https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/warum-crowdinvesting-fuer-kleinanleger-gefaehrlich-ist-15524731.html

Risiken bei der Geldanlage : Crowdinvesting ist für Kleinanleger sehr gefährlich

  • -Aktualisiert am

Beteiligung per Mausklick: Crowdinvesting wirkt zunächst komfortabel – die Geldanlage birgt allerdings auch Risiken. Bild: Picture-Alliance

Verbraucherschützer sehen Crowdinvesting mit einem sehr kritischen Blick: Viele Kleinanleger wissen im Vorfeld nur wenig über die Geldanlage – und nehmen mitunter hohe Risiken in Kauf.

          2 Min.

          Die Idee ist an sich charmant und seit Jahren gängige Praxis: Kleininvestments in Unternehmen oder Immobilien für jedermann. Das alles funktioniert über eine Online-Plattform ohne Bankbürokratie und -gebühren. Die Rede ist vom Crowdinvesting. Zündet das Vorhaben, bekommen Investoren, zumeist Kleinanleger, Zinsen oder werden am Gewinn beteiligt. Alle notwendigen Informationen über die Anlagen sollen im jeweiligen VermögensanlagenInformationsblatt (VIB) aufgeführt sein. Nach einer vom baden-württembergischen Verbraucherschutzministerium bei der Universität Bamberg in Auftrag gegebenen Studie klären diese Informationsblätter oftmals nicht richtig auf.

          „Einerseits fehlen relevante Informationen zu Chancen und Risiken der Crowdinvesting-Produkte. Andererseits wird bei den Verbrauchern durch das VIB trotz des Informationsmangels die Illusion erzeugt, gut über das Produkt informiert zu sein. Die Studie spricht hierzu eine deutliche Sprache“, so Ressortchef Peter Hauk (CDU). Es wurden rund 400 Investments unter die Lupe genommen. Das Portal Crowdinvest.de beziffert das bisher vermittelte Volumen auf rund 442 Millionen Euro, davon flossen 225 Millionen Euro allein in den Bereich Immobilien. Dazu schreibt Studienautor Andreas Oehler vom Lehrstuhl für Finanzwirtschaft: „Vielen Kleinanlegern dürfte hierbei allerdings kaum klar sein, dass sie nur deswegen den Zugang zu diesen Immobilienprojekten erhalten, weil Banken und Projektentwickler nicht bereit waren, die damit verbundenen Risiken in ihre eigenen Bilanzen zu nehmen.“

          Verbrauchern liegen nur einseitige Informationen vor

          Verbraucherschützer sehen Crowdinvesting mit einem sehr kritischen Blick. „Das ist eine Geldanlage, über die der Verbraucher im Vorfeld wenig weiß. Er hat nur die Information des Anbieters mit dessen Ziel, die Geldanlage zu verkaufen“, kritisiert Niels Nauhauser von der Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg. Außerdem finde keine Preisbildung über den Markt statt. Hauk fordert, die Crowdinvesting-Plattformen künftig unter die Aufsicht der Finanzaufsicht Bafin zu stellen. Und als Konsequenz der Erhebung soll seiner Auffassung zufolge gleichfalls über eine Prospektpflicht nachgedacht werden.

          Wer beispielsweise über eine Plattform per Nachrangdarlehen weniger als 2,5 Millionen Euro einsammelt und die Beteiligung pro Anleger auf maximal 10.000 Euro deckelt, muss den Angaben zufolge bislang keinen Verkaufsprospekt erstellen. Banken oder Wagniskapitalgeber erhalten bei Investitionen in der Regel ein Mitspracherecht. Schwarmanleger haben das nach Auskunft von Verbraucherschützern allerdings nicht. Das Standardinvestmentmodell sind nachrangige Darlehen; im Insolvenzfall erhalten zunächst alle anderen Gläubiger ihr Geld. Das Verlustrisiko ist hier also deutlich höher.

          Weitere Themen

          Anleger in Schockstarre

          Börsenwoche : Anleger in Schockstarre

          Es ist an den Finanzmärkten ein frustrierendes Halbjahr gewesen. Doch es könnte inzwischen schon zuviel des Pessimismus eingepreist sein.

          Topmeldungen

          Das Kapitol in Washington, vom Supreme Court aus gesehen

          Urteil des Obersten Gerichts : Amerikas Klima-Versager

          Der Supreme Court macht deutlich: Klimapolitik ohne Kongress geht nicht. Seine Entscheidung ist nachvollziehbar – was allerdings nicht tröstet.
          Hat Corona – und hat recht: Hubert Aiwanger

          Fraktur : Ausgerechnet Aiwanger!

          Ist es besser, Corona vom bayerischen Wirtschaftsminister zu bekommen als von Martin Semmelrogge? Oder ist schon die Frage ungehörig?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.