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Vor dem Präsidentenwahljahr : Warum der S&P 500 für die Börse wichtig ist

  • -Aktualisiert am

Die Stimmung an der New Yorker Börse ist weiterhin gut. Bild: Reuters

Deutsche Anleger sollten nicht nur den Dax im Auge haben. Im Kreis der bekannten Börsenindizes sticht weiterhin ein anderer Index besonders hervor. Eine technische Analyse.

          3 Min.

          Der seit März 2009 laufende technische Hausse-Zyklus an den internationalen Aktienmärkten unter Führung der Weltleitbörse an der Wall Street ist weiterhin intakt. Nach mehr als zehn Jahren sollte nur einkalkuliert werden, dass die mittel- und langfristige Aufwärtsdynamik nachlässt. Mit Blick auf den Rest des Jahres sollte der S&P 500, jetzt wieder mit dem Rückenwind der amerikanischen Geldpolitik, seine Klettertour bis zum technischen Jahresziel von 3100 fortsetzen.

          Der japanische Nikkei 225 befindet sich in einer mittelfristigen Seitwärtspendelbewegung, die dieses Jahr nicht mehr verlassen werden sollte. Der Euro Stoxx 50, der aktuell eine moderate relative Stärke im europäischen Index-Vergleich aufweist, sollte weitere Versuche unternehmen, auf neue Jahrestops zu steigen. Der Dax sollte im Jahresendquartal seine moderate relative Schwäche im europäischen Indexvergleich nicht mehr loswerden, jedoch steht aus technischer Sicht auch hier das bisherige Jahrestop um 12.650 Punkte zur Disposition.

          S&P 500 - das Präsidentenwahljahr kommt

          Der S&P 500 startete diesen laufenden technischen Hausse-Zyklus im März 2009 bei 667. Der S&P 500, ein Kursindex, hat damit bisher mit dem Kursanstieg auf 3028 im Juli einen Gesamtanstieg von 354 Prozent erreicht. Im historischen Vergleich der technischen Hausse-Zyklen am amerikanischen Aktienmarkt seit 1945, die bisher mindestens 450 Prozent Kursanstieg eingebracht haben, hat dieser laufende Zyklus noch weiteres technisches Aufwärtspotential. Seit dem Jahreswechsel 2017/2018 ist die langfristige Aufwärtsbewegung im S&P 500 in einen Aufwärtskanal (untere Aufwärtstrendkanallinie bei 2700; obere parallel verlaufende Aufwärtstrendkanallinie bei 3050) hineingelaufen.

          Seit dem Jahresanfang ist der Index bereits wieder um mehr als 16 Prozent (in Dollar) gestiegen und bestätigt damit die langfristige Statistik, dass das dritte Jahr einer amerikanischen Präsidentschaft im Regelfall deutliche Kursgewinne liefert. Trotz der aktuellen Konjunktursorgen in aller Welt, der laufenden Handelskonflikte und der moderaten Erwartungen an das Gewinnwachstum der amerikanischen Unternehmen in 2019 unterstützen die weiterhin umfangreichen Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen, die zuletzt deutlich gesunkenen amerikanischen Anleiherenditen und besonders die lockere Geldpolitik der Notenbank die amerikanischen Aktien.

          Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn sich der aktuelle kurzfristige Aufwärtstrend im vierten Quartal weiter fortsetzt, so dass das technische Kursziel von 3100 für 2019 unverändert bleibt. Für das nächste Jahr sollte berücksichtigt werden, dass Präsidentenwahljahre wie 2020 im Regelfall gute Aktienjahre sind.

          Nikkei 225 mit einem Trading-Kaufsignal

          Beim japanischen Nikkei 225, ebenfalls ein Kursindex, steht mit Blick auf den technischen Hausse-Zyklus, der im Oktober 2008 startete, ein Kursanstieg von fast 250 Prozent zu Buche. Seit dem Jahreswechsel 2017/2018 ist dieser Zyklus in eine schwankungsintensive, breite Seitwärtspendelbewegung mit der Unterstützung um 18.940 und der Widerstandszone um 24.400 Punkte hineingelaufen. Trotz der kontinuierlichen Käufe der Bank von Japan am japanischen Aktienmarkt hatte sich seit dem vierten Quartal 2018 innerhalb dieser Seitwärtsbewegung ein negativer Grundton herausgebildet.

          Hierbei entstand zuletzt im Umfeld der leicht fallenden 200-Tage-Linie im Bereich von 21.000 ein moderater, mittelfristiger Abwärtstrendkanal. In den vergangenen Handelstagen ist der Nikkei 225 mit einem Trading-Kaufsignal nach oben in Bewegung gekommen, so dass im vierten Quartal 2019 ein Hineinlaufen in den oberen Bereich der seit fast drei Jahren bestehenden Seitwärtspendelbewegung auf der technischen Tagesordnung steht.

          Ansprechende Lage im Euro Stoxx 50

          Im Euro Stoxx 50, ebenfalls ein Kursindex, hat der Hausse-Zyklus mit dem Anstieg von 1765 auf 3836 (April 2015) bisher „nur“ einen Kursanstieg von 117 Prozent geliefert. Neben der im internationalen Index-Vergleich hohen Dividendenrendite sorgte aber auch jahrelang die etwas ungünstige Zusammensetzung des Index für diese mittelfristige relative Schwäche. Jedoch deutet sich aktuell eine grundlegende technische Veränderung an. Der technische Hausse-Zyklus macht im Euro Stoxx 50 seit März 2015 eine Pause, die sich in einer Seitwärtspendelbewegung mit der Form eines leicht symmetrischen Dreiecks wiederfindet. Hierbei liegt einerseits seit dem Hoch bei 3836 eine leicht fallende vierjährige Abwärtstrendlinie vor, die zurzeit bei ungefähr 3620 angekommen ist. Andererseits gibt es seit Juni 2016 und dem Tief bei 2678 eine dreijährige, moderate Aufwärtstrendlinie, die aktuell bei 3000 verläuft. Innerhalb dieses symmetrischen Dreiecks hat der Index seit zwei Jahren unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 3573 bis 3710 eine Seitwärtspendelbewegung etabliert.

          Mit Hilfe des kurzfristigen Aufwärtstrends der vergangenen Monate und der Kursetablierung oberhalb der nach oben drehenden 200-Tage-Linie (zurzeit bei 3330) hat sich wieder eine mittelfristig ansprechende Lage herausgebildet. Die kurzfristige relative Stärke im europäischen Index-Vergleich – auch gegenüber dem Dax – signalisiert, dass der Euro Stoxx 50 im vierten Quartal 2019 versuchen wird, die Widerstandszone im Umfeld der Jahrestops um 3570 zu überwinden. Als Konsequenz würde der Index auch am Sprung über die gesamte, gestaffelte Widerstandszone von 3570 bis 3710 und am Verlassen des symmetrischen Aufwärtsdreiecks nach oben arbeiten. Damit schiebt sich der Euro Stoxx 50 auch mit Blick auf 2020 in eine attraktive technische Gesamtlage.

          Der Autor leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research der Commerzbank.

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