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Nervöse Anleger : Der Eine-Billion-Dollar-Verlust

Die Aktienhändler an der New Yorker Börse haben derzeit viel zu tun. Bild: Reuters

Apple, Amazon, Facebook und Google haben an der Börse deutlich an Wert verloren. Die Summen sind riesig. Und Gründe dafür gibt es gleich mehrere.

          Die herben Kursverluste der Technologieunternehmen summieren sich mittlerweile auf einen gewaltigen Betrag: Seit Ende September ist der Wert der im amerikanischen Technologie-Index Nasdaq 100 gelisteten Unternehmen um eine Billion Dollar gesunken – das ist eine Zahl mit 12 Nullen. Um so einen hohen Betrag sind ihre Anteilseigner ärmer geworden, zumindest auf dem Papier.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Klar ist auch, von wem diese Entwicklung im Wesentlichen ausgeht: den großen Tech-Unternehmen. Die mittlerweile unter dem Gruppennamen FAANG durchgereichten Titel (das steht für Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google) repräsentieren ungefähr drei Viertel dieses Wertverlustes, 720 Milliarden Dollar. Viele Marktbeobachter halten es durchaus für möglich, dass diese Kursbewegung erst einmal so weitergeht und damit weitere Kursverluste bevorstehen.

          Apple beispielsweise halten die Anleger mittlerweile für 840 Milliarden Dollar wert, der iPhone-Hersteller überschritt als erster privater Konzern auf der Welt überhaupt die Billion-Dollar-Marke an der Börse in diesem Jahr. Die Kursverluste begannen vornehmlich infolge der jüngsten Quartalszahlen, die für sich genommen zwar wieder einen Milliardengewinn beinhalteten und auch ein veritables Kaufinteresse gerade an den teuersten Geräten der iPhone-Reihe zeigten. Allerdings teilte Apple auch mit, künftig die Verkaufszahlen nicht mehr ausweisen zu wollen, was nicht gut ankam.

          Analysten sind vorsichtig geworden

          Ob das iPhone womöglich sogar seinen Zenit überschritten hat, zumindest wenn es um pure Masse geht, fragt sich mancher Marktbeobachter. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs haben nun jedenfalls ihr Kursziel für die Aktie auf 182 Dollar reduziert – in etwa dort befindet sich der Kurs momentan auch. Ihre Wettbewerber vom japanischen Geldhaus Nomura halten ein ähnliches Niveau für gerechtfertigt. Merklich zurückgegangen ist auch der Marktwert der Technik-Holding Alphabet (Google), Dieser verminderte sich von ungefähr 900 Milliarden Dollar auf nun 720 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung von Facebook beläuft sich derweil sogar auf weniger als 400 Milliarden Dollar und liegt damit nicht mehr weit oberhalb des Börsengewichts, dass Amerikas größte Bank JP Morgan gerade aufbringt.

          Von der Kurskorrektur deutlich getroffen wurde schließlich auch der Internetkonzern Amazon. Auch dieses Unternehmen hielten die Börsianer im Sommer vorübergehend noch für mehr als 1 Billion Dollar wert, mittlerweile sind es noch 740 Milliarden. Ausgewirkt hat sich das auch auf das Vermögen des Amazon-Gründers und Vorstandsvorsitzenden Jeff Bezos. Er kommt als wichtigster einzelner Amazon-Anteilseigner nach Angaben der Reichen-Rangliste, die der Finanzdienst Bloomberg regelmäßig erstellt, nun auf ein Vermögen von 120 Milliarden Dollar – deutlich weniger als noch im Sommer –, ist aber der mit Abstand reichste Mensch der Welt geblieben.

          APPLE

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          Hinter ihm folgt Microsoft-Mitgründer Bill Gates auf dem zweiten Platz, Facebook-Vorstandschef Mark Zuckerberg kommt demnach derzeit auf ein Vermögen von fast 54 Milliarden Dollar, zuvor hatte er beinahe den Drittplazierten Warren Buffett überholt, den legendären Investor, der an der Spitze des Versicherers Berkshire Hathaway steht.

          Eine Reihe von Gründen

          Für den Kursrückgang der Tech-Werte gibt es derzeit eine ganze Reihe von Gründen, über welche die Anleger diskutieren. Darunter sind solche, die einzelne Unternehmen direkt betreffen. Facebook etwa ist wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten und jüngst auch durch eine Enthüllung der „New York Times“ über Werbepraktiken ins Gerede gekommen – wieder einmal tobt die Debatte, ob und wie lange sich Mark Zuckerberg oder seine rechte Hand, die für das operative Geschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg, noch an der Spitze werden halten können.

          Ein weiteres Thema sind neue Datenschutzvorgaben auch in den Vereinigten Staaten: Vertreter beider Kongressparteien diskutieren darüber, den Datenschutz auf gesamtstaatlicher Ebene an das 21. Jahrhundert anzupassen, der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte unlängst an, sich dies und zudem die Marktmacht der Tech-Konzerne ansehen zu wollen. Mehr Regeln – sei es über das Wettbewerbsrecht oder in Form von höheren Datenschutzanforderungen – kosten die betroffenen Unternehmen tendenziell mehr Geld.

          FACEBOOK INC.A DL-,000006

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          Außerdem drückt höherer Wettbewerb für sich genommen die Profitabilität – und es gibt einige Bereiche, in denen gerade auch die Tech-Riesen stärker miteinander konkurrieren als noch vor einigen Jahren: Google, Microsoft und Amazon kämpfen zum Beispiel darum, das attraktivste Cloud-Angebot zu machen. Außerdem wetteifern sie miteinander darum, den besten digitalen Assistenten anzubieten. Zusätzliche Konkurrenz machen ihnen immer mehr auch Anbieter aus China.

          Schließlich trifft die Tech-Aktien naturgemäß auch all das, was auf dem Aktienmarkt insgesamt lastet. Und hier geht es an der Wall Street derzeit maßgeblich um die Frage, ob die gestiegenen Leitzinsen sich zunehmend stärker bremsend auf die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten oder zumindest auf den Aktienmarkt auswirken werden. Denn die Attraktivität festverzinslicher Anlageprodukte hängt an der Höhe der Zinsen – und Anleger, die zwischen verschiedenen Anlageformen wählen können, entscheiden sich in einem Umfeld steigender Zinsen zunehmend auch einmal gegen Aktien und für Anleihen. Wenn etwa Donald Trump die Währungshüter in Washington scharf kritisiert, dann ist das auch gerade vor diesem Hintergrund zu sehen.

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