfand unterlegt ist. Diese sind formell als Hausbaubeteiligungen gestaltet.

          Allerdings ist Al Rayan nicht nur mit relativ attraktiven Kontokonditionen und günstigen Hausbaufinanzierungen aufgefallen. Im vergangenen Jahr kamen auch Verbindungen zu islamistischen Vereinen und sogar Organisationen, die unter Terrorverdacht stehen, in die Schlagzeilen. Recherchen der „Times“ ergaben, dass Organisationen wie HHUGS, die Familien von Terrorverdächtigen im Nahen Osten unterstützt, oder die Londoner Finsbury-Park- Moschee mit Verbindungen zur Hamas Konten bei Al Rayan haben, während andere Institute Geschäftsbeziehungen mit ihnen abgelehnt hatten. Konservative Parlamentsabgeordnete forderten von Qatar und der Al Rayan Bank, die Unterstützung islamistischer Organisationen zu stoppen. Die Bank wies die Vorwürfe zurück.

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