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Aktienmärkte : „Ein Deutschland ohne Regierung ist verkraftbar“

Mit Aktien dürften deutsche Anleger auch 2018 gut fahren. Bild: Reuters

Der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock ist optimistisch für die Märkte und sagt warum Aktien auch 2018 noch nicht teuer bewertet sind.

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          Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock rechnet weiter mit einem stabilen weltwirtschaftlichen Aufschwung und entsprechenden Kursgewinnen an den Aktienmärkten. „Wir glauben, dass die Aktienkurse mit den Unternehmensgewinnen im Gleichklang steigen“, sagt Martin Lück, Leiter der Kapitalmarktstrategie in Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa bei Blackrock. 10 Prozent Wachstum lautet hier die Schätzung für die europäischen Unternehmen im Jahr 2018. Umgerechnet auf den Dax, entspricht dies einem Anstieg im kommenden Jahr auf Rekordwerte von mehr als 14 000 Punkten.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass mit Deutschland die wichtigste Volkswirtschaft in Europa ohne gewählte Regierung dasteht, wird bei Blackrock relativ gelassen gesehen. „Ein Deutschland ohne Regierung ist aus Sicht der Märkte verkraftbar“, sagt Lück. Die Märkte seien da sehr pragmatisch. „Gefragt wird nach den unmittelbaren Auswirkungen auf die Unternehmen, und solange die weiter ihre Gewinne machen, besteht kein Grund zur Sorge.“ Blackrock verwaltet umgerechnet gut 5 Billionen Euro, unter anderem in seinen Fonds der Marke iShares. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaftsleistung in einem Jahr beträgt gut 3 Billionen Euro.

          Mittelfristig größeres Kurspotential unter anderem in Japan

          Die Politik kann aber sehr wohl Einfluss an den Märkten haben. „Die geplante amerikanische Steuerreform mit ihrem Entlastungsvolumen von 100 Milliarden Dollar im Jahr für Unternehmen hat das Zeug, dem amerikanischen Aktienmarkt eine Jahresendrally zu bescheren“, sagt Lück. Mehr Geld in den Unternehmenskassen und die Rückholung im Ausland geparkter Milliardengewinne nach Amerika könnte zu deutlich mehr Aktienrückkäufen der Unternehmen und mithin steigenden Aktienkursen führen. Diesen Effekt hält Lück jedoch eher für kurzfristig. Mittelfristig sieht er in Europa, den Schwellenländern und Japan größeres Kurspotential. „Die Vereinigten Staaten sind im Konjunkturzyklus schon in einer reiferen Phase, und das gilt auch für die Aktienmärkte.“

          DOW JONES

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          Zu spüren ist dies auch in der Geldpolitik. „Da sind sie ziemlich verlässlich vier Jahre weiter als Europa“, sagt Lück. Während der Kapitalmarktstratege im kommenden Jahr in Amerika den Leitzins auf 2 Prozent steigen sieht, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null belassen. „Nächstes Jahr wird sie das Anleihekaufprogramm auslaufen lassen und dann vielleicht Ende 2019 eine erste Zinserhöhung vornehmen“, sagt Lück. Der Rückgang der Anleihekäufe könnte nächstes Jahr die Nachfrage nach Bundesanleihen schwächen. Im Umkehrschluss erwartet Blackrock eine steigende Rendite um etwa 0,5 Prozentpunkte in der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit.

          Anleihen keine attraktive Alternative zu Aktien

          Lück sieht in Anleihen weiterhin eine im Vergleich zu Aktien weniger attraktive Alternative. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus und mit Blick auf die langfristigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien Aktien auch nach bald neun Jahren Hausse noch nicht teuer. Deutsche Unternehmen profitierten weiterhin von dem Extra-Doping durch den für Deutschland zu schwachen Euro. „Die Stärke der deutschen Volkswirtschaft würde Wechselkurse von mehr als 1,30 Dollar je Euro rechtfertigen“, sagt Lück.

          EUR/USD

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          Tatsächlich könne der Euro sich jedoch in Richtung von Kursen von 1,10 Dollar bewegen, wenn es dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump gelinge, seine Steuerreformpläne durch den Kongress zu bringen. Falls nicht, so Lück, würden auch die letzten Trump-Hoffnungen aus den Kursen ausgepreist und nicht nur die amerikanischen Aktienkurse leiden, sondern auch der Dollar mit Kursen von 1,25 Dollar für einen Euro noch schwächer werden.

          Falls der deutsche Aktienmarkt in den kommenden Monaten nicht mit anderen Aktienmärkten Schritt halten sollte, dürfte dies vor allem daran liegen, dass der deutsche Technologiesektor vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. „Hier rechnen wir weiterhin mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen der großen amerikanischen und asiatischen Tech-Unternehmen“, sagt Lück.

          Am Ölmarkt sieht der Blackrock-Stratege leichte Aufwärtstendenzen um etwa 10 Prozent im kommenden Jahr. „Die Nachfrage wird weiter stabil mit 3 bis 4 Prozent wachsen, entscheidend ist aber das Angebot“, sagt Lück. Die angespannte Lage zwischen Saudi-Arabien und Iran könnte hier zu Belastungen führen. Als Inflationstreiber sei der Ölpreis aber ebenso wenig geeignet wie die schwache globale Lohnentwicklung. „Die Globalisierung, aber auch die mit der Digitalisierung einhergehende Automatisierung dämpfen die Lohnentwicklung und tragen maßgeblich dazu bei, dass die Inflation nicht wesentlich stärker wird“, sagt Lück.

          Die Notenbanken bestätigten dies in ihrer gemächlichen Gangart. Das Umfeld ordentlichen, weitgehend inflationsfreien Weltwirtschaftswachstums bleibe damit in allen wichtigen Regionen bestehen. „Es gibt keinen akuten Grund zur Sorge, und große Risiken für das Weltwirtschaftswachstum bestehen auch keine unmittelbaren“, sagt Lück.

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