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Steigende Inflation : Warum der Dollar stärker wird

Die New Yorker Banker freuen sich über die steigenden Zinsen. Bild: AFP

Ein Vergleich der Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen zeigt das Potential für einen stärkeren Dollar – sofern die Fed Kurs hält. Auch Trump spielt bei dem Höhenflug des Dollar eine Rolle.

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          Die jüngste Aufwertung des Dollars gegenüber zahlreichen Währungen dürfte die amerikanische Notenbank nicht unbeeindruckt lassen. Denn auch wenn die Federal Reserve kein Mandat zur Steuerung des Wechselkurses besitzt, so achtet sie auf die möglichen Folgen einer starken Veränderung des Wechselkurses für die Beschäftigung und die Inflation in den Vereinigten Staaten.

          Gerald Braunberger
          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Am Dienstag und am Mittwoch dieser Woche traf sich das Führungsgremium der Fed, der Offenmarktausschuss, zu einer Sitzung, um über die weitere Geldpolitik zu beraten. Vor dem Abschluss der Sitzung am Mittwoch, die bei Redaktionsschluss noch andauerte, erreichte der Wechselkurs einen Kurs von 1,1974 Dollar für einen Euro – zuletzt war der Dollar zur Jahreswende so teuer gewesen. Der Dollar wertete auf trotz der Erwartung, dass die amerikanische Notenbank keinen weiteren Zinsschritt verkündet. Die Investoren spekulieren allerdings, dass die Fed Hinweise auf steigende Inflation gibt und damit die Erwartung weiterer Zinsschritte festigt.

          Eigentlich erstaunt, dass der Dollar nicht schon längst gegenüber dem Euro wieder stärker aufgewertet hat. Denn auch wenn sich Wechselkurse nicht mit Hinweis auf einzelne Wirtschafts- oder Finanzdaten erklären lassen, so gelten mit Blick auf historische Erfahrungen die erwarteten Abstände der kurzfristigen Zinsen in zwei Währungsräumen als einigermaßen brauchbarer Indikator für einen Wechselkurs.

          Warum wertete der Euro so stark auf?

          In dieser Hinsicht ist ein Blick auf Renditen zweijähriger Staatsanleihen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten von Interesse. Die Renditen zweijähriger Papiere werden stark von den Erwartungen des Marktes auf zeitnahe Veränderungen der kurzfristigen Leitzinsen durch die Notenbanken beeinflusst. Ein Vergleich der Renditedifferenzen in den Jahren von 2008 bis Anfang 2017 zeigt denn auch, wie sich der Wechselkurs von Euro und Dollar in etwa im Einklang mit den Renditedifferenzen zwischen zweijährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen entwickelt hat: Je größer der Renditeabstand zugunsten der amerikanischen Staatsanleihen war, umso stärker war der Dollar im Vergleich zum Euro.

          Dieser auffallende Gleichklang brach im Frühjahr 2017 ab. Und es ließ sich seitdem genau das Gegenteil beobachten: Der Euro wertete deutlich gegenüber dem Dollar auf, obgleich der Renditeabstand zwischen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen weiter zulegte. Eigentlich hätte man das Gegenteil erwarten sollen. Am Mittwoch rentierten zweijährige amerikanische Staatsanleihen mit 2,51 Prozent, während die Rendite zweijähriger Bundesanleihen mit minus 0,59 Prozent negativ war. Ein Renditeabstand von gut 3 Prozent ist ungewöhnlich.

          Nun lassen sich für die Aufwertung des Euros seit dem Frühjahr 2017, die nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber anderen Währungen stattfand, Gründe finden. So wächst die Wirtschaft in der Eurozone stärker als erwartet und nach den Parlamentswahlen in den Niederlanden und den Präsidentschaftswahlen in Frankreich nahmen die Sorgen an den internationalen Finanzmärkten vor einer schweren Krise in der Eurozone ab. Dies veranlasste internationale Großanleger, darunter Staatsfonds und Notenbanken unter anderem in Asien, ihre zuletzt sehr niedrigen Bestände an auf Euro lautenden Wertpapieren wieder aufzustocken. In der zweiten Januarhälfte kostete ein Euro 1,2492 Dollar und damit etwa 20 Prozent mehr als im Frühjahr 2017.

          Die Steuerreform entfacht ihre Wirkung

          Seit kurzer Zeit verliert der Euro gegenüber dem Dollar jedoch wieder an Wert, und am vergangenen Dienstag kostete ein Euro vorübergehend erstmals seit mehreren Monaten weniger als 1,20 Dollar. Eine Erklärung für das Comeback des Greenbacks liefern die auseinanderdriftenden Konjunkturerwartungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone. Gestärkt durch eine große Steuerreform und ein gewaltiges Ausgabenprogramm, läuft sich die amerikanische Volkswirtschaft warm. Im notorisch schwachen ersten Quartal wuchs die Wirtschaft mit einem annualisierten Wert von 2,3 Prozent deutlich über den Erwartungen.

          Mit Spannung werden die nächsten Arbeitsmarktzahlen erwartet, die am Freitag veröffentlich werden. Aufschluss liefert dabei neben der Arbeitslosenquote die Lohnentwicklung, die zuletzt nach oben zeigte. Ein Plus von drei Prozent über das Jahr gebe den Inflations- und Zinsspekulationen neue Nahrung. Torsten Slok, Ökonom der Deutschen Bank, nannte Inflation die „Mutter aller Risiken“. Immer mehr Indikatoren wiesen auf Preisanstiege. Der Preisindex CPI stieg, bereinigt um die volatilen Preise von Energie und Lebensmitteln zuletzt um 2,1 Prozent im Jahresvergleich, der von der Fed als Inflationsindikator bevorzugte Preisindex stieg auf 1,6 Prozent und näherte sich damit der Zielmarke der Fed von 2 Prozent. „Wir warten buchstäblich seit neun Jahren auf Inflation“, sagte Slok dem Wirtschaftssender CNBC.

          Hinter einer Rendite von 2,51 Prozent für zweijährige amerikanische Staatsanleihen verbirgt sich die Annahme des Marktes auf jeweils drei Erhöhungen des Leitzinses durch die Fed in den Jahren 2018 und 2019. Dagegen erwartet der Markt für die Eurozone eine erste Erhöhung des Leitzinses im Sommer oder im Herbst 2019. Das unerwartet niedrige Wirtschaftswachstum im ersten Quartal in der Eurozone dürfte Erwartungen schüren, dass die EZB ihre Normalisierung der Geldpolitik weiter in die Zukunft verschieben könnte.

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