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Geldanlage in Aktien : Brauereiriese AB Inbev sorgt für Gesprächsstoff

  • -Aktualisiert am

Anheuser-Busch InBev-Chef Carlos Brito hat viel zu tun. Bild: Reuters

Das sonst so diskrete Schwergewicht Anheuser-Busch Inbev steht an der Brüsseler Börse derzeit im Rampenlicht. Von drei anderen belgischen Aktien sind Analysten ebenfalls überzeugt.

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          Es ist das mit Abstand größte börsennotierte Unternehmen in Brüssel. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 150 Milliarden Euro kann der Brauereiriese Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) ungefähr so viel auf die Waagschale bringen wie alle 19 anderen BEL-20-Unternehmen zusammen, darunter der namhafte Chemiekonzern Solvay, der Finanzkonzern KBC Groep oder der auch an der Amsterdamer Börse notierte niederländisch-belgische Lebensmittelhändler Ahold Delhaize.

          Die Manager des Brauereiriesen, zu dessen Imperium Marken wie Budweiser, Corona Stella Artois und – in Deutschland – Beck’s gehören, ziehen es vor, für möglichst wenig öffentlichen Wirbel zu sorgen. Seit einigen Wochen wird aber ungewöhnlich viel über das Flaggschiff der Börsen geredet, geschrieben und gemutmaßt.

          Im Sommer hatte der asketisch wirkende brasilianische Vorstandsvorsitzende Carlos Brito, der seit dem Jahr 2005 die Geschicke des Konzerns lenkt, gegenüber Belgiens Regierungschef Charles Michel versichert, dass AB Inbev seinen Hauptsitz im flämischen Löwen halten werde. Dabei setzt der Konzern, der einen Weltmarktanteil von gut 27 Prozent aufweist im Königreich der Flamen und Wallonen nur einen Bruchteil seines Sortiments ab.

          Negative Schlagzeilen zuletzt

          Der Konzern verfügt ansonsten über wichtige Standbeine in Brasilien und Nordamerika sowie anderswo auf der Welt – erst recht seit der Übernahme des international zweitgrößten britisch-südafrikanischen Brauers SAB Miller.

          So positiv die Nachricht in Belgien aufgenommen wurde – AB Inbev sorgte zuletzt für manch negative Schlagzeile. Ungünstige Marktentwicklungen in Brasilien, Argentinien oder Südafrika drückten auf Gewinne und Stimmung. Im Clinch liegt der Konzern mit den Wettbewerbshütern der Europäischen Kommission. Sie werfen AB Inbev vor, die Wiedereinfuhr von Bieren der belgischen Marken Jupiler und Leffe aus den Niederlanden und Frankreich zu erschweren und so die Preise in Belgien künstlich hoch zu halten.

          So bewegte sich der Aktienkurs des erfolgsverwöhnten Unternehmens zuletzt meist abwärts und weist in diesem Jahr Einbußen von rund 20 Prozent auf. Zur allgemeinen Überraschung verzeichnete AB Inbev im September einen Kursrutsch um gut sechs Prozent. Für Unruhe hatten Analysten von Morgan Stanley mit der Empfehlung an den Konzern gesorgt, sich lieber um den Abbau der Schulden zu kümmern, als die Unternehmenserträge vollständig in Form von Dividenden auszuzahlen.

          Gewarnt wurde dabei vor einer Entwicklung, bei der das Unternehmen von der höchsten Stufe der Kreditwürdigkeit gestoßen werden könnte, falls es seine – nicht zuletzt durch die Übernahmen der vergangenen Jahre – angehäuften Schulden nicht rascher abbaue. Obwohl Morgan Stanley das Kursziel von 110 auf 100 Euro je Aktie absenkte, empfiehlt es die Aktie weiter zum Kauf.

          Analysten sind positiv gestimmt

          Auch Patrick Casselman, Finanzanalyst bei BNP Paris Fortis, zeichnete am vergangenen Wochenende in der Wirtschaftszeitung „De Tijd“ ein rosiges Bild. Die Übernahme von SAB Miller habe AB Inbev gut verdaut. „Der Kurs ist genug gefallen, und die Risiken sind ausreichend einkalkuliert worden. Wir erwarten eine ansehnliche Zunahme des Mittelzuflusses und der Gewinne. Ermöglicht werden dürfte dies durch schrittweise Preiserhöhungen sowie die verstärkte Ausrichtung auf Premiumbiere – in Kombination mit den aus der Übernahme herrührenden Einsparungen und Synergien“, erläuterte Casselman.

          Alles in allem bewerten die Marktkenner, wie die „Beursduivel“-Umfrage zeigt, die Entwicklung an der Brüsseler Börse durchaus zuversichtlich. Auf die Frage nach der Kursentwicklung in den kommenden sechs Monaten gaben 45 Prozent der Befragten an, dass es einen Anstieg um mindestens drei Prozent geben werde.

          ANHEUSER-BUSCH INBEV

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          Nur 17 Prozent rechnen damit, dass die Kurse dann mindestens drei Prozent niedriger liegen werden. Pessimistische Einschätzungen gab es besonders zum Telekomkonzern Telenet, zu dem Hygieneartikelhersteller Ontex, dem Energiekonzern Engie sowie dem seit März nicht mehr im Bel-20 notierten Drahthersteller Bekaert.

          BNP-Paribas-Fortis-Börsenfachmann Casselman zählt außer AB Inbev den Telenet-Konkurrenten Proximus sowie das mehrheitlich noch staatlich kontrollierte Postunternehmen Bpost zu seinen Favoriten. Der seit dem Jahr 2015 verzeichnete Kursrutsch der Proximus-Aktie um 42 Prozent stehe im klaren Widerspruch zur jüngsten günstigen Geschäftsentwicklung.

          Für überzogen hält Casselman auch die unlängst nach einer Warnung vor fallenden Gewinnen eingetretene Halbierung des Wertes der Bpost-Aktie. Auch in Belgien würden zwar immer weniger Briefe verschickt. Pluspunkte – für Anleger – seien dagegen Einsparungen, nicht zuletzt durch die angekündigten Einschnitte bei der Zustellung klassischer Briefsendungen, die starke Zunahme bei Paketdiensten und den Aufschwung des elektronischen Handels, erläuterte er „De Tijd“.

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