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Geldanlage in Schwellenländern : Börse Indien bietet hohes Potential

Die Wiederwahl von Indiens Ministerpräsident Narendra Modi ist nicht sicher. Bild: Reuters

Indien steuert auf Wahlen zu, und deren Ausgang wird immer unsicherer. Die Börsenkurse in Bombay geben schon nach. Sollten Anleger Kursrückschläge zum Einstieg nutzen?

          Anleger mögen keine Unsicherheiten. Die gibt es aber in Indien: Die größte Demokratie der Welt steuert auf Wahlen zu, und deren Ausgang wird immer unsicherer. Vor Monaten noch schaute es aus wie eine automatische Amtsverlängerung von Ministerpräsident Narendra Modi. Dessen Vorsprung auf seinen Gegner Rahul Gandhi aber ist wie Butter in der Sonne Bombays geschmolzen – von 49 Punkten vor einem guten halben Jahr auf nun nur noch gut sechs Punkte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Modi war angetreten als Wirtschaftsreformer. Manches wie die Einführung der Mehrwertsteuer gelang ihm, wenn auch unter Schmerzen, vieles blieb Flickwerk. Mehr und mehr Inder scheinen der Versprechen Modis inzwischen müde. Auch wenn immer noch vieles für seinen Sieg und eine zweite Amtszeit spricht, wird sich der schwindende Vorsprung aber auf die Mehrheiten im Parlament auswirken. So klar wie in den vergangenen fünf Jahren dürfte Modi nicht mehr führen können. Damit drohen noch mehr überfällige Reformen im politischen Dschungel der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens zu scheitern.

          Das fürchten Anleger. Hinzu kommt, dass die Unternehmen Indiens im vergangenen Jahr unter Druck standen. Zum einen fällt es ihnen schwer, an Investitionsgelder zu kommen. Die Zinsen liegen weiterhin hoch, die Banken sitzen nach den Skandalen der vergangenen Monate auf ihrem Geld, um sich ja nicht noch mehr die Finger zu verbrennen. Selbst Indiens Vorzeigebankerin Chanda Kochhar wurde gerade vom Hof der ICICI Bank gejagt, da sie der Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme bezichtigt wird.

          Subventionen stehen besonders hoch im Kurs

          Zugleich spüren diejenigen, die sich in den fetten Jahren ins Ausland wagten, dass das ein schwerer Gang werden kann: Gerade musste die von den Indern als endgültiges Ende der Kolonialzeit gefeierte Übernahme der britischen Jaguar Land Rover durch den Tata-Konzern ihren Offenbarungseid leisten – 3,5 Milliarden Euro Abschreibungen folgten auf Probleme in China, mit dem Diesel und dem drohenden Brexit. Die Aktie von Tata Motors verlor in Stunden so viel wie zuletzt vor 26 Jahren. Die kriselnde Luftfahrtindustrie braucht dringend ausländische Investoren, die aber – nicht grundlos – hart verhandeln.

          Am Montag notierten mehr als 300 Aktien an der Bombay Stock Exchange auf dem niedrigsten Stand seit zwölf Monaten, unter ihnen bekannte Namen wie JSW Steel, Tata Motors, Coal India oder Vedanta. Der Sensex verlor bis zum Mittag weitere 164 Punkte und pendelte um 36.400 Punkte.

          Bombay BSE

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          Im vergangenen Jahr hatte der BSE Sensex noch 6,2 Prozent gutgemacht und damit den schwachen Börsen Asiens Contra gegeben. Zwar übertreffen sich die beiden führenden Parteien des Subkontinents derzeit mit Versprechen, die Kaufkraft der Armen und der Mittelschicht anzukurbeln. Dazu zählt die Ankündigung der Opposition, ein Grundeinkommen bieten zu wollen. Modi hingegen bietet Arbeitsplätze für die Regierung über eine Quotenhürde an, die praktisch alle Inder nehmen.

          Subventionen stehen in diesen Tagen besonders hoch im Kurs. Dafür brach Finanzminister Arun Jaitley auch das selbstgesteckte Verschuldungsziel wieder – nun soll das Defizit auf 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Zeitgleich soll die Notenbank einen größeren Teil ihrer Reserven an die Regierung überweisen. Damit will die Regierung die offizielle Wachstumsrate auf 7,2 Prozent hochtreiben.

          Viele warten auf den Wahlausgang

          Zugleich aber ist diese Politik durchsichtig und auf den Gewinn von Wählerstimmen ausgerichtet. So nimmt die Volatilität zu. Zumal indische Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 im Vergleich zu anderen Schwellenländern immer noch recht hoch bewertet sind. Die Wirtschaftszeitung „Economic Times“ fasst die Lage zusammen: „Der Aktienmarkt würde einen Wahlsieg Modis lieben und könnte mit einem Sieg der (oppositionellen) Kongresspartei leben.“

          Noch spricht alles für einen Sieg Modis. Dann könnte er sein Reformwerk – wenn auch wohl unter schwierigeren Bedingungen – fortsetzen. „Die Erholung ist auf gutem Weg“, heißt es denn auch bei den Analysten von Morgan Stanley. Sie raten zum Kauf indischer Papiere. Wer auf einen Markt wetten will, der langfristig enormes Potential hat, kurzfristig aber unberechenbar bleibt, wird seine Chancen in der Tat in Indien sehen: Ein Unternehmen wie Tata wird nicht untergehen, und die Belastungen der lange so ertragreichen Tochtergesellschaft Jaguar Land Rover werden abgearbeitet werden. Auch ICICI bleibt nach der Ära Kochhar ertragreich.

          Kursrückgänge können also zum Einstieg genutzt werden, der sich lohnen dürfte, wenn Modi einen weiteren Wahlsieg im Mai feierte. Vielleicht hilft der längere Blick: In sechs Monaten hat der Sensex 3,5 Prozent verloren. In den vergangenen drei Jahren unter Modi aber hat der Index 50,5 Prozent gewonnen.

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