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Möglicher Sinneswandel : Dell könnte zurück an die Börse kommen

Michael Dell: Sein Technologiekonzern könnte schon bald wieder an der Börse gelistet sein. Bild: dpa

Der Technologiekonzern Dell denkt über eine Rückkehr an die Börse nach. Ein möglicher Beweggrund dafür könnte die Steuerreform von Präsident Trump sein.

          Vor etwas mehr als vier Jahren verschwand der amerikanische Technologiekonzern Dell von der Börse. Gründer Michael Dell kaufte damals sein Unternehmen im Verbund mit einem Finanzinvestor für mehr als 24 Milliarden Dollar. Er hoffte, sich damit vom Druck der Finanzmärkte befreien und Dell in Ruhe neu ausrichten zu können.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Unternehmen kämpfte damals mit einigen Schwierigkeiten. Sein traditionelles Kerngeschäft mit Personalcomputern schwächelte, und es hatte versäumt, sich in wachstumsstärkeren Märkten wie dem Geschäft mit Smartphones zu etablieren. Nach seinem Abschied von der Börse verlagerte Dell seine Aktivitäten mehr und mehr auf Angebote für Unternehmenskunden.

          2015 ließ sich Dell auf ein spektakuläres Manöver ein und vereinbarte die Übernahme von EMC, einem Spezialisten für Datenspeichersysteme. Der Preis lag bei 67 Milliarden Dollar, es war die bis dahin teuerste Übernahme in der Technologiebranche. Michael Dell schien sich sehr wohl damit zu fühlen, sich nicht mehr ständig für seine Entscheidungen an den Finanzmärkten rechtfertigen zu müssen. Er sagte einmal, der Rückzug von der Börse sei für ihn eine phantastische Sache gewesen.

          Die Kehrseite des Trump-Steuerpakets

          Nun aber hat offensichtlich ein Sinneswandel stattgefunden. Amerikanischen Medienberichten zufolge erwägt Dell eine Rückkehr an die Börse. Und ein möglicher Beweggrund dafür könnte die gerade verabschiedete Steuerreform in den Vereinigten Staaten sein. Denn auch wenn Dell ebenso wie viele andere Unternehmen von vielen Neuregelungen wie zum Beispiel der Senkung des Ertragssteuersatzes von 35 auf 21 Prozent profitiert:

          Das Steuerpaket hat für den Technologiekonzern auch eine Kehrseite. Denn es schränkt die steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinszahlungen erheblich ein. Bislang konnten Zinsen ohne Grenzen geltend gemacht werden, von nun an ist dies aber nur bis zu einer Summe möglich, die 30 Prozent des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) entspricht.

          Das trifft ein Unternehmen wie Dell, das eine immense Schuldenlast mit sich herumträgt, besonders hart. Die mit dem Börsenrückzug verbundene Transaktion und der Kauf von EMC haben die Schulden des Konzerns auf 46 Milliarden Dollar anschwellen lassen, Schätzungen zufolge liegen seine jährlichen Zinsaufwendungen bei 2 Milliarden Dollar.

          Dell hat verschiedene Möglichkeiten

          Dell stand an vorderster Front unter amerikanischen Unternehmen, die mit Appellen bei Kongressmitgliedern in Washington gegen eine Einschränkung der Abzugsfähigkeit von Zinsen gekämpft haben, konnte sich mit seinem Anliegen aber nicht durchsetzen. Eine Rückkehr an die Börse könnte nun ein Weg für Dell sein, seine Schuldenlast wieder zu reduzieren.

          Nach einem Bericht des Fernsehsenders „CNBC“ soll dabei neben einem regulären Börsengang auch eine Verschmelzung mit der börsennotierten Tochtergesellschaft VM Ware diskutiert werden, an der Dell seit dem Erwerb von EMC 80 Prozent der Anteile hält. Bei der Übernahme galt VM Ware als Kronjuwel des Datenspeicherspezialisten. Die Gesellschaft ist auf sogenannte Virtualisierungssoftware spezialisiert, die Netzwerkcomputer (Server) in Rechenzentren effizienter arbeiten lässt.

          Dem Bericht zufolge könnte eine Transaktion so strukturiert werden, dass VM Ware Dell kauft und dem viel größeren Mutterkonzern damit auf diesem Umweg zu einer Börsennotierung verhilft. Angeblich ist Dell aber bei der Diskussion solcher Optionen noch in einem sehr frühen Stadium. Das Unternehmen hat die Berichte bislang nicht kommentiert.

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